Zithermusik Die reinste Zitherpartie

Punkto Zithern ist die erste Adresse das Kulturzentrum in Trachselwald BE: Lorenz Mühlemann verhilft dem ehemals populären Zupfinstrument zu einem Revival.
Lorenz Mühlemann
© Dick Vredenbregt / Schweizer Illustrierte Lorenz Mühlemann

Abenteurer, Weltumsegler, Entdecker. Das wäre er am liebsten geworden. «Einer wie Kolumbus. Aber da war ja nichts mehr zu holen, alles schon bekannt», sagt Lorenz Mühlemann in breitestem Emmentaler ­Dialekt. Er schmunzelt zufrieden. Denn auch wenn er bis vor wenigen Jahren als Primarschullehrer Kindern vom Schulzimmer aus die Welt erklärt hat – Neuland hat der 47-jährige Berner trotzdem erobert.

Seine Terra incognita hat Lorenz ­Mühlemann als junger Mann auf dem ­Flohmarkt gefunden: eine alte Zither. «Niemand wusste, wie sie gespielt wird. Es gab weit und breit keine Noten. Meine Entdeckerlust war geweckt. Und – es war Liebe auf den ersten Ton.» Über dreissig Jahre ist das nun her. Die Faszination hat den dreifachen Familienvater nicht mehr losgelassen. Seither sammelt und restauriert er Zithern, komponiert Musik mit verschiedenen Besetzungen, gibt Konzerte, unterrichtet, schreibt Fachbücher, spielt CDs ein. Sein neuster Streich: «Hanottere», die der freischaffende Zitherer, wie er sich gerne nennt, als Liebeserklärung an die fast vergessene, gleichnamige Emmentaler Halszither versteht.

Vor sieben Jahren eröffnete Lorenz Mühlemann ein Zither-Kultur-Zentrum im Emmentaler Dorf Trachselwald. Zu ­sehen sind 110 dieser Zupfinstrumente, die in den Alpenländern eine jahrhundertealte Tradition haben. Häxeschitt und Lumpeninstrument hiessen sie im Mittelalter. Ihre Hochblüte erlebte die Zither von 1880 bis 1940. Vor allem auf dem Land gabs in fast jedem Haushalt ein Exemplar, weiss Spezialist Mühlemann. «Sie klingt lieblich, zart, ergreifend. Dazu wurde ge­sungen, nicht getanzt.» Vier Fabriken existierten damals in der Schweiz.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam das Aus. Das Radio trat seinen Siegeszug an, Schlager und Jazz fegten die Hausmusik aus den ­guten Stuben und die Zither damit auf den Estrich. Dass sie den Weg zurück gefunden hat, ist zu einem grossen Teil Lorenz Mühlemanns Verdienst. Der Zithervirus hat nicht nur seinen jüngsten Sohn längst gepackt. Auch beim Unterrichten landauf, landab gibt der leidenschaftliche Musiker seine Begeisterung weiter: «Die Zither liegt vor dir auf dem Tisch, schaut dich an, ihr Ton wendet sich dir zu. Das ist einzigartig.» Heute erfreuen sich an den silbrigen Klängen rund 4000 Zitherspieler. Auch Jugendliche.

Kurt Zurfluh, Volksmusik-Experte bei ­Radio und TV, ist begeistert: «Die Zither ist ja kein typisches Volksmusikinstrument, doch ich war sofort fasziniert von ihrem Klang. Mühlemann bewundere ich für seinen grossen Idealismus.» Und würde Bligg ihn für seinen Mix aus Hip-Hop und Volksmusik anfragen – Mühlemann wär sofort dabei. «Es gibt noch viele weisse Flecken auf der Landkarte der Zither, die es zu entdecken gibt.»

Schweizer Zither-Kultur-Zentrum Trachselwald BE Tel. 034 - 431 55 55, www.zither.ch; Konzerte: 13. 2., 19 Uhr, kath. Kirche, Huttwil; 14. 2., 17 Uhr, ref. Kirche, Ostermundigen

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