Paparazzi So funktioniert ihr Business

Dass Michelle Hunziker mindestens zwanzig verschiedene Bikinis besitzt, weiss die Öffentlichkeit nicht etwa durch eine persönliche Führung durch ihren Kleiderschrank. Nein, Paparazzi geben uns Gewissheit. Sie lauern den Stars zu jeder Tages- und Nachtzeit auf - ob die das nun wollen oder nicht. SI online zeigt, dass nicht nur die Fotografen von den Schnappschüssen profitieren, wie viel Wert ein Hochzeitsbild von Angelina Jolie und Brad Pitt haben wird und für wen die Jagd auf die Privatsphäre in einer Tragödie endete.
Rihanna wird fotografiert - Bilder
© Dukas

DIE FOTOGRAFEN:
Durchaus kann das Geschäft mit den «verbotenen» Schnappschüssen lukrativ sein, muss es aber nicht. Der New Yorker Paparazzo Mitch Gerber offenbart im Gespräch mit Forbes.com, dass die meisten Fotografen über ihren Verdienst lügen, aus Angst, dass andere ihr Jobs künden oder ihnen den Platz streitig machen könnten. Aus gutem Grund: Die Löhne bewegen sich bereits 2005 zwischen 50'000 Franken und  - für die Top-Leute - bis zu einer halben Million pro Jahr. Doch der Markt ist nicht stabil. Der Kampf um das beste Bild ist unerbittlich. Der Job ist mit stundenlangem Warten und grosser Konkurrenz verbunden und auch ein gewisses Mass an Skrupellosigkeit muss man besitzen. Viel Geld wird auch für Informanten ausgegeben. Und nicht zu vergessen: Manche Stars sind ziemlich klagefreudig. Doch auch all diese Punkte können im besten Fall nur durch ein einziges Bild wieder wett gemacht werden.

Schiesst einer das perfekte Exklusiv-Foto, wie etwa von einer gut zu erkennenden Angelina Jolie an deren eigener Hochzeit, dann kann sich dieser Fotograf schon fast zur Ruhe setzen. Das noch ungeschossene Bild soll einen Wert bis zu zehn Millionen Franken haben, glaubt  Businessinsider.com. Schon der erste Schnappschuss ihrer Zwillinge Vivienne und Knox wurde im zweistelligen Millionenbereich an zwei Magazine verkauft. Nur kassieren die Fotografen bloss einen Teil der Gage, denn im Hintergrund zieht meist eine Fotoagentur die Fäden.

DIE AUFTRAGGEBER:
300'000 Dollar muss einer der erfolgreichsten Fotoagentur-Inhaber jeden Monat für seine Paparazzi ausgeben - für Löhne, Flugspesen, Hotelkosten, Autos und Kameraausrüstung. Dem Schweizer Wahlamerikaner Boris Nizon gehört «FameFlynet», die beispielsweise den Betrug von Kristen Stewart an ihrem Ex-Freund Robert Pattinson in die Presse brachte. «Wir sind einem Gerücht nachgegangen», sagte der 49-Jährige einst im Gespräch mit dem Ringier Unternehmensmagazin «Domo». «Wir arbeiten wie bei professioneller Personenüberwachung.» Fotografen observieren die Häuser der Prominenten und kundschaften die Veränderungen der täglichen Gewohnheiten aus. «Wir kennen ihre Autos, ihre Autonummern, die Hausangestellten. Wir wissen, wo sie Ferienhäuser haben und wo sie einkaufen.» Mit all diesen Informationen ergibt sich eine Fährte, «und die hat uns zum Seitensprung geführt». Der Lohn für all den Aufwand und die Entschädigung für die Missgunst der Stars: Ein riesiges Ranch-Style-Haus in gediegener Anhöhe in Malibu, Kalifornien - mit Hausangestellten und einem überlaufenden Pool. Das Bildhonorar der Stewart-Sanders-Schnappschüsse? Das bleibt geheim. 

«SplashNews» gilt als die grösste Paparazzi-Agentur weltweit. Auf ihrer Website mobilisieren sie seit einiger Zeit auch Privatpersonen, Schnappschüsse von berühmten Persönlichkeiten zu schicken - ganz im Stil des Leserreporters. Die Bilder verkauft die Agentur an Zeitschriften und Zeitungen, Blogger, Online-Portale und wer sonst noch Bedarf hat. Dafür zahlt sie eine Gage aus - je nach Exklusivität und Popularität der abgelichteten Person variert diese stark. So preist «SplashNews» an, dass der Schnappschuss von Britney Spears' Las-Vegas-Hochzeit mit ihrem Jugendfreund Jason Alexander 150'000 Dollar wert sei. Davon schüttet die Agentur allerdings nur 50 Prozent aus - die andere Hälfte gehen für den Vertrieb, die Archivierung und Buchhaltung drauf. 

