Das schönste Dorf der Schweiz Das Geheimnis von Schwellbrunn

Dank Brauchtum und Charme: Schwellbrunn ist das schönste Dorf der Schweiz 2017. Die Klassen sind kinderreich, das lokale Gewerbe erfolgreich. Besuch in einer beinahe perfekten Gemeinde.

Schwellbrunn lebt: 1564 Einwohner, 65 Bauernhöfe, zig Restaurants. Das Vereinsleben ist rege, die Auswahl gross: Vom Füürwehrchörli über die Trachtengruppe bis hin zum Faustballklub gibt es alles.

Schwellbrunn wächst: 190 schulpflichtige Kinder leben hier. Die Gemeinde sucht nach mehr Schulräumen, die kommenden Jahrgänge sind kinderreich. Von der Spielgruppe Gwagglibei bis zur Sekundarstufe ist alles im Dorf. Es gibt Pläne, die Sekundarstufe nach Herisau zu verlegen. Dagegen wehrt sich die Gemeinde. Die Kinder sollen nicht in die Stadt zur Schule müssen.

Schwellbrunn kauft ein: Das lokale Gewerbe hält sich. Neben dem Lebensmittelladen gibts eine Metzgerei, eine Bäckerei, eine Käserei sowie den Coiffeur und ein Fusspflegestudio. Zudem hat der Appenzeller Verlag im einstigen Schulhaus Rank ein Zuhause gefunden.

Abwanderung? Kein Thema.

Schwellbrunn scheint perfekt. Eingebettet zwischen Hügeln mit Blick auf den Alpstein und den Bodensee, ist Abwanderung hier kein Thema. Die mit 966 Metern über Meer höchstgelegene Gemeinde des Appenzellerlands strotzt vor Idylle. Was ist ihr Geheimnis?

Während die Abendsonne noch knapp die letzten Grashalme in Licht tunkt, trainieren die Faustballer auf Kunstrasen vor der Mehrzweckhalle. Für Klubpräsident Danilo Danuser, 30, der bisher sein ganzes Leben hier verbracht hat, ist es die Geselligkeit, die Schwellbrunnausmacht: «Jeder kennt hier jeden. Nach dem Training noch schnell einen Jass klopfen, ich kenne es nicht anders.» Ein Makel? «Der Winter hier oben. Das Autofahren ist dann echt unangenehm.»

Vom Garten seiner Villa Sommertal blickt Sammler und Künstler Matthias Krucker, 37, alias Kuk auf die trainierenden Faustballer. Er kam vor 18 Jahren nach Schwellbrunn und blieb. «Werte zählen hier oben noch was. Es hat sich noch nie ein Schulkind einen Streich mit meiner gesammelten Kunst im Garten erlaubt», erklärt Kuk sein Geheimnis von Schwellbrunn. Ein Aussenseiter ist er immer ein wenig geblieben. Dies aber ganz bewusst: «Ich bin kein Vereinsmensch.»

Schwellbrunn erwacht früh

Bäckerin Ida Moriasy-Steinemann rückt kurz vor sechs Uhr die Schilder vor der Bäckerei zurecht. Eine Velofahrerin grüsst Ida, winkt, fährt weiter. «Das Geheimnis von Schwellbrunn ist der starke Zusammenhalt», sagt die gebürtige Kenianerin, die im Turnverein und bei den Landfrauen mitmacht. Sie hat die Bäckerei 2012 zusammen mit ihrem Mann Richi übernommen. «Im ersten Winter hat mir eine Kundin gezeigt, wie das mit dem Schneeschaufeln geht.»

Metzgermeister Peter Sturzenegger, 43, weist zum Schluss doch noch auf einen Makel von Schwellbrunn hin: «Nebel! Der sinkt Jahr für Jahr tiefer herunter.»

Das Geheimnis ist gelüftet: Auch in Schwellbrunn scheint nicht jeden Tag die Sonne.

Das schönste Dorf der Schweiz wird präsentiert von Volg, Volkswagen und Kneipp.

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