Christian Jott Jenny Der Tausendsassa

Multitalent: Der Zürcher Christian Jott Jenny ist auf allen Bühnen zu Hause. Der Schauspieler, Opern- und Schlagersänger hat sogar sein eigenes FESTIVAL da Jazz in St. Moritz.
Multiple Begabung: Christian Jott Jenny lebt seine künstlerische Vielseitigkeit.
© Hervé Le Cunff Multiple Begabung: Christian Jott Jenny lebt seine künstlerische Vielseitigkeit.

Schubladen-Denken mag er nicht. In eine stecken lässt sich Christian Jott Jenny schon gar nicht, füllt er doch gleich mehrere davon. Und zieht – je nach Bedarf – die passende hervor. Mit einer Rolle bei «Lüthy & Blanc» finanzierte er sich sein klassisches Gesangsstudium in Berlin. An der Schubertiade Zürich, die er selbst ins Leben gerufen hat, gibt er regelmässig Liederabende. Und als launiger Leo Wundergut («Kein Schwein steckt mich an»), mit dem er übrigens im kommenden Winter am Arosa Humor-Festival auftritt, lebt Jenny seine komödiantische Seite aus. Dann ist da noch das Amt für Ideen, als dessen Vorsteher er fungiert. Ein Beamter? Jenny schmunzelt: «Die Projekte, die wir betreuen, sind sehr unterschiedlich und laufen oft parallel. Ein Amt schafft Klarheit und Ordnung», sagt er und lächelt spitzbübisch.

Was ihn antreibt, hat fast immer mit Musik zu tun, egal ob Jazz, Musicals oder Opern. «Für mich gibts nur gute oder schlechte Musik.» Jazzpianist, das wäre der ehemalige Zürcher Sängerknabe am liebsten geworden. «Doch immer alleine vor dem Klavier zu sitzen, war dann doch keine langfristige Perspektive.» Dafür tauscht der umtriebige Zürcher viel zu gerne Ideen aus, organisiert kulturübergreifende Projekte und baut kontinuierlich sein Netzwerk aus.

Bereits während seines Studiums startet Christian Jott Jenny seine erste kleine Jazzreihe in pittoresker Umgebung: im Weinkeller des Grandhotel Kronenhof in Pontresina. Türöffner ist der ehemalige Direktor des Hotels Dolder, einer von Jennys vielen «guten Bekannten». Als das Hotel jedoch nach einigen Jahren renoviert wird, ist Schluss. Ein neues Lokal muss her. Da hört er vom legendären Dracula Club in St. Moritz, in dem sich die Reichen und Schönen seit Jahrzehnten jeden Winter ein Stelldichein geben. «Der Club ist klein und fein, genau das, was ich suchte», erinnert sich Jenny.

Der Club steht im Sommer zwar leer, aber der Besitzer Rolf Sachs ist partout nicht an einer Vermietung interessiert. Was also tun? Der 32-jährige Jenny hat nicht nur Ausdauer und viele Ideen, auch Schalk und Charme gehören zu seinem Repertoire. Und hat er sich einmal was vorgenommen, bringt ihn kaum etwas davon ab. Also stellt er beim Besitzer einen Asylantrag. Ganz offiziell, in seiner «Funktion» als Vorsteher des Amts für Ideen. «Wenige Tage später, bei schlechtem Filterkaffee im Flughafen Kloten wurde meinem Festival die Aufenthaltsbewilligung im Dracula Club gewährt.»

In den letzten vier Jahren etablierte sich das Festival da Jazz bei Publikum und Musikern. Jenny, der sich in der Amtsküche auf einem billigen CD-Player die Tracks anhört («Gute Musik hört man auch auf einem schlechten Gerät heraus») und fürs folgende Jahr aussucht, hat ein gutes Gespür für Musik und Menschen.

Dass sich Weltstars wie Manhattan Transfer auf eine Bühne von 12 Quadratmetern zwängen, grenzt an ein Wunder. «Ich habe frech gefragt, ob sie sich das überhaupt noch zutrauen, in so intimem Rahmen, ohne Verstärkung, wie vor zwanzig Jahren», sagt Jenny lachend. «Erst fanden sie mich unverschämt. Jetzt wollen sie es sich selbst beweisen.»

Festival da Jazz, St. Moritz GR
15.7.-15.8., www.festivaldajazz.ch

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