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  3. Körperhygiene bei Kindern: So oft sollten Teenager duschen

Romina weiss Rat

So oft sollten unsere Kinder wirklich duschen

Manche Teenager halten nicht sehr viel von Körperpflege. Wenn es darum geht, sich vor dem Duschen zu drücken, werden sie sogar kreativ und übertünchen lieber ihren Körpergeruch, statt sich einfach mal zu waschen. Familienexpertin Romina Brunner hat ein paar Tipps für verzweifelte Eltern.

Cute little boy is washing head in bathtub

Wie viel Körperhygiene muss bei Kindern sein? Ab neun bis zehn Jahren deutlich mehr, da dann die Schweissproduktion einsetzt.

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Romina Brunner, SI Online Familien Bloggerin, bei sich zu Hause in Birchwil ZH, am 09.11.2018, Foto Lucian Hunziker
Romina Brunner

Journalistin und Mutter von zwei Kindern

Meinem 14-jährigen Sohn liegt nicht sehr viel an seiner Körperhygiene. Ich bringe ihn kaum unter die Dusche. Er murrt ohne Ende. Sogar nach dem Fussballtraining verzichtet er darauf, sich zu waschen. Wie schaffe ich, dass er sich sauber hält? Gerade auch nach dem Sport? – Norina

Liebe Norina

Probleme mit dem Ankleiden, Duschen und Haarewaschen machen uns Eltern leider nicht nur in der Trotzphase zu schaffen. Viele Eltern müssen sich auch in den Teenagerjahren ihrer Kinder damit herumschlagen. Die Pubertierenden streichen sich zwar gerne Gel ins Haar, damit die Frisur sitzt, aber die Unterhose tragen sie tagelang und die Socken auch. Sieht ja keiner. Ich kann es dennoch schlecht nachvollziehen. Wer möchte schon freiwillig müffeln?

«An deiner Stelle würde ich mich gar nicht auf Diskussionen einlassen»

Familienexpertin Romina Brunner

Dass Jugendliche sich nach dem Sport frisch machen müssen, ist doch selbstverständlich. Duschen gehört - wie Zähneputzen - zur regelmässigen Körperhygiene, die für unsere Gesundheit unerlässlich ist. An deiner Stelle würde ich mich gar nicht auf Diskussionen einlassen, vorausgesetzt, dass du deinem Sohn bereits ausführlich erklärt hast, warum die Körperhygiene für uns Menschen wichtig ist und eben mit zunehmendem Alter auch wichtiger wird. Denn Fakt ist, während Kleinkinder so gut wie nie nach Schweiss riechen, verändert sich die Ausdünstung durch die Hormonumstellung in der Adoleszenz stark.   

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«Ab wann regelmässig geduscht werden soll, hängt natürlich von den Aktivitäten und der Hygiene rund um diese Aktivitäten ab. Üblicherweise tritt vermehrter Schweissgeruch mit der Aktivierung der Nebennierenrinde kurz vor dem Pubertätsbeginn auf, also so zwischen 9 und 11 Jahren», sagt  Professor Urs Zumsteg, Chefarzt Pädiatrie vom Universitäts-Kinderspital beider Basel UKBB auf Anfrage.

Fragt Romina!

Habt ihr auch ein Thema, das euch beschäftigt? Dann schreibt ein Mail an romina@schweizer-illustrierte.ch

Liebe Norina, warum machst du mit deinem Sohn nicht eine gemeinsame Regel aus? Zum Beispiel: Geduscht wird jeden zweiten Tag, zwingend nach dem Sport und mindestens aber vier Mal pro Woche, sofern der Bub nicht schweisselt. Lass ihn doch die Tageszeit selber wählen.

Entscheidend ist, dass du bei Regelverstössen konsequent handelst. Ohne geduscht zu haben, darf er nicht mit seinen Freunden abmachen. Oder sich aufs Sofa fläzen. Manche Jugendliche sind schlicht zu faul oder versuchen die Eltern herauszufordern. Der Sohn meiner Freundin wollte nach dem Fussball auch schon ungeduscht ins Bett. «Mami, gute Nacht, ich bin heute viel zu müde, um noch zu duschen, ich gehe direkt ins Bett und stehe dafür morgen früher auf und dusche mich dann», sagte er. Meine Freundin reagierte grossartig und entgegnet ruhig und klar: «Lieber Sohn, wenn du zu müde bist, um nach dem Training zu duschen, bist du dem Sporttreiben nicht gewachsen. Ich werde dich beim Fussball abmelden, kein Problem. Für mich musst du nicht Fussball spielen.» Seither eilt der Junge nach dem Training ohne Murren ins Badezimmer.

«Weigert sich ein Kind komplett, kann man auch einmal den Klassenlehrer anrufen»

Erwachsenenbildnerin Susanne Baldini

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Dann gibt es noch den Typ Siebenschläfer, der morgens lieber im Bett liegen bleibt, als sich für die Schule frisch zu machen. Laut Erwachsenenbildnerin Susanne Baldini ist es auch hier wichtig, konsequent zu bleiben. «Weigert sich ein Kind komplett, die Körperhygiene durchzuziehen, kann man auch einmal den Klassenlehrer anrufen und ihn darüber informieren, dass man grad eine Diskussion mit dem Kind habe und es wichtig sei, den Disput zu lösen, weshalb der Jugendliche heute später zur Schule komme», so Baldini. In den meisten Fällen ist das Thema dann vom Tisch, weil dies den Duschverweigerern dann doch zu peinlich ist.

Vorsicht vor zu lange dauernden Duschen

Ein weiterer, wichtiger Punkt ist der hohe Wasserverbrauch. Es gibt Jugendliche, die, wenn sie dann mal unter der Dusche stehen, literweise Wasser den Abfluss runterlassen. Baldini: «Es ist wichtig, dass die Eltern ein Auge darauf haben und die Jugendlichen zur Not aus der Dusche holen.» Nicht nur der Umwelt zuliebe, sondern auch für die Haut. Denn zu ausgiebiges Duschen ist auch wieder nicht gut: Generell raten Dermatologen dazu, drei Minuten lang zu duschen, da während einer längeren Dusche die Haut zu sehr austrocknet.

Liebe Norina, allen Diskussionen zum Trotz gilt es, den Humor nicht zu verlieren. Irgendwann wirst du darüber lachen. Oder dich sogar nerven, weil dein Sohn frisch verliebt das Badezimmer stundenlang blockiert und sich mit derart vielen Düften vollsprüht, dass das ganze Haus nach Männerparfum riecht. Denn spätestens wenn er sich für das andere Geschlecht zu interessieren beginnt, wird er freiwillig und regelmässig unter der Dusche hüpfen.

Herzlich,
Romina

Unsere Expertin für Familienfragen

Nie waren Eltern so gut informiert wie heute. Und nie war es schwieriger, im Dschungel aus Ratgebern und Internetforen den besten Weg für den eigenen Nachwuchs zu finden. Unsere Familien-Expertin Romina Brunner, 39, hilft, Ordnung zu schaffen. Regelmässig berät die zweifache Mutter und Journalistin die SI-Family-Community zu Themen und Fragen aus dem Familienalltag.

Von Romina Brunner am 02.12.2020
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