«Modigliani et l’école de Paris» in Martigny VS Ein Italiener in Paris

In Martigny stehen Bilder und Skulpturen von Modigliani im Zwiegespräch mit Werken seiner Pariser Zeitgenossen. Beeindruckend.
Amedeo Modigliani, Nu couché, le bras droit replié sous la tête, Portrait
© ZVG

Intim: Im «Nu couché, le bras droit replié sous la tête», 1919, handelt es sich vermutlich um seine Lebenspartnerin Jeanne Hébuterne.

Beim Betreten des runden Ausstellungsraumes der Fondation schlägt mir das Herz höher: Unter den 80 Exponaten befinden sich 26 Bilder und Skulpturen von Amedeo Modigliani (1884 - 1920). Die liegenden Akte fallen sofort auf, wie auch die Frauenporträts mit den Schwanenhälsen und den überlangen Nasen. Nur 35 Jahre alt ist der Italieneraus Livorno geworden. Alkohol, Drogen und Tuberkulose haben ihn aus dem Leben gerissen. Als wäre es nicht schon tragisch genug: Am Tag nach seinem Tode stürzt sich seine verzweifelte Lebenspartnerin und Muse Jeanne Hébuterne aus dem fünften Stock des Hauses ihrer Eltern. Sie war im achten Monat schwanger und hinterlässt eine kleine gemeinsame Tochter.

Paris zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts ist eine aufregende Stadt, in die Künstler aus aller Welt strömen. Auch Amedeo Modigliani, Sohn einer gutbürgerlichen jüdischen Familie aus Livorno. 1906 ist er 22 Jahre alt, hat kein Geld und schlägt sich in der französischen Metropole mehr oder weniger durch. Paul Alexandre wird sein erster Sammler, Constantin Brancusi findet ihm ein Atelier in Montparnasse. Modigliani begegnet Picasso, Chaïm Soutine, Maurice Utrillo, Diego Rivera. Sein Freundeskreis ist gross, und er malt sie alle, ob Künstler oder einfache Menschen aus der Nachbarschaft.

Amedeo Modigliani lässt sich keinem Stil zuordnen. Er hat sein kurzes Leben lang am liebsten Menschen porträtiert: Schematisch, verzerrt, teils mit leerem Blick - aber mit einer ungeheuren Intensität.

Die Schau «Modigliani et l’Ecole de Paris» in Martigny zeigt den grossen Italiener im Kontext zu den Malern seiner Epoche. Mit Exponaten aus dem Centre Pompidou, Schweizer Museen und Privatsammlungen.

Fondation Pierre Gianadda Martigny VS
Bis 24.11., täglich 10-19 Uhr, Tel. 027 722 39 78, Katalog CHF 45.-.

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