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Paris Fashion Week 2026

Paris Fashion Week 2026: Der Zehnjährige, über den Paris spricht

Die grösste Überraschung der Paris Fashion Week im Frühjahr 2026 kommt nicht von einem der grossen Modehäuser. Sie kommt von einem Zehnjährigen.

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Max Alexander ist das Wunderkind der Paris Fashion Shows Herbst/Winter 2026

Max Alexander ist das Wunderkind der Paris Fashion Shows Herbst/Winter 2026

@couture.to–the.max-–-Instagram

Mitten zwischen den monumentalen Inszenierungen der Branche sorgt Max Alexander mit seinem Label Couture to the Max für flüsternde Begeisterung. Der Viertklässler aus Los Angeles reist nicht als Maskottchen einer Marke an, sondern mit eigener Kollektion, eigenem Label und einer erstaunlich klaren Vision. Seine Entwürfe – elegante, oft voluminöse Kleider aus Restbeständen, totem Lagerbestand und recycelten Stoffen – bringen eine unerwartet ernsthafte Note in eine Woche, die sonst von Glamour und Spektakel lebt.

Seine Mode präsentiert er unter dem Namen «Couture to the Max».

Seine Mode präsentiert er unter dem Namen «Couture to the Max».

@couturetothemax.com

Während auf den grossen Runways opulente Shows dominieren, wirkt Alexanders Präsentation fast wie ein Gegenentwurf: ein Konzentrat aus kindlicher Fantasie und erstaunlich reifer Designhandschrift. Die Silhouetten sind verspielt, aber präzise gedacht; die Farben mutig, ohne je beliebig zu wirken.

Der Angel Latte Coat, der auf seinem Laufsteg im Palais Garnier Premiere feierte, ist das natürliche Gegenstück zu Max' charakteristischem Flat Black Coat.

Der Angel Latte Coat, der auf seinem Laufsteg im Palais Garnier Premiere feierte, ist das natürliche Gegenstück zu Max' charakteristischem Flat Black Coat.

@maxalexander.com

Ebenso bemerkenswert ist seine Selbstverständlichkeit. In Interviews spricht Max Alexander über Schnittführung, Materialqualität und Verantwortung gegenüber der Umwelt, als hätte er bereits Jahre in Ateliers verbracht. Gleichzeitig entsteht seine Karriere sichtbar im digitalen Raum: Millionen Follower verfolgen seine Skizzen, Proben und Kollektionen auf Social Media. In Paris wird er damit zum Symbol einer neuen Designer-Generation – einer Generation, die nicht mehr im Schatten der Häuser wächst, sondern direkt im Licht der Öffentlichkeit.

Max Alexandres allererstes selbst kreiertes Kleidungsstück.

Max Alexanders allererstes selbst kreiertes Kleidungsstück.

@threads.com

Dass diese überraschende Geschichte ausgerechnet in Paris stattfindet, wirkt fast folgerichtig. Auch im Frühjahr 2026 bestätigt die Stadt einmal mehr ihren Ruf als unangefochtene Hauptstadt der Mode. Zwischen ikonischen Locations, die wirken wie perfekt inszenierte Filmsets, und einem dicht getakteten Schauenplan entfaltet sich eine Saison, die zugleich Rückblick und Neubeginn ist.

Chanel – Matthieu Blazy

PARIS, FRANCE - MARCH 09: (EDITORIAL USE ONLY - For Non-Editorial use please seek approval from Fashion House) A model walks the runway during the Chanel Womenswear Fall/Winter 2026-2027 show as part of Paris Fashion Week on March 09, 2026 in Paris, France. (Photo by Peter White/Getty Images)

Die Models flanierten bei Chanel durch bunte, schwebende Baukräne in Neonpink, Elektroblau und giftigem Grün.(Photo by Peter White/Getty Images)

Getty Images

Besonders viel Aufmerksamkeit galt gestern dem grandiosen Finale von Chanel unter Chefdesigner Matthieu Blazy, das die Woche traditionell mit einem opulenten Spektakel abschloss. Der Laufsteg verwandelte sich in ein psychedelisches Paris-Panorama: Bunte, stilisierte Baukräne in Neonpink, Elektroblau und giftigem Grün schwebten über dem Catwalk, während funkelnde Lichterketten wie ein nächtliches Lichtermeer die Szene durchzogen – ein spielerischer, futuristischer Tribut an die Stadt der Liebe und an Karl Lagerfelds Erbe in Blazys erster Saison. Fliessende Tweed-Silhouetten mit metallischen Akzenten, glitzernde Kleider und asymmetrische Volumenformen glitten hindurch, eine frische Neuinterpretation ikonischer Chanel-Codes mit Hauch von Avantgarde.

Dior - Maria Grazia Chiuri

Dior grafischer, spielerisch mit Gender-Codes.(Photo by Delphine Achard/WWD via Getty Images)

Dior grafischer, spielerisch mit Gender-Codes.(Photo by Delphine Achard/WWD via Getty Images)

WWD via Getty Images

Bei Dior wird der Dialog zwischen Tradition und Neuerfindung weitergeführt. Die ikonische Bar-Jacke erscheint neu gedacht – kürzer, grafischer, spielerisch mit Gender-Codes. Kombiniert mit voluminösen Röcken und präzisem Tailoring prägt sie die Silhouette der kommenden Herbst-Winter-Saison. 

