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Kinderweg Benzenschwil AG

Hier wird der Wald-Spaziergang zum Erlebnis

Es braucht wenig, um Kinder zu beschäftigen. Diese Volksweisheit belegt der Kinderweg Benzenschwil AG. Der liebevoll gestaltete Waldspaziergang besticht durch seine Schlichtheit – und macht schmutzig, nass und glücklich.

Auf Bäumen in luftige Höhen klettern, die Finger in den Waldboden graben und dem Plätschern des Baches lauschen. Der Kinderweg im aargauischen Benzenschwil lässt einen ganz nah ran an die Natur. Auf dem zwei Kilometer langen Rundgang durch Buchen und Lärchen erleben Familien die vier Elemente Luft, Feuer, Erde und Wasser hautnah – im wahrsten Sinne des Wortes. Familie Schilter aus Münchenbuchsee BE ist erst vor ein paar Minuten am Bahnhof angekommen, schon hat Awa, 2, nasse Schuhe. Als sie versuchte, wie ihre Schwestern Mia, 4, und Lilian, 6, über die grossen Kiesel im Bach ans gegenüberliegende Ufer zu kommen, trat sie prompt daneben. «Bravo», lacht Mama Regina. «Element Wasser entdecken – erledigt!» Zum Glück hat sie Ersatzschuhe eingepackt: «Wir sind viel draussen, da weiss ich ungefähr, was wir brauchen.»

Geheimtipp für die Grundausrüstung

Zur Grundausrüstung gehören auch ein Sackmesser, Yogamätteli für den Mittagsschlaf und eine Schnur (Achtung Geheimtipp!), an der sich die Mädchen festhalten können, wenn sie nicht mehr wandern mögen. Papa Christoph erklärt: «Dann ziehen wir sie am Seil durch die Gegend, das funktioniert wunderbar.» Einen Fotoapparat hat er auch immer dabei und zückt ihn bereits am ersten Posten des Kinderwegs, dem Waldspielplatz. Lilian klettert auf dem grossen Spinnennetz herum, Awa rutscht den Hang hinunter, und Mia spielt Prinzessin im Baumhaus.

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Nach so viel Feuer, Wasser, Erde und Luft brauchen Awa und Mia ihr Mittagsschläfchen.

Sophie Stieger

Spüren bis unter die Fingernägel

Es ist einer der letzten warmen Herbstsonntage. Prädestiniert für einen Familienausflug! Dennoch sind Schilters vormittags um zehn Uhr noch fast alleine im Wald. Nur ein freiwilliger Helfer aus dem Dorf ist noch da. Er schaut nach dem Rechten, sammelt allerlei Liegengelassenes ein und füllt bei den Feuerstellen Brennholz und Zeitungen nach.

Vom Spielplatz weg führt eine Brücke zum Waldsofa, dem zweiten Posten. Der Holzkreis mit Feuerstelle in der Mitte wäre eigentlich zum Relaxen gedacht – aber das ist Erwachsenendenken. Die drei Mädchen sehen darin eine Spielarena, in deren sandigem Boden sie Muster zeichnen können, bis die Fingernägel ganz braun sind. «Element Erde entdecken – erledigt!»

«Kinder erleben zu lassen, heisst gleichzeitig, sie leben zu lassen.»

Aus der Infobroschüre

Wind in den Haaren

Es folgt der Steingarten. Lilian betrachtet die kleinen Felsbrocken kritisch – nur den allerschönsten will sie als Erinnerungsstück einpacken. Mia wirft mit Wonne Kiesel in den Bach und freut sich, wies spritzt! Und Awa macht Musik, indem sie Steine gegeneinanderschlägt. «Das ist interessant, gell, jeder tönt anders», sagt Christoph. Die Kleine strahlt! Die nassen Schuhe sind vergessen. Die Steine allerdings auch schon bald. Denn der lustigste Posten wartet noch auf die Familie: eine Chugelibahn aus Holz schlängelt sich einen kurzen Hang hinunter. Als Murmeln kommen kleine runde Lärchenzapfen vom Waldboden zum Einsatz. Oder der allerschönste Kiesel. Oder der Znüniapfel. Bald schon entdeckt Lilian das Baumstamm-Rittigampfi, das in der Nähe zwischen den Ästen baumelt. Sie gibt kräftig an, sodass der Wind ihr blonde Haarsträhnen aus dem Zöpfchen löst. «Luft entdecken – erledigt!»

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Familie Schilter weiss sich zu helfen. Awas nasse Schuhe trocknen während des Mittagschlafs am Feuer.

Sophie Stieger

Bleibt noch das Feuer. Regina sichert sich eine Brätlistelle, denn die Lichtung bei der Chugelibahn füllt sich allmählich mit Waldbesuchern. Nicht nur Familien zieht der Weg an, auch junge und ältere Paare machen es sich zwischen den Bäumen bequem. Konzipiert wurde der Kinderweg 2004 eigentlich für Drei- bis Elfjährige mit der Absicht, sie zurück zur Natur zu führen, wie die Initianten in ihrer Infobroschüre beschreiben: «Kinder erleben zu lassen, heisst gleichzeitig, sie leben zu lassen. Wenn wir Erwachsenen das unterschätzen oder verhindern, dann zahlen die Kinder einen hohen Preis dafür: Unwohlsein, Stress und Lebensängste.» Die Praxis zeigt: Den Eltern tut das Waldabenteuer genauso gut. «Wann habe ich zuletzt einen Cervelat gegessen?», freut sich Christoph. Und als die Eltern nach dem Essen am Feuer sitzen bleiben, während die Mädchen auf dem Waldboden ihren Mittagsschlaf halten, sind sie sich einig. «Wald erleben - erledigt!»

Von Sylvie Kempa
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