DIE STAR-PROFITEURE:
Wer möchte schon, dass jeder noch so kleine Schritt in seinem Leben dokumentiert wird? Bei den angesagtesten Stars ist das nun mal Alltag, der Preis, den sie für Ruhm und Ehre bezahlen - möchte man jedenfalls meinen. Wer fotografiert und in Klatschheftchen abgebildet wird, bleibt ihm Gespräch. Es ist wohl kaum ein Zufall, dass Reality-Star Kim Kardashian während ihrer Schwangerschaft tagtäglich in neuer Umstandsmode in die Öffentlichkeit trat. Die 31-Jährige lebt von dieser Selbstinszenierung - ihr Erfolg wäre ohne der Hilfe der Fotografen kaum so millionenschwer ausgefallen. Medienpräsenz sei Dank.

So ganz allgemein formuliert, brauchen Jungstars die Paparazzi, um ihren Stellenwert zu steigern. Je populärer der Star, desto besser verdient der im Business. So sei es üblich, dass schon mal die Fotografen vom Star selber angerufen werden, um sich beim Geturtel mit dem neuen Partner ablichten zu lassen. Steigen sie dann in die A-Liga Hollywoods auf, wollen sie aber meist nichts mehr mit ihnen zu tun haben. 

DIE OPFER:
Als ein wahres Opfer galt lange Lady Diana, die 1997 bei einem tragischen Unfall ums Leben kam. Die Betonung liegt allerdings bei «Unfall». Denn wie Untersuchungen ergeben haben, fuhr die Limousine nicht wegen Blitzlichtern der Paparazzi in einen Seitenpfeiler - der Chauffeur weiste im Blut 1.8 Promille Alkohol auf und stand unter Antidepressiva. Die Fotografen trafen erst ein paar Minuten später beim Unfallort ein. Logisch, hatten sie auch die ersten Bilder. Die Schnappschuss-Jäger gerieten daraufhin mächtig in Verruf. George Clooney gab ihnen sogar öffentlich die Schuld an einer Pressekonferenz bei NBC. Das liessen sich diese aber nicht gefallen: Bei einer seiner Film-Premieren schossen sie nicht ein einziges Bild des Schauspielers.

Tatsächlich in Ungnade gefallen ist der Fotograf der Oben-ohne-Bilder von Herzogin Catherine. Offensichtlich schoss er die prikären Fotos aus einer Distanz von hunderten Metern - zwar auf einer öffentlichen Strasse, was gemäss dem Privatsphäre-Gesetz erlaubt wäre, doch der Gebrauch eines Teleobjektivs gilt als Hilfsmittel - das wiederum ist verboten. Gegen den jungen Paparazzo und die «Closer»-Chefredaktorin, welche die Bilder als erste abdruckte, wurde Anklage erhoben.

DIE PROFIS:
Es gibt ein Schweizer Beispiel, das den Umgang mit den angeblich so lästigen Paparazzi perfekt beherrscht: Michelle Hunziker. Die schöne Bernerin lässt sich immer und überall ablichten - stets lächelnd, modisch gekleidet und schwer verliebt oder halbnackt am Strand. Schlechte Schnappschüsse der Moderatorin gibt es kaum welche. Es gehöre zu ihrem Job im Showbusiness und so mache sie eben das Beste daraus. Und einen so dankbaren Star wie La Hunziker gibt es nicht jeden Tag: Sie bietet den lauernden Fotografen Kaffee oder Pizza an, wenn sie vor ihrem Haus ausharren, sie hat Mitleid mit ihnen, wenn sie im Winter stundenlang für einen Schnappschuss frieren müssen. Es ist ein Geben und Nehmen. «Für ein gutes Foto, auf dem ich einen Mann küsse, zahlen Zeitungen zwischen 30'000 und 50'000 Euro», sagte sie einst gegenüber «Domo». Und was bekommt die Moderatorin als Gegenleistung? Seit der Geburt ihrer Tochter Aurora halten sich die Medien an eine Abmachung: Die inzwischen 16-Jährige wird in italienischen Publikationen nie unverpixelt abgedruckt - wenigstens ihre Tochter kann sich noch frei in ihrer Heimat bewegen. Doch wie wird es, wenn im Herbst das erste gemeinsame Kind mit ihrem Verlobten Tomaso Trussardi zur Welt kommt? Wird sich die Tochter auch nicht vor Paparazzi fürchten müssen?

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