Mit Penis und Vagina als Cartoon So funktioniert Aufklärung in Schweden

Ein Penis mit Zylinder und Schnauz, eine Vagina mit Sonnenbrille und XXL-Wimpern, dazu Musik mit Ohrwurm-Charakter: Ein schwedisches Aufklärungsvideo wird zum Youtube-Hit. Allerdings nicht zur Freude aller.
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Das Aufklärungsvideo wurde bereits über 1.3 Millionen Mal angeklickt.

«Pop-dopp-pop snippedi snopp. Här kommer snoppen i full galopp» - «Hier kommen Penisse im Galopp»: So beginnt das einminütige Aufklärungsvideo eines schwedischen Fernsehsenders. Und es geht munter weiter, es kommen noch mehr Penisse hinzu, später eine erste Vagina.

Sie tanzen, hüpfen und machen sich gegenseitig schöne Augen:

Was das Ganze soll? Schwedische Kinder aufklären. Der Text vermittelt, was Genitalien sind und wofür sie gut sind. «Selbst die Vagina einer alten Frau ist toll», trällern sie.

Am 5. Januar wurde das Video auf Youtube geladen. Seither haben es über 1.3 Millionen Menschen gesehen. Die Kommentarfunktion aber ist deaktiviert. Vermutlich aus gutem Grund. Wie «Jezebel» schreibt, ist die Reaktion teils heftig ausgefallen. «Das ist das wohl Merkwürdigste des Jahres - und das Jahr ist wohlgemerkt erst jung. Wie konnte man so etwas nur veröffentlichen», schreibt eine. Eine andere Person meint hingegen: «Ein grossartiges Lied über die wohl natürlichste Sache der Welt.»

«Blick»-Sexberaterin Caroline Fux sagt zu SI online über das Video: «Es ist gut und wichtig, dass Sexualität und der eigene Körper, namentlich auch die Sexualorgane, als etwas Schönes dargestellt werden.» Aufklärung habe sich viel zu lang damit beschäftigt, wie Schwangerschaften und Krankheiten zu verhindern seien. «Mit dem Resultat, dass überraschend viele Leute Mühe haben, ihre Sexualität genussvoll zu leben und zu entwickeln.»

In welchem Rahmen das Aufklärungsvideo aus Schweden gezeigt wird - schauen es sich Kinder alleine an oder können sie mit Fachleuten darüber sprechen - ist nicht bekannt. Und darin liege laut Fux auch die Schwierigkeit, das Video korrekt einzuschätzen. Klar aber ist für die Expertin, dass ein Video «nur ein Beitrag im Rahmen einer breiter gestützten Aufklärung» sein könne. Zudem sei gute Aufklärung «nicht einfach eine Anleitung zu Sex». Es gehe darum, den eigenen Körper zu entdecken. Und zu lernen, «dass ich allein bestimmen darf, mit wem ich ihn teile».

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