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Das grosse Interview mit der Felix-Illustratorin

Kuschelhase Felix reist durch die Schweiz

Die Bücher von Felix erfreuen seit 25 Jahren die Herzen von Gross und Klein. In seinem Jubiläumsjahr reist der Kuschelhase nun durch die Schweiz. Im Gespräch mit SI Family verrät Felix-Illustratorin Constanza Droop, was sie mit der Schweiz verbindet, an welchen Szenen sie besonders lang herumgetüftelt und wo sie im Buch Gags versteckt hat.

Constanza Droop Illustratorin von Felix

Constanza Droop, 54, hat Kuschelhase Felix mit ihrem Stift vor 25 Jahren zum Leben erweckt. Die Illustratorin lebt in Münster und hat zwei erwachsene Töchter.

Coppenrath Verlag

Frau Droop, Felix war schon überall auf der Welt. Warum reist er im Jubiläumsjahr ausgerechnet in die Schweiz?
Autorin Annette Langen hat eine Freundin in der Schweiz und vor ein paar Jahren kam ihr dieser Gedanke auf einer Wandertour. Darüber habe ich mich sehr gefreut, da ich schon als Kind regelmässig Ferien in der Schweiz verbrachte und wir seit bald 20 Jahren ein Haus in Albinen im Wallis haben.

Da war dieses Buch quasi ein Heimspiel.
Absolut! Als Illustratorin bin ich grundsätzlich in regem Austausch mit der Autorin über den Verlauf einer neuen Felix-Geschichte. Da ich so eng mit der Schweiz verbunden bin, konnte ich bei dieser Ausgabe besonders viele konzeptuelle Überlegungen beisteuern.

«Ein guter Schluss muss überraschen.»

Haben Sie ein Beispiel dafür?
Felix startet seine Reise ja in Zermatt, durchquert von Genf bis ins Appenzell querbeet die Schweiz, streift dabei die Städte Bern, Luzern und Zürich und sollte ursprünglich von Basel aus nach Münster, dem Wohnsitz von Buchfigur Sophie und ihrer Familie, zurückkehren. Mein Vorschlag war es dann, das grosse Wiedersehen zwischen Felix und Sophie in der Schweiz abzuschliessen und zwar am Rheinfall.

Weshalb ausgerechnet dort?
Felix ist gegen Ende seiner Reise in Basel und Sophie mit ihrer Familie im Engadin. Der Rheinfall führt die beiden geographisch betrachtet von Osten und Westen auf ideale Weise zusammen und befindet sich bereits nahe der deutschen Grenze. Zudem wollten wir möglichst viele Attraktionen aus der Schweiz ins Buch reinpacken und der Rheinfall gehört da eindeutig dazu. So konnten wir zwei Fliegen mit einem Streich schlagen.

Constanza Droop Illustratorin von Felix

Constanza Droop: «Gewisse Ideen entwickeln sich oft erst zu einem späteren Zeitpunkt, wenn ich tiefer in der Geschichte drin bin.»

Coppenrath Verlag

Zum Rheinfall gelangt Felix mit einem Heissluftballon. War das auch Ihre Idee?
Ja. Felix ist zuvor bereits mit Zug, Postauto und auf dem Töff unterwegs. Ich überlegte mir dann mit welchem Transportmittel er am besten zum Rheinfall kommt. Sophie steht dort auf der Aussichtsplattform. Vom Heissluftballon aus direkt in Sophies Arme war die eleganteste und spektakulärste Lösung. Ein guter Schluss muss überraschen.

Statt eines Werbespruchs steht auf dem Heissluftballon «Hoi zäme». Welche Rolle spielen Helvetismen in Felix Reise durch die Schweiz?
Eine sehr grosse! Wir hatten zwei Berater aus der Schweiz, die dafür sorgten, dass die Schweizer Bräuche, die im Buch vorgestellt werden, korrekt wiedergegeben werden.

«Ich kann im Bild Dinge zum Ausdruck bringen, die nicht im Text stehen, und so quasi Nebenhandlungen erzeugen.»

Im Buch ist trotzdem die Rede vom «Ziegenpeter». Aus Schweizer Sicht wäre das der Geissenpeter.
Darüber haben wir lange diskutiert. Sophie und ihre Familie sind allerdings Deutsche. Und in Deutschland, wo jedes Kind die Heidigeschichte kennt, ist das eben der Ziegenpeter. Am Ende haben wir uns daher bewusst für diese Ausdrucksweise entschieden.

Constanza Droop Illustratorin Annette Langen Autorin Felix

Erfolgreiches Duo: Illustratorin Constanza Droop (l.) und Felix-Autorin Annette Langen.

