Stefan & Thomas Burkhalter Vater und Sohn wollen Schwingfest-Geschichte schreiben

Schreiben diese beiden Thurgauer Schwingfest-Geschichte? Stefan und Thomas Burkhalter wollen die Ersten sein, die als Vater und Sohn gleichzeitig am Eidgenössischen antreten. Frischfleisch ist ihr Doping.
Thomas und Stefan Burkhalter
© Remo Nägeli

Unerschrocken: Trotz 29 Jahren Altersunterschied sind Stefan Burkhalter, 44, und Sohn Thomas, 15, sportlich bald auf Augenhöhe.

 

Homburg, in der malerischen Thurgauer Hügellandschaft. Die Sonne gewinnt den Kampf gegen den Hochnebel. Die dünne Schneedecke reflektiert die Strahlen zu einem zauberhaften Farbenspiel. Doch Stefan Burkhalter hat kein Auge für die prächtige Szenerie. Er greift zur Mistgabel und verteilt seinen 40 Milchkühen frisches Stroh. Sohn Thomas, 15, hilft tatkräftig mit. Sie sind ein eingespieltes Team. Und sie kennen ihr Handwerk. Der Filius befindet sich im ersten Lehrjahr als Landwirt – er hat einen Traum: «Ich würde gerne einmal den Hof unserer Familie übernehmen.»

Noch hat der Vater die Hosen an – nicht nur als Bauer. 105 Kränze und über 40 Festsiege machen ihn zu einem der erfolgreichsten Schwinger des Landes. Und mit seinen 44 Jahren ist er der älteste noch aktive Sägemehl-Kämpfer mit eidgenössischen Kranzweihen. Dass er 2019 nochmals in den Ring tritt, hat direkt mit Thomas zu tun, denn die Burkhalters haben ein sehr spezielles Ziel: Zusammen wollen sie am 24. August in Zug beim Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in die Arena einmarschieren. Es wäre das erste Mal, dass ein Vater und sein Sohn am gleichen Fest um die Königskrone kämpfen.

Thomas und Stefan Burkhalter
© Remo Nägeli

Nachfolge: Seine Lehre als Landwirt macht Thomas bei Franz Meier in Märstetten TG. Später will er Papas Hof übernehmen. Auch Familienhund Norman, ein Dogo Argentino, ist gewichtig.

Dass sie im Direktvergleich gegeneinander antreten, ist wegen der Einteilungsprozedur allerdings kaum möglich. Denn Duelle unter Familienmitgliedern werden vermieden. Nur eine Ausnahme gäbe es, sagt Stefan Burkhalter: im Schlussgang. Doch so weit wird es kaum kommen. Denn Thomas steht vor seiner ersten Saison bei den Erwachsenen; schon eine Teilnahme am Saisonhöhepunkt wäre als grosser Erfolg zu werten. Der Vater traut es ihm allemal zu: «Er hat das Talent und die Technik – zwei bis drei Kränze muss er für die Selektion aber gewinnen.» Sein Tipp an den Jüngling: «Offensiv schwingen.»

Da wächst ein Sägemehl-Gigant heran

An der Physis wird Thomas kaum scheitern. Er ist 184 Zentimeter gross und 102 Kilo schwer. Seine Schuhe könnte man als Ruderboote verwenden (Grösse 47). Seine Stimme ist sanft, seine Antworten kommen zurückhaltend, doch sein Händedruck lässt keinen Raum für Missverständnisse: Da wächst ein Sägemehl-Gigant heran. Ein Eindruck, der auch in der Küche bestätigt wird. Der Blick in den Kühlschrank macht sofort klar: Hier wohnen keine Veganer. Thomas und Stefan essen täglich je ein Kilo Fleisch. «2018 brachten wir es im Jahrestotal auf 678 Kilo», rechnet Stefan vor.

Thomas und Stefan Burkhalter
© Remo Nägeli

Eigener Weg: Trotz gemeinsamem Training lässt der Vater dem Sohn Freiräume: «Ich gebe Thomas nur Tipps, wenn er fragt.»

Angesichts des Menüplans der Burkhalters kommen die regelmässigen Lebendpreise gerade recht. Schon rund 15 Kühe und Munis hat Stefan Burkhalter gewonnen. Und von seinem grossen Förderer und Freund Hausi Leutenegger kamen noch einige mehr dazu. Als «Burki» 2010 zum zweiten Mal den Schwägalp-Schwinget für sich entschied, standen am folgenden Tag drei neue Kühe in seinem Stall – geliefert von Hausi National. Für den ewigen Bob-Olympiasieger ist dies Ehrensache: «Stefan ist ein hochanständiger Mann – auf ihn kann man sich in jeder Lebenslage verlassen.» Dies macht sich Leutengger zunutze: «Bei öffentlichen Auftritten heisst es für mich: nie ohne Burkhalter. Er ist der beste Bodyguard. Nur wenn er dabei ist, fühle ich mich ganz sicher.» Von Burkhalters Postur können auch andere profitieren. Neben seinem Landwirtschaftsbetrieb unterhält er einen Limousinen- und Personenschutzservice.

Ich habe mir beim Kickboxen zu oft eine blutige Nase geholt

Wenn es um seinen Sohn geht, mahnt Stefan aber zu Zurückhaltung. Eigentlich wollte der Junior mit Boxen beginnen, hörte vom Vater aber schon vor dem ersten Schlag den letzten Gong: «Ich habe mir früher beim Kickboxen zu oft eine blutige Nase geholt. Deshalb wollte ich, dass Thomas etwas anderes macht: Schachspielen, Kegeln oder Synchronschwimmen.» Stefan lacht und erzählt die ganze Geschichte. Wie durch Zufall habe er gelegentlich Aufzeichnungen von Schwingfesten am TV laufen lassen: «So ist Thomas automatisch auf den richtigen Gedanken gekommen.»

Thomas und Stefan Burkhalter
© Remo Nägeli

Widerstand: Thomas schlägt in der Scheune in Homberg TG zu. Zum wettkampfmässigen Boxen wollte ihn Stefan aber nicht lassen.

Es sollte sich lohnen. Mit 46 Festsiegen bei den Jungschwingern setzt Thomas im Nachwuchs Massstäbe. 2018 nahm er an 15 Festen teil – und gewann neun. Stefan beobachtet die beeindruckende Entwicklung seines Sohnes mit väterlicher Gelassenheit: «Ich gebe ihm nur Tipps, wenn er fragt. Er soll seinen Weg selber machen.» Das Gleiche gilt für Tochter Jeanine, 20. Sie ist eine Frau, die nicht lange fackelt. 2017 gewann sie den Thurgauer Meistertitel an den Highland Games – in Disziplinen wie Steinstossen, Seilziehen oder Baumstammwerfen.

Merke: Wo man im Thurgau kräftig die Muskeln spielen lässt, da ist der Name Burkhalter in der Regel nicht weit.

 
 
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