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Romina weiss Rat

Wie Kinder die Angst vor Hunden loswerden

Viele Kinder fürchten sich vor Hunden. Und diese Angst ist hartnäckig, sagt Familienexpertin Romina Brunner. Aber mit den richtigen Tricks und viel Geduld, lässt sich ein entspannter Umgang erreichen.

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Mit einigen Tricks und viel Geduld können sich auch ängstliche Kinder mit Hunden anfreunden.

Getty Images
Romina Brunner
Romina Brunner

Journalistin und Mutter von zwei Kindern

Unsere Tochter fürchtet sich vor Hunden. Bei jeder Begegnung kriegt sie Angst. Nicht alle Hundehalter haben dafür Verständnis und verhalten sich rücksichtsvoll. Deswegen würde ich ihr gerne die Furcht nehmen und den richtigen Umgang mit Hunden beibringen. Kannst du mir dabei helfen? — Nina, 34

Liebe Nina

Mit ihrer Angst steht deine Tochter nicht alleine da. Kynophobie, die Angst vor Hunden, ist laut Psychologen weit verbreitet. Als Ursache sehen Experten oft schlechte Erfahrungen: Menschen, die sich vor Hunden fürchten, hatten oft ein negatives Erlebnis mit diesen Tieren. Sie wurden erschreckt, angesprungen oder gebissen.

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Andrea Solida, BVET/VETA-anerkannte Hundetrainerin und Dipl.Tier-Shiatsu-Masseurin, ist als Mutter von siebenjährigen Zwillingen privat wie beruflich immer wieder mit solchen Ängsten konfrontiert. «Der Hund ist eine unbekannte Spezies und kann Ängste auslösen. Diese Furcht kann ein Kind meistens nicht ablegen und das müssen beide Seiten, Eltern wie Hundehalter akzeptieren und danach handeln», sagt Solida.

Hoffnungslos sei die Situation jedoch nicht. Mit Behutsamkeit, Vorsicht und einem geschulten Verhalten, können Eltern und Kinder lernen mit ihren Bedenken umzugehen, sagt die Expertin im Interview.

Frau Solida, wie kann ich einen aggressiven Hund von einem friedlichen unterscheiden?
Generell sind Hunde nicht einfach gute oder böse Wesen. Wenn sie bellen oder knurren hat das oft nichts mit Aggressionen zu tun. Hunde kommunizieren über ihre Körpersprache und ihre Laute. Für viele Verhaltensmuster gibt es Gründe, vielleicht hat das Tier negative Erfahrungen mit Menschen gemacht.

Darf mein Kind einen angeleinten Hund vor der Migros streicheln?
Das ist ein absolutes No-Go. Kinder oder Erwachsene sollten niemals angeleinte und unbeaufsichtigte Hunde streicheln oder darauf zugehen. Auch wenn sie diese kennen. Der Hund befindet sich in einer Stressituation und könnte negativ reagieren.

Gibt es Hunderassen, welche Kinder streicheln dürfen?
Eltern und Kindern sollten den Hundebesitzer immer erst fragen, ob es okay wäre, den Hund zu streicheln. Auch Hunde die friedlich wirken, können Angst bekommen und laut bellen oder knurren. Gerade wenn sie an der Leine sind. Hunde wie Menschen haben unterschiedliche Charaktere. Nicht alle mögen es, einfach so berührt zu werden.

«Nie mit den Händen fuchteln, gegen das Tier treten, schreien oder weglaufen!»

Hundeexpertin Andrea Solida

Wie verhalte ich mich, wenn mir auf dem Trottoir ein Hund entgegenkommt?
Hier sind beide Seiten gefordert. Ein geschulter Hundehalter nimmt sein Tier automatisch zur Seite. Eltern können auch sagen: «Vorsicht, mein Kind hat Angst». Reden ist immer der beste Weg. Dann geht man ruhig und zügig am Hund vorbei und schaut geradeaus und möglichst nicht zu dem Hund. 

Was, wenn ein herrenloser Hund im Wald auf das Kind zuspringt?
Eltern wie Kinder sollten erstmal möglichst die Ruhe bewahren. Vielleicht springt der Hund ja vorbei oder er ist bloss am Essen im Buggy oder in der Hand interessiert. Zudem brauchen auch Hunde einen Moment, um auf die Rückrufkommandos des Hundehalters zu reagieren. Sie sind ja keine Maschinen. Wird es ungemütlich, wirft man die Essware am besten weit von sich weg. Meist verliert der Hund dann schnell das Interesse. Hilfreich sind auch klare Kommandos wie «Pfui, Aus, Weg!» Wichtig ist: Nie mit den Händen fuchteln, gegen das Tier treten, schreien oder weglaufen! Denn Springen und Kreischen fordert den Hund zum Spielen und Nachrennen oder Hochspringen auf. Oder der Hund bekommt Angst und sieht darin ein Grund sich zu wehren.

Was, wenn ich auf Besuch gehe und sich die Kinder vor dem Hund, der dort lebt, fürchten? Wie kann ich mein Kind darauf vorbereiten?
Entscheidend ist, dass Eltern ihre Freunde informieren. Pflichtbewusste Hundehalter sperren ihren Vierbeiner dem verängstigten Kind zu liebe eine Weile weg oder lassen ihn angeleint im Körbchen liegen. Der Hundehalter ist laut Gesetz sogar verpflichtet, dass niemand Schaden nimmt oder sich bedrängt fühlt. Falls das nicht möglich ist, nehmen die Eltern das Kind am besten zu sich auf den Schoss oder schauen, dass es abgelenkt ist und nicht ständig völlig verängstigt den Hund anstarrt. Denn je mehr Beachtung der Hund bekommt, desto eher kommt er auf das Kind zu. Nicht weil er Böses will, sondern weil Hunde die Aufmerksamkeit anders interpretieren. 

Was, wenn mein Kind die Angst nicht wegbekommt?
Angst ist ein Thema, das man ernst nehmen muss. Die Kantone bieten das Prevent a Bite (PaB) als Bissprävention an. Hilfreich kann auch ein Kurs bei einer ausgebildeten Hundetrainerin sein. Die Familienhundeschule Solida bietet beispielsweise Kurse in Form von Begegnungsnachmittagen für Eltern und Kindern an. Hier lernen Kinder den richtigen Umgang mit den Tieren und können so ihre Ängste langsam abbauen.

Unsere Expertin für Familienfragen

Nie waren Eltern so gut informiert wie heute. Und nie war es schwieriger, im Dschungel aus Ratgebern und Internetforen den besten Weg für den eigenen Nachwuchs zu finden. Unsere Familien-Expertin Romina Brunner, 39, hilft, Ordnung zu schaffen. Regelmässig berät die zweifache Mutter und Journalistin die SI-Family-Community zu Themen und Fragen aus dem Familienalltag.

Von Romina Brunner am 07.06.2020
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