SI-Style Kolumne Über den Sport, und warum er so unsexy ist.

Bettina Weber, 35, schreibt in SI Style über Lebensart. Sie wohnt in Zürich.
Bettina Webers Credo: Wenn Sport, dann Velo. Ansonsten nein danke!
© Flurina Rothenberger Bettina Webers Credo: Wenn Sport, dann Velo. Ansonsten nein danke!

Kürzlich fand ich mich ja unversehens in einem Sportgeschäft wieder, und das war eine völlig neue Erfahrung, weil es dort Gerätschaften gibt, von deren Existenz ich bis dahin nichts ahnte, sie ­waren mir derart unbekannt, dass ich nicht einmal wusste, was man damit tun sollte, es ging mir also ein bisschen so, wie wenn man in einem Sexshop steht, da ist man ohne Bedienungsanleitung bis­weilen auch ratlos, für welche Körperöffnung die Objekte nun ­gedacht sind. Ich bestaunte also das Sortiment und studierte die Kundschaft und dachte: Der sportive Mensch ist schon eine ­Spezies für sich.

Weil: Ich verweigere mich ja dem Sport, grundsätzlich und überhaupt, ich finde körperliche Ertüchtigung einfach nur überflüssig und habe schon im Turnunterricht nicht begriffen, weshalb der Mensch in der Lage sein soll, mehrere Kilometer rennenderweise zurückzulegen. Man habe doch, sagte ich jeweils, zwecks effizienterem Fortkommen irgendwann das Rad erfunden, da mute es doch komplett steinzeitlich an, wenn wir da übten, trabend von A nach B zu kommen. Unser Turnlehrer konnte meiner schlüssigen Argumentation in der Regel nicht folgen, und ich musste Strafrunden rennen, der eindeutige Beweis dafür, dass sportlich veranlagte Menschen der Logik nicht zugänglich sind. Sport wird ja ohnehin komplett überschätzt; zwar sind alle dauernd auf dem Weg dorthin und schwingen so dynamisch ihre Nylontaschen und haben so einen federnden Schritt und verströmen so etwas Kompetitives und nuckeln danach an einem isotonischen Getränk, aber ­irgendwann humpeln sie, oder es sind irgendwelche Körperstellen bandagiert, oder sie müssen hässliche Schuhe tragen, weil sie es übertrieben haben mit ihrem Ehrgeiz. Überhaupt ist der Sport vom Ästhetischen her doch sehr zweifelhaft, joggende Männer beispielsweise tragen immer so enge Hosen, die allerhand anatomische Erstaunlichkeiten zutage fördern, auf jeden Fall sehen Menschen beim Sport generell nicht gut aus, sie haben einen roten Kopf, bei gewissen Exemplaren treten gar die Augen und die Adern hervor, dazu machen sie unanständige Geräusche, ihr Haar ist strähnig, und sie schwitzen. Ich finde Schwitzen nieder und Schweiss stillos, zudem muss man zum Sport flache Schuhe tragen, und ich trage nie flache Schuhe, weshalb ich kein einziges Paar Turnschuhe besitze, ausser schwarze Converse, in denen ging ich sogar einmal Federball spielen, das ist schon eine Weile her, und ich erinnere mich auch nicht mehr daran, was mich bewog, mich in diese streng riechende ­Halle mit dem schaurigen Licht zu begeben, aber ich weiss noch, wie ich danach sozusagen bettlägerig war.

Die einzige sportliche Aktivität, die man sehr würdevoll und auch in hohen Hacken betreiben kann, ist Velo fahren, das gibt einen rosigen Teint und hat zudem den Vorteil, dass man schneller ist als mit dem öffentlichen Verkehr, und manchmal kann man sogar einen Offroader ausbremsen, das ist gut fürs Gemüt, also fahre ich Velo, und zwar auch bei Minusgraden und schlechten Witterungsverhältnissen, darum war ich ja auch in diesem Sportgeschäft, weil ich nämlich einen Regenschutz brauchte.

Und dann habe ich noch ein zweites Paar Turnschuhe gekauft, selbstverständlich nicht im Sportgeschäft, denn meine haben einen kleinen Keilabsatz und sind aus Wildleder und sehen très chic aus, und vielleicht kann ich jetzt auch einmal Sport machen, weil
immer­hin das Problem mit den Schuhen gelöst wäre.

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