Christian Dior Ready to Wear Herbst/Winter 2026-2027 Fashion Show am 3. März 2026 in Paris. (Photo by Victor VIRGILE/Gamma-Rapho via Getty Images)

Christian Dior Ready to Wear Herbst/Winter 2026-2027 Fashion Show am 3. März 2026 in Paris. (Photo by Victor VIRGILE/Gamma-Rapho via Getty Images)

Gamma-Rapho via Getty Images

Balenciaga - Demna Gvasalia

Eine Ästhetik, die Couture und Streetstyle bewusst miteinander vermischt. (Photo by Victor VIRGILE/Gamma-Rapho via Getty Images)

Eine Ästhetik, die Couture und Streetstyle bewusst miteinander vermischt. (Photo by Victor VIRGILE/Gamma-Rapho via Getty Images)

Gamma-Rapho via Getty Images

Auch Balenciaga bleibt ein Fixpunkt der Woche. Das Haus setzt weiterhin auf überzeichnete Proportionen, dramatische Mäntel und eine Ästhetik, die Couture und Streetstyle bewusst miteinander vermischt.

Kai Schreiber und Naomi Watts an der Balenciaga Fashion Show von Balenciaga. (Photo by Swan Gallet/WWD via Getty Images)

Kai Schreiber und Naomi Watts an der Balenciaga Fashion Show von Balenciaga. (Photo by Swan Gallet/WWD via Getty Images)

WWD via Getty Images

In der Front Row sorgen Naomi Watts mit ihrer Tochter Kai Schreiber, Winona Ryder, Hudson Williams, Nick Rhodes, Elizabeth Debicki, Liya Kebede und Bill Skarsgård zu den meistfotografierten Gästen der Show gehören.

Feiert ihr Come-Back, die Cigale Bag von Christian Dior. (Photo by Victor VIRGILE/Gamma-Rapho via Getty Images)

Feiert ihr Come-Back, die Cigale Bag von Christian Dior. (Photo by Victor VIRGILE/Gamma-Rapho via Getty Images)

Gamma-Rapho via Getty Images

Auf vielen Runways zeichnen sich die grossen Linien der Saison schnell ab. Abendkleider erscheinen in fliessenden, fast flüssigen Stoffen, oft mit metallischem Glanz, der bei jeder Bewegung aufblitzt. Skulpturale Schultern und bodenlange Mäntel verleihen den Looks eine kraftvolle, beinahe cineastische Präsenz. Accessoires erzählen dabei ihre eigenen Geschichten: auffällige Taschen wie die neue Cigale Bag von Dior, florale Pumps, übergrosse Schmuckstücke und futuristische Headpieces signalisieren klar, dass dieser Herbst weniger Minimalismus und mehr Statement verlangt. 

Streetstyle

Grece Ghanem trägt eine Lederjacke im 80er Look. (Photo by Christian Vierig/Getty Images)

Grece Ghanem trägt eine Lederjacke im 80er Look. (Photo by Christian Vierig/Getty Images)

Getty Images

 

Parallel dazu entsteht rund um die Shows eine zweite Bühne. Streetstyle wird erneut zum eigenen Spektakel der Fashion Week. Butterweiches Leder, Oversize-Trenches, Micro-Minis und sportliche Elemente treffen auf präzises Tailoring – wie ein lebendiges Moodboard für die kommenden Monate. Auf den Strassen von Paris verschwimmt der Unterschied zwischen Runway und Publikum zunehmend.
Vor dem Grand Palais, im Louvre-Viertel und vor versteckteren Show-Locations bilden sich regelrechte Fashion-Kulissen. Patchwork-Leder, Kopftücher, Loafer und verspielte Miniröcke prägen das Bild. Viele Looks kombinieren Archivstücke, aktuelle Kollektionen und sorgfältig kuratiertes Vintage – eine luxuriöse Interpretation der inzwischen viel zitierten Idee «Buy less, style better».

 

Victoria Beckham

Victoria Beckham bleibt ihrer klaren Handschrift treu. (Photo by Estrop/Getty Images)

Victoria Beckham bleibt ihrer klaren Handschrift treu. (Photo by Estrop/Getty Images)

Getty Images

Auch Designerinnen selbst werden in dieser Woche zu Figuren der Inszenierung. Besonders aufmerksam wird der Auftritt von Victoria Beckham verfolgt. Ihre Kollektion bleibt ihrer klaren Handschrift treu: präzises Tailoring, schlanke Silhouetten und fliessende Stoffe bestimmen die Looks. Gleichzeitig begleitet ein Hauch privater Schlagzeilen ihre Präsenz in Paris. Britische Medien berichten seit Wochen über Spannungen rund um ihren ältesten Sohn Brooklyn und sein Verhältnis zur Familie. Beckham jedoch wirkt unbeeindruckt und präsentiert ihre Kollektion mit jener kontrollierten Eleganz, die längst zum Markenzeichen ihres Labels geworden ist.
 

PARIS, FRANCE - Elie Saab Womenswear Fall/Winter 2026-2027 Show. (Photo by Lyvans Boolaky/Getty Images)

PARIS, FRANCE - Elie Saab Womenswear Fall/Winter 2026-2027 Show. (Photo by Lyvans Boolaky/Getty Images)

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Was diese Saison letztlich so besonders macht, ist das Gefühl eines kuratierten Neustarts. Selten liegen Debüts, wichtige Zweitkollektionen und radikale Weiterentwicklungen der grossen Häuser so dicht beieinander. Experimentelle Ideen reichen von möbelinspirierten Formen über psychedelische Blumenmuster bis hin zu Prints, die wirken wie tragbare Kunstinstallationen.
Paris präsentiert sich damit erneut als Bühne, auf der sich Vergangenheit und Zukunft der Mode begegnen. Couture-Referenzen treffen auf mutige neue Silhouetten, Heritage auf eine zunehmend globale Celebrity-Kultur. Und irgendwo zwischen all den grossen Namen erinnert ein zehnjähriger Designer daran, dass die Zukunft der Mode manchmal genau dort beginnt, wo man sie am wenigsten erwartet.
 

vor 10 Stunden