Serie: Der Krampf ums Kin­der­krie­gen - Teil 1 Letzte Hoffnung: Künstliche Befruchtung

Kinderkriegen! Wenns bei der natürlichsten Sache der Welt nicht von alleine klappt: In unserer Serie erzählen vier Familien von Sehnsucht, Verzweiflung und Liebe. Die künstliche Befruchtung sei ihre letzte Hoffnung, denken Katharina von Bock, 49, und Stephan Meier, 48, aus Zürich. Ihre ersten zwei Kinder lassen sie im Labor zeugen. Dann kommt plötzlich Nummer drei – ganz natürlich.  
Der Krampf ums Kinderkriegen Katharina von Bock
© Thomas Buchwalder

Kindersegen: Schauspielerin Katharina von Bock und Stephan Meier mit Julius, Henri und Emma (v. l.). «Ein Leben ohne Kinder konnten wir uns nicht vorstellen.»

Ein Jahr bevor Katharina von Bock bei der SRF-Serie «Lüthi und Blanc» einsteigt, 1999, steht neben der Schauspielerei noch etwas ganz oben auf der Wunschliste ihres Lebens: ein Baby! Damals 31 ist sie überzeugt: «Es macht zack, und ich bin schwanger.» Als sich ein halbes Jahr nichts tut, beschleicht Katharina ein Unbehagen: «Da stimmt etwas nicht.» Die Gynäkologin beruhigt: «Alles in Ordnung, geben Sie sich noch etwas Zeit.»

Doch Katharina ist so ungeduldig wie eine Sprinterin vor dem Start. Da sagt ihr Mann Stephan: «Wenn du möchtest, lasse ich mich auch untersuchen.» Der Befund zeigt: Stephan produziert zu wenige bewegliche Spermien. «Mit einer künstlichen Befruchtung könnte es funktionieren», sagt der Arzt – die Chancen liegen damals bei 25 Prozent. «Klar, machen wir», sagt Katharina, «ich sah das als sportliche Challenge.»

Der Krampf ums Kinderkriegen Katharina von Bock
© Thomas Buchwalder
Altverliebte: Seit 21 Jahren sind Katharina von Bock, 49, und Mediensprecher Stephan Meier, 48 ein Paar. Sie leben in Zürich.
 
 

Fast übermütig fahren die beiden in die Kinderwunschpraxis. Im Wartezimmer sitzen Paare, die sich still an den Händen halten oder hinter Zeitschriften verstecken. Stephan sagt, erst da habe er gemerkt, «das scheint eine ernste Sache zu sein». Auch in den Fragen des Arztes liegt eine Schwere: Wie stark ist Ihr Kinderwunsch? Wie viele Versuche wollen Sie machen? Sind Sie sich der körperlichen und seelischen Belastung bewusst?

Katharina und Stephan müssen nicht mal drüber schlafen, sie wollen das. Katharina sucht nach einer Lücke in ihrem Spielplan und beginnt mit der Hormonbehandlung: zuerst Tabletten schlucken, dann Spritzen setzen. «Das war kein Problem, ich werkle ganz gerne an mir herum.»

Ich sass buchstäblich auf rohen Eiern

Nach vier Wochen werden ihr die reifen Eizellen entnommen und mit Stephans Spermien gemischt. Am folgenden Tag meldet das Labor: «Fünf Eier sind befruchtet.» Zwei davon werden in Katharinas Gebärmutter eingesetzt – das Hoffen beginnt. «Ich sass buchstäblich auf rohen Eiern», sagt Katharina, «ich hatte furchtbar Angst, dass sie herausfallen.» Sie stellt sich vor, wie es wäre, einen Kinderwagen durch Zürich zu schieben.

Nach zwei Wochen steht fest: Der Wettkampf ist gewonnen. Katharina ist schwanger, mit einem Mädchen: Emma!

Nach drei Jahren wünschen sich Katharina und Stephan erneut ein Kind. Und da sie noch eingefrorene befruchtete Eier in der Klinik haben, entscheiden sie sich für einen weiteren Transfer. Fast spielerisch, ohne Druck, mal sehen, was passiert. Wieder wird Katharina auf Anhieb schwanger. In der 14. Woche dann der Schock: Das Kind ist schwerstbehindert und würde nach der Geburt sofort sterben. Das Paar bricht die Schwangerschaft ab.

Der Krampf ums Kinderkriegen Katharina von Bock
© Thomas Buchwalder

Jungschar Henri, 10 (M.), entstand natürlich, Julius, 12, und Emma, 16, wurden künstlich gezeugt.

Für einmal gelingt es Katharina nicht, das Leben sportlich zu nehmen. Die Trauer macht sie schwach, sie kommt nicht weg von der fixen Idee eines zweiten Kindes. «Stephan hat mich getragen, auch wenn er mir schlussendlich nicht helfen konnte.» Gemeinsam entscheiden sie, noch das letzte verbliebene Ei einzusetzen. Katharina wird erneut schwanger: mit Julius. Fünf befruchtete Eier, drei Schwangerschaften. Ärzte nennen das einen «Lucky Punch».

Nur acht Monate später geschieht das Unfassbare: Katharina wird schwanger – ohne künstliches Zutun! Das ist etwa so wahrscheinlich, wie wenn sie mit einem verletzten Knie an einem Wettlauf gestartet und als Erste ins Ziel gerannt wäre. Eineinhalb Jahre nach Julius kommt Henri zur Welt. Katharina sagt: «Wir hatten einfach ein Sauglück.»

Die ganze Serie «Der Krampf ums Kinderkriegen» finden Sie hier im Dossier.

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