Serie: Der Krampf ums Kin­der­krie­gen - Teil 2 Traumatische Hormontherapie! Doch dann gibts ein Wunder

Kinderkriegen! Wenns bei der natürlichsten Sache der Welt nicht von alleine klappt: In unserer Serie erzählen vier Familien von Sehnsucht, Verzweiflung und Liebe. Tschüss Schulmedizin! Nach einer traumatischen Hormontherapie setzten Nadine, 37, und Fabian Rust, 37, auf alternative Methoden. Als sie mit dem Kinderwunsch schon fast abgeschlossen haben, passiert das Wunder.  
Der Krampf ums Kinderkriegen Nadien und Fabian Rust
© Sonja Ruckstuhl

Miau! Noch ist Kater Timi der Chef – Fabian und Nadine Rust, beide 37, daheim in Meierskappel LU.

Nadine Rust spricht schon bald von Kindern, als sie Fabian mit 23 kennenlernt. «Mit dir möchte ich das gerne, aber ich fühle mich finanziell noch nicht bereit», sagt er, der noch in der Ausbildung zum Softwareentwickler steckt. Kurz vor 30 heiraten sie, als Erste im Freundeskreis. Und jetzt ist auch für Fabian klar: «Lass uns eine Familie gründen.»

Ein Jahr versuchen sie es erfolglos, dann lässt sich Nadine vom Gynäkologen abklären. Sie habe eine hormonelle Störung und deshalb eine unregelmässige Periode, lautet der Befund. Aber schwanger werden könne sie trotzdem. «Lass dich doch auch untersuchen», sagt Nadine, «zur Sicherheit.» Mit einer bübischen Leichtigkeit geht Fabian zum Urologen und kehrt um einiges älter zurück. Sein Sperma könnte besser sein, sagt er, in der Hand den Prospekt einer Fortpflanzungsklinik. «Ich dachte, ich bin ja gar kein richtiger Mann.»

Als Mann war ich wie aussen vor

Jahre vergehen, in denen die Hoffnung bleibt und die Verzweiflung immer stärker wird. Nadine spritzt sich Hormone, um den Eisprung zu fördern, und lässt sich die Samen ihres Mannes direkt in die Gebärmutter injizieren. Doch weder wird sie schwanger noch verträgt sie die Medikamente. Ihr ist übel, der Bauch spannt.

Nadine wird wütend auf ihre Gebärmutter: «Die muss das doch schaffen!» Fabian erträgt es kaum, sie so leiden zu sehen. «Ich hätte ihr gerne etwas abgenommen, aber als Mann war ich wie aussen vor.» Einmal sagt Nadine zu ihm: «Ich verstehe, wenn du dir eine andere Frau suchst.» Da nimmt Fabian sie fest in die Arme.

Der Krampf ums Kinderkriegen Nadien und Fabian Rust
© Sonja Ruckstuhl
Ein Mädchen! Am 9. 12. 2017 wurden Nadine und Fabian Eltern von Lia. Hier ist Nadine im 7. Monat schwanger.
 

Derweil kommen im Freundeskreis die ersten Babys zur Welt. «Die Bäuche der anderen wachsen zu sehen, hat mich innerlich zerrissen», sagt Nadine. Um sich abzulenken, fährt sie mit Fabian nach Mexiko. Am Strand trifft sie als Erstes auf eine Hochschwangere. «Ich merkte, ich kann nicht davor flüchten», sagt sie. Nadine setzt die Hormone ab und beschliesst gemeinsam mit Fabian, auch auf eine Invitro-Fertilisation zu verzichten. «Die Natur soll bestimmen», sagen sie – und prüfen Alternativen zur Schulmedizin.

Nadine und Fabian gehen je zu einer Kinesiologin. Dort reden sie über ihre Sehnsüchte, aber vor allem reden sie über ihre Ängste. Werde ich je wieder glücklich? Wer sorgt für mich, wenn ich alt bin? Paare, die schnell Nachwuchs bekommen, haben keine Zeit, an ihrer Entscheidung herumzukritteln. Die Kinderlosen schon. Auch Rusts beginnen, vieles infrage zu stellen: Wie wollen wir leben? Für wen tun wir das überhaupt?

Die Natur soll bestimmen

Die Worte schaffen Nähe. Nach sechs Jahren im Sturm der Verzweiflung ist ihre Beziehung robuster geworden. «Wären wir früher Eltern geworden, wären wir jetzt wohl nicht mehr zusammen.» Sie mieten einen Camper, bereisen die USA und Kanada. Nadine wechselt den Job, wünscht sich einen Hund. «Bis 40 probieren wir es noch, dann ist fertig», sagt sich das Paar.

Anfang 2017 macht Nadine auf Anraten eines Arztes eine Bauchspiegelung, um sicherzugehen, dass ihre Eileiter offen sind. «Alles wunderbar», heisst es. Nur Wochen später macht sie einen Schwangerschaftstest, den gefühlt hundertsten. Positiv! Am 9. Dezember kommt Lia Sophie zur Welt. Hat es geklappt, weil die Fixierung auf den Wunsch schwächer war? Die Rusts wissen es nicht. Aber geblieben ist eine grosse Demut gegenüber dem Leben.

Die ganze Serie «Der Krampf ums Kinderkriegen» finden Sie hier im Dossier.

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