Kommentar zur Schwangerschaft der zwölfjährigen Bielerin «Darf ich meine Tochter zur Abtreibung überreden?»

Ein Mädchen aus Biel wird bald das jüngste Mami der Schweiz sein. Sie ist zwölf Jahre alt und schwanger. Die Tochter von SI-Familienbloggerin Sandra C. wird demnächst dreizehn, ist also etwa so alt wie das Mädchen aus Biel. Als Mutter stellt sie sich beim Lesen dieser News unweigerlich die Frage: Was, wenn das mein Kind wäre? Wie würde ich reagieren? Was würden wir tun?
In Biel ist eine 12-Jährige schwanger.
© Getty Images

Wie geht man als Mutter damit um, wenn die Tochter im Teenageralter schwanger ist? (Symbolbild)

Eines vorneweg: Ich habe zu ziemlich vielen Dingen eine ziemlich klare Einstellung. Zum Beispiel zu Teenager-Sex oder zu Abtreibungen. Ob die allerdings tatsächlich «verheben», wenn es mich persönlich betreffen würde, weiss ich nicht.

Zum Beispiel wenn mir meine Tochter heute gestehen würde, dass sie ein Baby erwartet. Da wäre zuerst einmal die Tatsache, dass sie mit zarten zwölf Jahren Sex hatte. Echten Sex, nicht so ein bisschen rummachen. Das würde mich erstaunen. Schockieren würde es mich nicht.

Sex scheint das Spannendste, Interessanteste überhaupt

In einer Welt, in der sich jede Werbung, jede Schlagzeile, jeder Songtext irgendwie um Sex dreht, wie sollten es Teenager da nicht für erstrebenswert halten, dieses offenbar ultimativ Spannendste, Interessanteste überhaupt auszuprobieren?

Ich würde hoffen, dass sie das nicht nur mitgemacht hat, um dem Jungen einen Gefallen zu tun, und vor allem würde ich hoffen, dass er ungefähr in ihrem Alter ist. Denn eines ist für mich klar: Ist der Typ 18 oder älter, zeige ich ihn ohne Umschweife an (unabhängig davon, ob er mein Kind geschwängert hat oder nicht).

Erwachsene gehen nicht mit Kindern ins Bett

Erwachsene gehen nicht mit Kindern ins Bett. Punkt. Auch wenn sie ihm erzählt hat, dass sie 16 ist — dann hat es auch für sie eine abschreckende Wirkung. Denn Kinder gehen auch nicht mit Erwachsenen ins Bett. Punkt.

Der Vater des Babys des Mädchens aus Biel ist offenbar 17 Jahre alt. Eine Grauzone. Ich würde mich fragen, wo sie überhaupt einen 17-Jährigen kennengelernt hat. Und der Junge hätte ganz schlechte Karten bei mir: Was zum Teufel hat er sich dabei gedacht, ein so junges Mädchen anzufassen?

Habe ich tatsächlich so ein blödes Kind?

Nun, wenns denn so ist, bringts nichts, mit den Tatsachen zu hadern. Klar würde ich mal nachfragen, ob sie verhütet haben. Und wenn nicht, würde ich in Gedanken meinen Kopf gegen die Wand schlagen und mich fragen, ob ich tatsächlich so ein blödes Kind habe oder ob ich einfach alles falsch gemacht habe, was man irgendwie falsch machen kann als Mutter.

Nicht nachtreten

Sagen würde ich das niemals laut - sie wäre wohl eh schon ein Häufchen Elend, da muss man nicht noch nachtreten. Aber für mich wäre der Fall klar: Es kann nicht sein, dass ich mein Leben um 180 Grad drehe wegen ihr.

Denn etwas anderes wäre auch klar: Dieses Baby wäre eher meines als ihres. Sie schafft es ja nicht mal recht, zu ihren Kaninchen zu schauen … Wenn für sie nun aber klar wäre, dass sie dieses Kind will - hätte ich das Recht, meine Tochter dazu zu überreden, abzutreiben?

Es wäre wohl so, wie wenn ich nochmal schwanger wäre

Eben - so viel zu meiner klaren Einstellung. Und dann gibts ja noch die Möglichkeit - und die ist in dem Alter sehr real - dass es zu spät ist für eine Abtreibung, wenn sie es bemerkt. In dem Fall wäre es wohl in etwa so, wie wenn ich nochmal schwanger wäre - was ja durchaus auch im Bereich des Möglichen läge.

Dann wärs halt so. Uhr zurückstellen, nochmal von vorn anfangen. Mit einem kleinen Unterschied: Ich würde erwarten, dass sie und der Vater des Babys ein Minimum an Verantwortung übernehmen. Und ich hoffe, ich wäre bereit, ihnen diese Verantwortung zu überlassen. Sie sollen wissen, was es heisst, ein Kind zu haben - ihr eigenes Kind, nicht ein kleines Geschwister.

Die Teenie-Eltern müssen ein Minimum an Verantwortung übernehmen

Sie sollen nachts aufstehen, Windeln wechseln, Kotze putzen. Sie hätten meine uneingeschränkte Unterstützung und ich hoffe, ich würde ihnen nicht bei jeder Gelegenheit Vorwürfe machen.

Aber sie würden auch die Konsequenzen tragen müssen: Neugierige bis offen feindselige Blicke und Kommentare auf der Strasse und in der Schule, Windeln wechseln und Schlaflieder singen, wenn ihre Freundinnen und Freunde ins Kino gehen oder Party machen - nicht immer, aber oft genug.

Du weisst, dass ich immer für dich da bin?

Und ich schreibe bewusst «sie», denn eines ist auch klar: Ich würde den Vater des Kindes - und seine Eltern - in die Pflicht nehmen, und zwar nicht nur finanziell! «Was würdest du machen, wenn du schwanger wärst?», frage ich meine Tochter. - «Oh! Mein! Gott!» 

«Würdest du das Baby bekommen wollen?» - «Nein», sagt sie ohne zu überlegen. «Du weisst, wie man eine Schwangerschaft verhindert, oder?» - «Ja.» - «Du weisst aber auch, dass ich im Notfall immer für dich da bin, oder?» - «Ja.» Gut. 

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