Pedro Lenz' «Gschichte vo hie und hütt» «Verpackig und Inhaut»

Pedro Lenz, 52, Schriftsteller und Publizist, sinniert in seiner Mundart-Kolumne für die «Schweizer Illustrierte» über die USA und die Bedeutung von Symbolen im Land der Freiheit.

Z Amerika äne hei si doch so Fröid ar Hymne und ar Landesfahne und a söttigne Sache. Di nationale Symbou sigen ungloublech wichtig, het mer einisch en Amerikaner gseit.

Si hangi a dene Symbou, wöu d USA jo e Nation sig, wo us luter Zuewanderer bestöng. Au di ehemalige Ängländer, di ehemalige Grieche, di ehemalige Schwede, Ire, Franzose, Ukrainer, Mexikaner, Italiäner, Afrikaner, Chinesen und so witer büude zämen ei Nation. Drum wärdi dört uf üsseri Zeiche wi d Nationauhymne, uf e Nationaufiirtig am 4. Juli oder uf d Fahne so vüu Wärt gleit. 

Das lüchtet ii. Zeichen und Symbou hei e Bedüttig. Si stöh immer für öppis. Si stöh zum Bischpüu für Wärte wi Freiheit oder mönschlechi Grächtigkeit. Das sött me reschpektiere.

Aber mängisch vergässe d Lüt, dass d Symbou gäng erscht nach de Wärte chöme. Oder angers gseit: Zersch het men e Wärt und erscht nächär suecht men es Symbou für dä Wärt. Der Wärt wär auso der Inhaut und ds Symbou isch nume d Verpackig.

Der Colin Kaepernick isch eine vo de beschten amerikanische Profi-Football-Spieler gsi. Irgendeinisch im Louf vor letschte Saison het dä Colin Kaepernick sech aafo überlegge, dass jo ou i den USA der Inhaut wichtiger müessti si aus d Verpackig. Und wöu är e Farbigen isch und der Iidruck het, i den USA wärdi farbigi Bürger gäng no nid gliichbehandlet wi wiissi, het er beschlosse, är wöu bi der Nationauhymne nümm mitsinge.

D Hymnen isch nid e Wärt für sich, si isch numen es Symbou für verschideni Wärte

D Nationauhymne wird z Amerika im Profisport vor jedem Mätsch vo aune gsunge. Aber äbe, d Hymnen isch nid e Wärt für sich, si isch numen es Symbou für verschideni Wärte. Der Colin Kaepernick het der Iidruck gha, di Wärte wärdi i sim Land gägewärtig nid vorgläbt, und wenn der Inhaut nüt wärt sig, de sig d Verpackig ou nüt wärt.

Auso isch er aube, wenn ds Publikum und sini Mitspieler im Stadion vor em Mätsch d Hymne hei gsunge, eifach abgchnöilet und het gwartet, bis d Hymne fertig isch gsi. Es paar vo sine Mannschaftskollege hei sech däm stumme Protescht aagschlosse. Und wenig spöter hei angeri Football-Spiler vo angerne Mannschafte ds Gliiche gmacht. 

Jetz hätt men eigetlech chönne vermuete, dass di amerikanischi Bevöukerig über d Gründ vo däm Protescht aafoht rede. Me hätt chönnen aanäh, dass d Lüt sech drüber ungerhaute, was i ihrem Land guet und was weniger guet louft, dass si sech zum Bischpüu aafö froge, worum dass gäng no so vüu Schwarzi z Amerika Opfer vo Polizeigwaut wärde. Oder worum dass der Rassehass wider salonfähig isch worde im ne Land, wo aui Mönsche vor em Gsetz gliichgstöut si.

Aber di meischte Lüt z Amerika hei nid über Inhäut wöue rede, sondern über Verpackige. Der Colin Kaepernick het ke Vertrag me übercho und isch jetz arbetslos. Und das nume, wöu er lieber chnöilet aus singt.

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