Huber.Huber im Aargauer Kunsthaus Subtiler Blick auf den Krieg

Im Aargauer Kunsthaus zeigen Huber.Huber ihre künstlerische Sicht auf die Eroberung des Aargaus 1415 durch die Eidgenossen.
Huber.Huber
© Marcel Nöcker

Schlicht und ergreifend: Die aktuelle Schau des Künstlerduos Markus Huber und Reto Huber.

Sie ist klein, aber fein, die aktuelle Ausstellung von Huber.Huber. Die Zürcher Zwillingsbrüder, die seit zehn Jahren zusammen Kunst machen, haben sich mit dem für den Kanton Aargau schicksalhaften Jahr 1415 auseinandergesetzt. Damals eroberten die Eidgenossen weite Gebiete des heutigen Aargaus und beendeten damit die lange Herrschaft der Habsburger. «Viel geändert oder gar verbessert hat sich dadurch aber für die Aargauer nicht», sagt Markus Huber, 40. Zusammen mit seinem Zwillingsbruder Reto hat er sich in den Depots und Archiven des Kantons umgesehen. Die Künstler liessen sich von historischen Artefakten inspirieren und präsentieren nun im Untergeschoss des Kunsthauses Aarau die Installation «Und plötzlich ging die Sonne unter».

Wer nun scheppernde Ritterrüstungen, eine Waffensammlung oder prächtig verzierte Machtinsignien wie Zepter und Krone erwartet, liegt falsch. «Uns ging es darum, das Individuum, den Menschen hinter dem Soldaten, in den Vordergrund zu stellen. