Annatina Graf Silbrig schillernde Übergänge

Das Kunstmuseum Solothurn widmet der Künstlerin Annatina Graf mit «Traversata» ihre erste institutionelle Einzelschau.
Annatina Graf
© Lucian Hunziker

Interessiert: Annatina Graf setzt sich mit Vorstellung, Erinnerung und Vergänglichkeit auseinander.

Auf den Bildern und Zeichnungen von Annatina Graf, 50, findet das Leben in Fülle statt. Es wird herzhaft gelacht, vergnügt gespielt, geflirtet, geblödelt, geschlafen und auch getrauert. Doch so unterschiedlich die gezeichneten oder gemalten Emotionen sind, sie strahlen allesamt eine eigenartige Stille aus. Als wären auf den Werken, die hauptsächlich auf privatem Fotomaterial der in Solothurn wohnhaften Künstlerin basieren, nicht nur Lebensmomente ihrer Familie visuell eingefroren, sondern auch der dazugehörige Ton vollständig ausgeblendet. Dies mag daran liegen, dass Farben in ihrem Schaffen eine untergeordnete Rolle spielen. Sie kommen vor, jedoch eben in «leiser» Weise.

Besonders augenscheinlich wird das bei ihren silbernen Arbeiten. In der Serie «Another world» hat Annatina Graf Schlafende in Acryl porträtiert. Geht der Betrachter langsam daran vorbei und lässt den Blick auf einem der Werke ruhen, tauchen die Konturen der Figur wie aus dem Nebel auf und verschwinden wieder. «Thematisch interessieren mich jegliche Übergangssituationen. Deshalb suchte ich nach einer Technik, die das auch visuell unterstützt.» Durch die Lasurtechnik, bei der die Farben – in diesem Fall silber und weiss – in sehr dünnen Schichten aufgetragen werden, entsteht so eine erstaunliche Tiefe und eine besondere Sinnlichkeit. Bei «Blütezeit» und «Nightshot», beide auch in dieser Technik gemalt, thematisiert sie einen anderen Übergang: den Schritt vom Jugendlichen zum Erwachsenen. Die Fotos, die diese Serien zugrunde liegen, sind Selfies ihrer beiden Kinder.

Die Videoarbeit «Wasserzeichen» von 2004 zeigt eine geheimnisvoll glitzernde Wasseroberfläche, die von Sirenenklängen unterstrichen wird. Wer genau hinsieht, erkennt ein Mädchen, das langsam von rechts nach links schwimmt, den Kopf knapp überm Wasser. Auch diese Arbeit ist ein Symbol für einen Übergang. Hier ist es der vom Bewussten zum Unbewussten.

Kunstmuseum Solothurn
Bis 30. 8., Di–Fr 11–17 Uhr, Sa 10–17 Uhr, Tel. 032 624 40 00, www.kunstmuseum-so.ch

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