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Romina weiss Rat

Was Eltern bei einer Trennung richtig machen können

Wenn Eltern sich trennen, ist das für alle Beteiligten meist unendlich traurig. Erwachsene wie Kinder leiden unter Schuldgefühlen, Verlust- und manchmal auch Existenzängsten. Trotzdem können Eltern in dieser Zeit viel richtig machen!

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Viele Kinder wünschen sich, dass ihre Eltern zusammenbleiben. Das stellt Mamas und Papas in der Trennungssituation vor Herausforderungen.

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Romina Brunner
Romina Brunner

Journalistin und Mutter von zwei Kindern

Mein Mann möchte sich von mir trennen. Er wohnt nur noch zeitweise bei uns. Wie soll ich das meinen Kindern erklären? Ich möchte mich gut auf dieses Gespräch vorbereiten, um ihnen Schmerz zu ersparen. Ist das überhaupt möglich? — Desirée

Liebe Desirée

Ich glaube, das Wichtigste ist, dass du akzeptierst, dass deine Kinder die Trennung nicht wollen. Du kannst dich noch so gut vorbereiten, dich von Fachpersonen coachen lassen und das Gespräch höchst professionell führen. Doch du kannst wohl nicht verhindern, dass die Trennung deinen Kindern weh tun wird. Kinder wünschen sich meist - auch wenn sie schon älter sind -, dass ihre Eltern zusammenbleiben.

Fragt Romina!

Habt ihr auch ein Thema, das euch beschäftigt? Dann schreibt ein Mail an romina@schweizer-illustrierte.ch

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Eltern sollten erst die wichtigsten Trennungs-Fragen klären

Das Trennungs-Gespräch setzt voraus, dass du und dein Mann euch bereits einig seid über das weitere Vorgehen: Wer zieht aus? Bei wem werden die Kinder leben? Wann werden sie den anderen Elternteil sehen? Wie läuft die Alltagsbetreuung? Wie sieht der Kontakt zwischen den Eltern künftig aus? «Sind diese Punkte geklärt, sind die Eltern selber emotional bereits viel ruhiger und kommunizieren klarer», sagt Trennungs-Expertin Martina Rissi von 2Blick. «So geben sie ihren Kindern trotz Schmerz automatisch mehr Sicherheit.»

«Trennungs-Gründe sind Paarsache und gehen Kinder im Grunde nichts an»

Martina Rissi, Trennungscoach

Rissi rät, sich im Erstgespräch auf das Wesentliche zu konzentrieren und keinesfalls langjährige Eheprobleme zu besprechen. «Trennungs-Gründe sind Paarsache und gehen Kinder im Grunde nichts an.»

Denn sobald Eltern Gründe liefern, beginnt ein Seilziehen um Schuld und Unschuld. Dann kann es schnell passieren, dass sich die Kinder – auch inoffiziell – auf eine Seite stellen und das ist fatal. «Kinder sollten ihre Eltern immer gleich lieben dürfen und sich emotional niemals zwischen Mami und Papi entscheiden müssen.» Daher stellen auch Fragen wie «Wer will bei wem wohnen?» eine absolute Überforderung dar und sind in den meisten Fällen absolut tabu. 

Freie Emotionen verhindern seelische Narben

«Das Allerwichtigste ist, die Kinder von der Verantwortung freizusprechen. Denn Kinder fühlen sich meistens mitschuldig», so Rissi.

Die Expertin empfiehlt Eltern, inhaltlich in etwa so zu kommunizieren: «Papi und Mami trennen ihre Liebesbeziehung. Die Gründe dafür gehen nur uns etwas an. Es hat absolut nichts mit euch zu tun, ihr tragt keine Schuld. Wir bleiben für immer eine Familie, daran wird sich auch nie etwas ändern.» Idealerweise räumen Eltern danach ganz ruhig dem Schmerz, der Trauer und vielleicht auch der Wut ihrer Kinder Raum ein – egal, wie lange dieser Prozess dauert. Rissi: «Wenn Kinder ihren Emotionen freien Lauf lassen dürfen, bleiben weniger seelischen Narben zurück.»

So geht der Erklärungs-Trick mit den Fäden

Wichtig ist, den Kindern zu vermitteln, dass sie für immer mit beiden Elternteilen eine Familie bleiben werden — auch wenn ein neuer Partner ins Spiel kommen sollte. «Das kann man beispielsweise auch mit Fäden symbolisch unterstreichen. Jedes Familienmitglied ist durch einen Faden mit dem anderen verbunden. Papi und Mami verbinden zwei Fäden: Die Liebes- und die Elternbeziehung. Trennen sich die Eltern, verschwindet nur ein einziger Faden aus dem Familiennetz: Der Liebesfaden. Alles andere bleibt bestehen.» Kommt ein neuer Partner dazu, steht dieser separat neben dem Elternteil mit einem eigenen Faden – idealerweise in einer anderen Farbe. 

Die Trennungsexpertin rät auch zur absoluten Transparenz: «Ist ein neuer, fester Partner im Spiel, dürfen Kinder davon wissen.» Nicht beim Trennungs-, sondern beim Folgegespräch, weil - wie erwähnt - dem Elternteil mit neuer Beziehung sonst schnell die Schuld zugewiesen werden könnte. «Und meiner Meinung nach hat ein neuer Mensch nur Platz im Liebesleben, wenn das Alte bereits vorbei war», so Rissi. «Oftmals auch unbemerkt.»

Begleitende Unterstützung hilft den Kindern

Liebe Desirée, falls du unsicher bist, wie du die Kommunikation gestalten sollst, würde ich dir empfehlen, eine Fachperson beizuziehen. Es ist ein harter Brocken, der da auf dich und deine Kinder zukommt und falls die Situation eskaliert, kannst du dich im besten Falls gleich coachen lassen.

Ich würde mich allenfalls auch bereits nach einer Shiatsu-Therapeutin oder einer Naturärztin umsehen. Begleitende Unterstützung könnte deinen Kindern gut tun. Empfehlenswert ist sicher, die jeweiligen Lehrpersonen zu informieren.

Ich wünsche dir und euch viele Glück!

Herzlichst,
Romina

Unsere Expertin für Familienfragen

Nie waren Eltern so gut informiert wie heute. Und nie war es schwieriger, im Dschungel aus Ratgebern und Internetforen den besten Weg für den eigenen Nachwuchs zu finden. Unsere Familien-Expertin Romina Brunner, 38, hilft, Ordnung zu schaffen. Jeden Mittwoch berät die zweifache Mutter und Journalistin die SI-Family-Community zu Themen und Fragen aus dem Familienalltag.

Von Romina Brunner am 23.03.2020
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