Fotos schiessen? Kann doch jede:r! Kinder wachsen mit Smartphones, Tablets und Laptops auf und wissen längst, wie man den Auslöser bedient. Den Rest macht der Computer: Lichtfehler lassen sich filtern, unerwünschte Details per KI korrigieren. Warum also noch einen Fotokurs besuchen? «Weil man sich in der heutigen Fülle an Bildmaterial nur mit Bildkompetenz orientieren kann», sagt Fotograf Adrian Sonderegger (45).

Adrian Sonderegger leitet den Kurs «photoKIDS – Kleine Sets, Grosse Bilder» an der diesjährigen photoSCHWEIZ vom 6. bis 10. Februar im Zürcher Kongresshaus. Das neue Kinderprogramm enthält weitere altersgerechte Workshops und lädt kleine Gwundernasen auch zu einer Safari durch die Welt der Bilder ein.
ZVGEr selbst entdeckte die Fotografie mit 17 Jahren in einem Freifach an der Kantonsschule Bülach. Sich in Bildern auszudrücken bedeutete für den Teenager damals, eine eigene Sprache zu finden. Dieses Werkzeug möchte er heute weitergeben. «Kinder haben durch Smartphones einen grossen visuellen Vorsprung», sagt er. «Aber sie müssen lernen, Bilder bewusst zu nutzen.»
Für Sonderegger steht dabei weniger das Festhalten von Momenten im Vordergrund als das bewusste Gestalten. «Spannend wird Fotografie für mich, wenn man lernt, Einfluss auf das Bild zu nehmen – über Perspektive, Bildaufbau und Licht.» In seinen Kursen arbeitet er oft mit Modellbau: «Wenn wir die Welt schrumpfen, kann plötzlich eine Giraffe auf dem Tisch stehen. Wir bauen Landschaften, inszenieren Licht und erschaffen gemeinsam Bühnen.» Mit diesem künstlerischen Zugang können Kinder sich eine eigene Bildwelt erschaffen – fast wie in der Malerei.

Wie Bildwelten vor der Linse entstehen: Adrian Sonderegger arbeitet mit Miniaturen und Modellen ...
Adrian Sonderegger
... und so entstehen fast malerische Kunstwerke der Fotografie.
Adrian SondereggerUm das kreative Auge zu schulen, setzt er auf einfache Übungen. «Ich gebe zum Beispiel jedem Kind einen Apfel und sage: Bring mir ein gutes Bild davon. Sie dürfen aktiv damit arbeiten – ihn anbeissen, aufhängen oder inszenieren.» Auch kleine fotografische Spiele helfen: «Spiegelungen suchen oder konsequent mit Perspektiven experimentieren – das schärft den Blick.»
Brauchen Kids noch Kameras?
Dass viele Kinder heute mit dem Smartphone fotografieren, sieht der Profi pragmatisch. «Ich fotografiere auch viel mit dem Handy. Meine Kinder ebenfalls.» Trotzdem empfiehlt er bei Interesse vorbehaltslos die Anschaffung einer Kamera: «Es ist eine Frage des Fokus. Ein Telefon lenkt ab. Eine Kamera hilft, sich ganz aufs Gestalten einzulassen – das halte ich für eine sinnvolle Investition.»
Ist es auch eine Investition in die Zukunft eines Kindes? Den Wunsch, Fotograf oder Fotografin zu werden, hegen viele Kinder. In Zeiten von Smartphones und künstlicher Intelligenz sei das durchaus realistisch, meint Sonderegger: «Vielleicht ist der reine Fotograf nicht mehr gleich gefragt. Aber Bildermacherinnen und Bildermacher als Storyteller wird es immer brauchen.»
