Krebsimmuntherapie Immunsystem entlarvt und bekämpft den Krebs

Durchbruch bei der Krebstherapie: Das menschliche Immunsystem ist mit Hilfe von aussen in der Lage, den Tumor zu eliminieren. Dies geschieht, indem Immunantikörper das Abwehrsystem gegen die Krebszellen aufrüsten. Die Krebsimmuntherapie läutet damit eine neue Ära in der Medizin ein.
Killerzellen

Die Aufbruchstimmung war am grossen Krebskongress in Chicago, wo sich alles trifft, was international Rang und Namen hat, allgegenwärtig. Im Zentrum steht die sogenannte Immunonkologie, die – um es ganz einfach zu sagen – das menschliche Abwehrsystem gegen die Krebszellen aufrüsten soll. Zwar setzt unser Körper verändertes Erbgut wenn immer möglich ausser Gefecht, sobald er es erkennt. Bösartigen Tumoren gelingt es jedoch immer wieder, das Immunsystem auszutricksen. Genau hier setzt die Immunonkologie an.

Heute besteht kein Zweifel mehr, dass die Krebsimmuntherapie eine neue Ära in der Medizin einläutet. Nicht mehr der Tumor steht im Vordergrund, sondern das Immunsystem. Es wird dazu benutzt, um die Krebszellen anzugreifen. Das Immunsystem macht das viel geschickter als die gängige Chemotherapie. Entsprechend besser ist die Wirkung, entsprechend geringer sind die Nebenwirkungen. Das geschieht, indem genau dieselben Signalwege beeinflusst werden, welche die Tumorzellen nutzen, um der Erkennung und Zerstörung auszuweichen.

Erste Erfolge in der Immuntherapie zeigen, dass es möglich ist, Tumorerkrankungen wirksam anzugreifen, die bisher keiner anderen Behandlung zugänglich waren. So hat man gesehen, dass dank einem neuen immunmodulatorischen Wirkstoff rund ein Viertel der Patienten mit fortgeschrittenem schwarzem Hautkrebs über Jahre hinweg in eine stabile Phase kommt. Das ist sogar der Fall, wenn das Medikament abgesetzt wird. Es scheint, als ob das Medikament das Gleichgewicht zwischen Immunsystem und Tumor wiederherstellt. In der Fachwelt spricht man daher vom «Modelltumor Melanom» als «proof of concept» für die Immunonkologie. Erste Erfolge sind auch bei bestimmten Arten von Lungenkrebs zu verzeichnen. Der einzigartige Wirkmechanismus eröffnet zudem neue Behandlungsperspektiven für viele Krebserkrankungen, etwa den Krebs der Bauchspeicheldrüse, dessen Heilungsaussichten bisher niederschmetternd sind.

Der Durchbruch beim malignen Melanom, an dem in der Schweiz jedes Jahr fast 2000 Menschen erkranken, zeigt eindrücklich, welche Perspektiven die Immunonkologie eröffnet. In frühen Stadien ist das Melanom, eine der aggressivsten Krebsarten, zwar heilbar. In fortgeschrittenen Stadien sterben aber schon innerhalb eines Jahres nach der Diagnose drei Viertel der Patienten. Dabei sind auch viele jüngere Menschen und solche in den besten Jahren betroffen. Zudem ist das Melanom die Krebsart, die in der Schweiz am stärksten zugenommen hat, trotz jahrelangen intensiven Bemühungen zur Prävention und Früherkennung.

Neue Antikörper gegen Oberflächenschalter sind ein Musterbeispiel für neue Therapien auf dem sich rasant entwickelnden Gebiet der Immunonkologie. Die neuen Therapien bewirken, dass das Immunsystem die Krebszellen besser erkennt und bekämpft. Die Forschergemeinschaft feierte die Präsentation der Ergebnisse als Durchbruch in der Behandlung des metastasierenden Melanoms. Nach 30 Jahren erfolglosen Versuchen war es zum ersten Mal gelungen, Patienten mit fortgeschrittenem Melanom einen Überlebensvorteil zu verschaffen. Sehr rasch wurden die Behandlungsrichtlinien für den metastasierenden schwarzen Hautkrebs weltweit überarbeitet und angepasst.

Die gesammelten Erkenntnisse bilden die Grundlage dafür, dass heute die Immunonkologie als eine neue Säule in der Krebstherapie angesehen wird. Die Ärzte setzen weltweit grosse Hoffnungen in die Krebsimmuntherapie. Und die führenden Pharmafirmen investieren Riesensummen in die Forschung und vernetzen sich mit der akademischen Welt. Bis in zehn Jahren – so die Prognosen – wird man rund zwei Drittel aller Krebsarten wirksam mit einer Immuntherapie behandeln können. Zurzeit wird eine ganze Reihe von Wirkstoffen gegen mehrere Tumorarten untersucht. Das grosse Ziel der Forscher und Mediziner: dem Krebs eines Tages endlich einen entscheidenden Schritt voraus zu sein.

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