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Romina weiss Rat

Wenn der Kindergeburi zum Albtraum wird

Kindergeburtstage nehmen immer groteskere Züge an. Und gehen ins Geld! Das muss nicht sein, sagt Familien-Expertin Romina Brunner. Sie zeigt lockere Alternativen auf.

Romina Brunner, SI Online Familien Bloggerin, bei sich zu Hause in Birchwil ZH, am 09.11.2018, Foto Lucian Hunziker

Romina Brunner ermutigt Eltern aus der Spirale des Geburtstagswahns auszusteigen.

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Meine Tochter (7) bekommt monatlich mindestens eine Geburtstagseinladung. Selbstverständlich möchte sie an alle gehen. Die Feste sind immer ausgefallener. Da muss ich bei ihrer Party fast mitziehen. Wir geben alleine für Geschenke mehrere Hundert Franken im Jahr aus! Ist das nicht verrückt? – Moni (36)

Liebe Moni

Die heutigen Kindergeburtstage nehmen tatsächlich groteske Züge an. Sack hüpfen, Kuchen essen oder Geschenke suchen, wie wir das aus unserer Kindheit kennen, sind passé.

Die Mütter fahren mit ihren Kindern und mindestens zehn kleinen Freunden ins Alpamare, mieten eine Go-Kart-Bahn, ein Riesentrampolin oder gehen in den Zoo mit privater Führung. Andere buchen das Fest direkt bei einem Geburtstagsveranstalter. Da gibt es Themenfeiern mit professioneller Animation, Schminke, Verkleidung, Verköstigung und Geschenke inklusive.

Fragt Romina!

Habt ihr auch ein Thema, das euch beschäftigt? Dann schreibt ein Mail an romina@schweizer-illustrierte.ch

Viele Eltern benehmen sich, als müssten sie einen Wettbewerb gewinnen

Es scheint, als hätten die Mütter nur noch ein Ziel: sich gegenseitig zu übertrumpfen. Schliesslich soll die Geburtstagsparty ihrer Kleinen ja mindestens gleichviel bieten wie die Feier der Freundinnen. Koste es was es wolle. Die Gäste sind selbstverständlich eingeladen. Auch wenn man 30 Franken pro Eintritt hinblättert.

Ausgefallen sind schon die Einladungskarten. Und natürlich gehört auch ein Erinne-rungsgeschenk zum guten Ton. Auch da lassen sich die Eltern nicht lumpen. Und von der Party geht kein Kind ohne mindestens eine Schachtel Buntstifte nach Hause. Da erstaunt es nicht, dass die Kindergeburtstage für viele Eltern zum Alptraum geworden sind.

Auch ein Erlebnis, das nichts kostet, schafft schöne Erinnerungen

Doch das muss nicht sein. Was es braucht, ist Mut, sich treu zu bleiben und dem Trend entgegenzusetzen. Denn es gibt zig spassige Alternativen: Eine Schnitzeljagd mit Schatzsuche, Wattepusten, Smarties verzaubern oder einfach das Geburtstagskind hochleben lassen und Kuchen essen.

Statt übergrosszügige Geschenke kann ein Gutschein als Mitbringsel eine goldene Alternative sein. Etwa für ein Mittagessen oder eine Pyjamaparty mit dem Geburtstagskind. Mein Credo: weniger ist mehr!

Wer den Geburtstags-Terror ablehnt, kann auch als Vorbild gelten

Viele Eltern haben jedoch Angst, dass ihr Kind gehänselt wird, wenn es nicht mit einem pompösen Fest auftrumpfen kann. Es ist leider auch eine Tatsache, dass Parties im Wald nicht allen gefallen. Meine Freundin etwa feierte mit ihrem Sohn und seinen Kollegen im Forst. Zwei der Kinder fanden das gar nicht cool. Sie stänkerten und versauten dem Geburikind beinahe die Feier. Ganz ehrlich, solche Querulanten darf man meiner Meinung nach mahnen oder sogar nach Hause schicken.

Falls einem der ganze Geburtstagswahn zuwider ist, hilft sicher ein Gespräch mit andern Eltern und dem eigenen Kind. Erklären Sie, dass eine Party im Kart-Bahn-Center das Familienbudget sprengen würde. Man kann ja auch mal im kleineren Kreis hin. Kinder verhandeln gerne!

Übrigens ist es gut möglich, dass der allgegenwärtige Geburtstagsterror auch andere Mütter abschreckt. Und dass einige ganz erleichtert sind, wenn man aus der Spirale ausbricht.

Herzlich, Romina

Unsere Expertin für Familienfragen

Nie waren Eltern so gut informiert wie heute. Und nie war es schwieriger, im Dschungel aus Ratgebern und Internetforen den besten Weg für den eigenen Nachwuchs zu finden. Unsere Familien-Expertin Romina Brunner, 38, hilft, Ordnung zu schaffen. Jeden Mittwoch berät die zweifache Mutter und Journalistin die SI-Family-Community zu Themen und Fragen aus dem Familienalltag.

Von Romina Brunner am 20. März 2019