Familiensache: Im Préhisto-Parc von Réclère Reise in die Urzeit

In einem kleinen Wäldchen nahe der französischen Grenze ist die Zeit vor 65 Millionen Jahren stehen geblieben: Der Préhisto-Parc von Réclère im Kanton Jura nimmt Besucher mit auf eine Zeitreise: ober- und unterirdisch.

Die Stille ist berauschend, ausser Blätterrascheln und Vogelgezwitscher hört man kaum etwas im Wald von Réclère. Und das, obwohl der Campingplatz am Waldrand ausgebucht ist. Auf dem weitläufigen Weg verlieren sich die Besucher rasch. «Man hat das Gefühl, man sei ganz allein unterwegs», sagt Natalie Nussbaumer und geniesst diesen seltenen Moment der Ruhe. Denn auch ihre Kinder Tjark, 13, Jaris, 11, Silas, 9, und Naya, 8, sind ganz still. Sie halten Ausschau nach den Dinos. 45 lebensgrosse Modelle verstecken sich zwischen den Baumstämmen.

Styracosaurus, Stegosaurus, Oviraptor. «Und wo ist der T-Rex?», getraut sich Papa Roger nach einer halben Stunde im Wald zu fragen. «Der hat doch nicht in Europa gelebt!», sagt Jaris. Grundschulwissen. Kann man in Réclère repetieren. Denn zu jedem Dinosauriermodell gibt eine Infotafel Auskunft über Grösse, Gewicht, Eigenheiten und Lebensraum der Ur-Giganten, die bis vor 65 Millionen Jahren das Tierreich beherrschten. «Schaut, ein Schweizer!», rufen die Kinder. Vom Plateosaurus, einem riesigen Pflanzenfresser, wurden im Fricktal Knochenfossilien ausgegraben.

Nicht alle der 800 heutzutage erfassten Dinos waren riesig. Einige muss Familie Nussbaumer auf dem zwei Kilometer langen Weg durchs Unterholz richtig suchen. Gross ist jeweils der Jubel, wenn sie wieder einen entdecken. Die wirkliche Überraschung wartet jedoch unter der Erde. Denn zum prähistorischen Park gehören auch die Grotten von Réclère. Ein Höhlensystem von 500'000 Kubikmetern, das erst im 19. Jahrhundert entdeckt wurde und Hunderte von Tropfsteinen beherbergt. Unter anderem den Dom, einen 13 Meter hohen Stalagmiten, der eine Viertelmillion Jahre alt ist. «Der älteste Tropfstein der Schweiz», erklärt der Führer auf Deutsch und Französisch. «Bitte nicht anfassen! Das Fett an den Fingern stoppt das Wachstum der Kalkgebilde.» Die Führung auf dem 1,5 Kilometer langen Weg durch die Grotte dauert eine Stunde. Schon nach fünf Minuten packt Natalie die Faserpelze aus - denn die ganzjährig konstanten 7 Grad fühlen sich bei einer Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent doch frostig an.

Hühnerhaut verursacht aber nicht nur das unterirdische Klima, sondern auch die Geschichte der Grotten. Der natürliche Eingang der Höhle, ein rund 20 Meter tiefes Loch, bekannt als «le trou de Fahy», wurde jahrhundertelang als Müllhalde für Tierkadaver verwendet. Die Bauern der Region entsorgten ihre toten Pferde, Säue und Hunde hier, um sich vor Epidemien zu schützen. Und die Stalagmiten und Stalaktiten wirken in der dezenten Beleuchtung noch heute wie ein Feld voller Grabsteine.

Zurück an der Oberfläche und in der Gegenwart ist erst einmal eine Pause angesagt. Familie Nussbaumer packt die Sandwiches aus und staunt über den ganz und gar nicht prähistorischen Komfort, den die Parkbetreiber, die seit Generationen ortsansässige Familie Gigandet, den Besuchern bietet. Gepflegte Picknickplätze finden sich an jeder Ecke. Genauso wie saubere Sanitäranlagen und Übernachtungsmöglichkeiten vom Zelt über den Bungalow bis zum charmanten Anhängerwagen. «Das nächste Mal kommen wir grad ein paar Tage!»

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