Coppenrath Verlag

Wie gehen Sie als Illustratorin jeweils an den Text heran? Zeichnen Sie gerade das, worauf Sie Lust haben?
Ich bewege mich möglichst linear entlang der Buchseiten, also von vorne nach hinten. Allerdings habe ich nicht von Anfang an alle Szenen im Kopf. Gewisse Ideen entwickeln sich oft erst zu einem späteren Zeitpunkt, wenn ich tiefer in der Geschichte beziehungsweise im Thema bin.

Welche Szenen haben Sie besonders herausgefordert?
Ich habe viel Zeit in Zermatt investiert. Den Charakter dieses bekannten Walliser Bergdorfes in einem Bild einzufangen, fand ich sehr anspruchsvoll. Die Engadinerhäuser mit ihren Graffiti und Erkern waren ebenfalls aufwändig. In diese Häuser habe ich mich aber sofort verliebt! Eine weitere knifflige Szene war der Rheinfall.

Woran lag das?
Wasser ist immer schwierig zu zeichnen. Es soll ja echt und fliessend aussehen.

In welchem Verhältnis steht für Sie das Bild zum Text?
Text und Bild sollen sich ergänzen. Ich kann im Bild aber auch Dinge zum Ausdruck bringen, die nicht im Text stehen, und so quasi Nebenhandlungen erzeugen.

Zum Beispiel?
Nur schon sämtliche Familienszenen. Da kann ich beim Zeichnen viel mehr reinpacken, als im Text steht. Verschiedene emotionale Stimmungen aufzeigen, erschöpfte Kinder beim Wandern etwa.

«Fast in jedem Felixbuch findet sich irgendwo mein Vater.»

Apropos Familie. Funktioniert diese bewusst nach klassischen Rollenmustern? In zwei Szenen, einmal im Zug und einmal am Bach, schläft der Vater, während die Mutter ein waches Auge auf die Kinder hält ...
(lacht) Schläft der Vater tatsächlich zweimal? Das ist wohl unbewusst passiert. Von Sophies Eltern erfährt man nicht genau, was sie beruflich machen. Es arbeiten jedoch beide. Also ganz zeitgemäss. Das Familienbild soll aber schon idyllisch sein. Felix spielt in einer heilen Welt.

Packen Sie auch Gags in die Szenen rein?
Wenns passt schon. Felix landet auf seiner Reise durch die Schweiz einmal mit seinem Gefährten, dem Bernhardiner Barry, in einer Schoggi-Fabrik. Sofort produziert Felix selbst ein paar Guetzli. Dabei tappst der ungeduldige Barry in die noch flüssige Schoggi-Füllung und hinterlässt einen Pfotenabdruck. Die Hundepfötli, wie die Fabrikdirektorin diese begeistert nennt, werden ein Hit. Also zeichnete ich bei Felix Aufenthalt in Zürich im Hintergrund ein Tram mit einem Werbebanner eben dieser Hundepfötli.

Und heimlich Verwandte und Bekannte als Vorlage?
Das kommt vor (lacht). Fast in jedem Felixbuch findet sich irgendwo mein Vater.

Das ist ja köstlich! Wie sieht er aus?
Er trägt eine Glatze ...

Noch eine letzte Frage: Ist Felix bereits ein Klassiker?
Es gibt nun die erste Generation, die mit Felix aufgewachsen ist. Wenn diese als Eltern ihren Kindern wiederum die Geschichten von Felix vorlesen, dann ist Felix für mich ein echter Klassiker.

Felix, der reiselustige Kuschelhase

Die Bücher von Felix sind in 30 Sprachen erschienen, haben eine Auflage von über sieben Millionen Exemplaren erreicht und der reiselustige Kuschelhase hat nicht nur das Fernsehen, sondern auch die Kinoleinwand erobert. Immer wieder geht Felix seiner Besitzerin, dem Mädchen Sophie, verloren. Unterwegs erlebt der plüschige Weltenbummler jedoch die tollsten Abenteuer und hält seine Sophie in Form von Briefen stets auf dem Laufenden. In seinem 25. Jubiläumsjahr reist Felix nun durch die Schweiz und erlebt zwischen Matterhorn und Basel, Bergfest und Alpstobete, Genfersee und Rheinfall die wildesten Sachen. Auf spektakuläre Weise findet der kleine Hase am Ende wieder in die Arme seiner Sophie.

Mit Felix durch die Schweiz

Mit Felix durch die Schweiz
Coppenrath Verlag
Von Maria Ryser am 3. April 2019