Empörte Bürger und internationale Presse Der Fall Funda Yilmaz schlägt Wellen

Diese Einbürgerungsgeschichte sorgt für rote Köpfe. Leser und Kommentatoren auf Social Media greifen die Buchser Behörden massiv an, nachdem sie Funda Yilmaz den roten Pass verweigerten. Sogar internationale Medien berichten über den Fall.
Einbürgerung Funda Yilmaz Buchs AG
© Pascal Mora

Hier lehnte das Gemeindeparlament von Buchs AG die Einbürgerung von Funda Yilmaz ab. Die Türkin reichte Rekurs gegen den Entscheid ein.

Es ist der Horror jeder Gemeinde. Seit Wochen schaut die Schweiz auf Buchs im Aargau. Dort lehnten vor einem Monat die Behörden die Einbürgerung der 25-jährigen Funda Yilmaz ab. Grund: Die Türkin sei nicht genügend integriert.

Die «Schweizer Illustrierte» veröffentlichte das gesamte Protokoll des Einbürgerungsprozesses. Das sorgt für Aufregung bei der Leserschaft und auf Social Media. Denn die Dokumente zeigen: Funda Yilmaz ist Schweizerin durch und durch.

Es scheint, als sei die Einbürgerung an Kleinigkeiten gescheitert. So nannte Yilmaz als Einkaufsmöglichkeiten Migros und Aldi, jedoch nicht den Dorfbeck oder Dorfmetzg. Zudem weiss die Türkin nicht, wo sie Frittieröl entsorgen müsste. Yilmaz sagt aber, sie würde das ganz einfach auf Google nachschauen, wenn es denn einmal so weit wäre. Das sind nur zwei Beispiele.

Buchser Gemeindeammann erhält «Shitstorm»

Funda Yilmaz gibt sich nach dem negativen Einbürgerungsentscheid nicht geschlagen. Sie reichte beim Regierungsrat Rekurs ein. Die Kraft dafür schöpfte sie offensichtlich aus den Reaktionen aus Presse, Leserschaft und Social Media. Denn eine deutliche Mehrheit findet: Dieser Entscheid war eine Frechheit!

Urs Affolter Gemeindeammann Buchs AG
© buchs-aargau.ch

Der Buchser Gemeindeammann Urs Affolter

Das kriegt auch der Buchser Gemeindeammann zu spüren. Heute Mittwoch sagt Urs Affolter (FDP) gegenüber der «Aargauer Zeitung», alle Beteiligten hätten Hassmails erhalten. Der «Shitstorm» gebe dem Gemeindeammann zu denken.

Er verteidigt die Arbeit der Einbürgerungskommission im Grundsatz, gibt aber zu: Fehler können nicht ausgeschlossen werden. «Das ist natürlich unerfreulich, da Menschen betroffen sind, was ich – auch persönlich – sehr bedaure», so Affolter.

Internationale Medien berichten über den Fall Yilmaz

Unterdessen haben auch Medien in anderen Ländern den umstrittenen Fall aufgenommen. Der britische «Guardian» etwa titelt: «Die Schweiz rätselt über Einbürgerungstest, nachdem eine dort geborene Bürgerin scheiterte».

Funda Yilmaz Guardian

Das Online-Portal des «Guardian» am 19. Juli 2017.

Die «Süddeutsche Zeitung» spricht gar von einem «besonders absurden Fall». Der Titel dementsprechend: «Wie werden Sie als Schweizerin Altöl entsorgen?»

Funda Yilmaz Süddeutsche Zeitung

Die «Süddeutsche Zeitung» zeigt in ihrem Bericht zum Fall Yilmaz eine alte Kampagne der SVP gegen «Masseneinbürgerungen».

Unterstützung für Yilmaz auf Social Media

Leser von SI online zeigen sich auf Facebook ebenfalls empört: «Lieber Gemeinderat in Buchs, schämt euch!», ist da etwa zu lesen. Eine andere Kommentatorin meint: «Sooooo peinlich, und was die Gemeinde alles gefragt hat!!! WTF...»

Eine wütende Leserin sähe sich selbst bei den Fragen der Einbürgerungskommission auch in Bedrängnis: «Mehr integriert kann man gar nicht sein. Und ich gehe mein Brot auch nicht beim Becker oder das Fleisch beim Metzger einkaufen. Ich gehe auch in die Migros oder zu Lidl.»

Jemand, der selbst in Buchs geboren ist, schreibt voller Enttäuschung: «Echt beschämend so was!»

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