Adrian Falkner alias Smash137 Vom illegalen Sprayer zum etablierten Künstler

Sein Name - ein «hingeknalltes» Feuerwerk. SMASH137 ist der erfolgreichste Graffiti-Künstler der Schweiz. Früher sprühte Adrian Falkner anonym, wurde verurteilt. Heute stellt er in Galerien und Museen aus.

Smash137 trägt einen karierten Kapuzenpulli im Holzfällerstil und Sneakers von Nike - die typische «Uniform» der Graffiti-Sprayer. Die Bedeutung seines Namens stellt der erfolgreichste Sprayer der Schweiz längst im luxuriösen Atelier in Basel unter Beweis. Hinschmettern, zerstören, krachen lassen. Mit Pinsel malt er fette Striche auf die Leinwand. Die zackigen Zeichen werden mit Ölkreide ergänzt und mit schwarzer Farbe aus der Dose übersprüht. Die Partikel glitzern im Licht, bevor sie sich auf der Leinwand festsetzen und als perfekt geschwungener Bogen einen dunklen Akzent im knallbunten Bilderkosmos setzen.

Der Mann hat Übung. Jeder Handgriff sitzt. Smash rockt, beeinflusst die internationale Writer-Szene und etablierte seinen Schriftzug, seinen Tag, als eine Art Selbstporträt aus fünf Buchstaben. Dank Ausstellungs-Erfolgen in Paris, Genf, Köln und Detroit schaffte er den Sprung in den Kunstmarkt. Seine Werke, die zurzeit in einer Gruppenschau in der Street-Art-Galerie Kolly im Zürcher Seefeld zu sehen sind, kosten rund 8000 Franken.

Seit 2012 gibt Smash sich selbstbewusst mit seinem bürgerlichen Namen Adrian Falkner zu erkennen. Davor arbeitete er anonym. Mit zwölf schuf er in einer illegalen Nacht-und-Nebel-Aktion sein erstes Graffito. Oft sprühte er auch am Tag, was den Druck noch erhöhte. 2006 wurde er morgens um zwei beim Basler Bahnhof von der Polizei geschnappt. Man verknurrte ihn zu einer Geldbusse und zwei Jahren auf Bewährung. «Ich wurde mehrmals verurteilt, haute nach Barcelona ab. Dort haben die Graffiti-Kunst und die Arbeit im Untergrund einen viel besseren Ruf.»

Gut gelaunt öffnet Smash die Tore zu seinem Atelier im Gundeli-Quartier. Früher war hier eine Autogarage. Auch ohne «Bombing», so nennt man das illegale Besprühen von Wänden, hat er bombastische Laune. Aber was heisst illegal? Der Sohn eines Unternehmers aus Basel und einer handwerklich begabten Mutter aus Litauen hat klare Prinzipien. «Ich bewegte mich früher immer in der Grauzone, suchte Plätze aus, die nie klar zuzuordnen waren.» Privater Vandalismus und Sachbeschädigung waren für ihn tabu, nicht aber das Einfordern von Freiraum in Zonen, die kaum je den Pritzker-Architektur-Preis erhalten. «Damals wie heute haben junge Menschen in der Schweiz diesbezüglich wenig Rechte. Alles ist durch Mauern, Verbote, Besitzansprüche reglementiert.»

Die Frage, ob Graffiti-Sprayer Kriminelle oder Künstler sind, rücksichtslose Schmierfinken oder moderne Ästheten, erhitzt die Gemüter, seit sich die aus Amerika importierte «Strassenkunst» in den Achtzigerjahren in Europa explosionsartig verbreitet hat. Smash nimmt seine Kumpels in Schutz. Es gehe den Masken-Männern in erster Linie um Respekt. Um die Verbreitung des eigenen Namens, den ultimativen Kick und die Möglichkeit, Emotionen auszuleben. Und um den unverkennbaren Stil. Das Genre boomt und ist längst im Museum angelangt. Das beweist der englische Superstar Bansky, der seine Identität trotz des Hypes um seine Person nicht offenlegt und mit seiner Schablonenkunst Sammler auf allen Kontinenten begeistert.

Während in Basel Gangs und kreative Einzelgänger mit ihren Bildern gegen den grauen Alltag und die Kommerzialisierung des öffentlichen Raums rebellieren, setzt Falkner private Aufträge um. Für eine Filiale der deutschen Sparkasse kreierte er ein vier mal vier Meter grosses Wandbild, das in der Lobby über den Köpfen der Besucher schwebt. Dafür musste er in Weil am Rhein eigens ein grösseres Atelier mieten. Im Mai stellt er in Rabat aus, im Juli in Indianapolis. Den Drang nach Bombing-Aktionen an SBB-Waggons und Tunnelwänden verspürt er nicht mehr. «Ich geniesse meine neue Wohnung und baue nebenbei eine Kunstsammlung mit spannenden Positionen auf», sagt der 35-Jährige. «Ich habe meinen Platz im Leben gefunden.»

Street Art, Gruppenausstellung bis 15. Februar in der Kolly Gallery Zürich.

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