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Romina weiss Rat

Familienstreit an Weihnachten: So schont ihr eure Nerven

In vielen Familien kommt es an Weihnachten zu groben Verstimmungen. Der Druck ist gross, schliesslich hat man nur einmal jährlich die Möglichkeit, in dieser Form zu feiern. Für Ärger sorgen gerne auch die Verwandten, die an allem rumstänkern. Doch das muss nicht sein, findet Familienexpertin Romina Brunner.

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Familien-Expertin Romina Brunner weiss: Weihnachten ist nicht in allen Familien das Fest der Liebe, sondern oft auch Grund für Streitereien.

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Romina Brunner
Romina Brunner

Journalistin und Mutter von zwei Kindern

Wenn ich an Weihnachten denke, dreht es mir den Magen um. Jedes Jahr gibt es bei uns Ärger. Die Schwiegermutter stänkert rum, bringt zig überflüssige Geschenke für die Kinder mit und mischt sich in die Erziehung ein. Am Ende hab ich Krach mit meinem Mann. Was kann ich tun? — Christina

Liebe Christina,

Die Vorstellung ist verlockend. Heiligabend bei euch daheim, mit all deinen Lieben am Tisch. Mit leuchtenden Kinderaugen, glücklichen Erwachsenen, einem bunt geschmückten Tannenbaum und  Geschenken. Harmonie pur, wie wunderbar!

Doch die Realität sieht oft anders aus. In vielen Familien liegen die Nerven schon vor Heiligabend blank und das Fest wird zur Pflichtveranstaltung. Laut einer Umfrage der American Psychological Association APA klagen denn auch 61 Prozent der Befragten über Beziehungsprobleme an den Festtagen. Über ein Drittel sind an Weihnachten öfters verärgert oder wütend.  

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Hohe Erwartungen sind ein Stolperstein

«Weihnachten bedeutet oft Stress für alle Beteiligten», weiss auch Paartherapeut und Buchautor Wolfgang Krüger. «Die Leute haben eine verklärt-kritische Vorstellung davon, was untereinander möglich ist.» Der Partner, der schon immer schwierig war, soll plötzlich zuvorkommend und umgänglich sein. Und die nörgelnden Verwandten verständnisvoll. Ein Trugschluss: Auf dieser Basis sind hochemotionale Enttäuschungen vorprogrammiert und es gibt schnell Streit.

Spann deinen Ehemann mit ein

Liebe Christina, ich glaube, die ganze Zwietracht muss nicht sein - oder zumindest nicht in diesem Ausmass. Wenn du schlau planst und deine Bedürfnisse klar kommunizierst — schliesslich findet die Feier in deinem Haus mit dir als Gastgeberin statt — ist am Ende allen gedient.

Beginn damit, deinen Ehemann einzuspannen. Dein Mann soll mit seiner Mutter Tacheles reden. Es geht überhaupt nicht, dass die Schwiegermutter jedes Mal über deine Kochkünste herzieht und sich in die Erziehung einmischt. Schliesslich ist sie Gast bei euch. Entweder sie lässt das Nörgeln oder sie bringt das Essen mit. Und wenn ihr das alles nicht passt, kann sie immer noch zuhause bleiben.

Teilt das Essen untereinander auf

Warum eigentlich kochst du alleine? Wie wäre es wenn ihr euch in der Verwandtschaft die Arbeit teilt? Ich denke, dass da alle einverstanden sind. Meistens ist der Besuch sogar dankbar, wenn er weiss, was er bringen kann. Also trau dich ruhig, Hilfe anzunehmen und sag klar, was du brauchst. Eine leckere Vorspeise, ein Orangensalat mit Eis, oder den Frühstücks-Zopf für den Tag danach. Die Voraussetzung ist jedoch, dass du Hilfe annehmen kannst. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass mit dieser Lösung alle zufrieden sind. Dir bleibt ja noch genug Arbeit, während die andern ausspannen können, räumst du nachher die Küche auf.

Das masslose Schenken ist in vielen Familien Thema – umso wichtiger ist es, dass du auch hier der Verwandtschaft klarmachst, was du möchtest. Auch der Grossmutter, wenn sie mit dem zwölften Stofftier antanzt. Gerade Grosseltern neigen dazu die Kinder zu sehr zu verwöhnen. Doch besonders kleine Kinder sind mit so vielen Geschenken total überfordert. Am Ende wissen sie nicht mehr, womit sie nun spielen sollen.

Wir machen es so, dass es ein kleines Geschenkli gibt und einen Batzen fürs Kässeli. So sind alle glücklich. Oder die Paten tun sich mal zusammen und schenken etwas gemeinsam.

Grosseltern sind im Rollenkonflikt

Viele Grosseltern haben Mühe sich zurückzunehmen und fühlen sich immer noch in der Elternrolle, obwohl ihre Kinder längst erwachsen sind. Dieser Umstand führt auch gerne zu Spannungen. Etwa, wenn die Omi den Kindern erlaubt von Tisch zu gehen, vorzeitig die Geschenke auszupacken oder den Kindern heimlich Süssigkeiten in den Mund steckt, obwohl du laut und deutlich einen Süssigkeiten-Stopp ausgerufen hast. Auch diese Situationen lassen sich mit guter Kommunikation entschärfen.

Keine falschen Erwartungen

Liebe Christina, wenn du klug kommunizierst, wirst du mit Sicherheit angenehmere Festtage haben. Gelassenheit ist aber immer noch das beste Rezept von allen. Wie wärs wenn du dich gar nicht erst auf ein harmonisches Zusammenkommen freust, sondern die Situation so nimmst, wie sie ist?

Ich wünsche dir frohe Weihnachten!

Herzlichst, Romina

Unsere Expertin für Familienfragen

Nie waren Eltern so gut informiert wie heute. Und nie war es schwieriger, im Dschungel aus Ratgebern und Internetforen den besten Weg für den eigenen Nachwuchs zu finden. Unsere Familien-Expertin Romina Brunner, 39, hilft, Ordnung zu schaffen. Regelmässig berät die zweifache Mutter und Journalistin die SI-Family-Community zu Themen und Fragen aus dem Familienalltag.

Von Romina Brunner am 10.12.2019
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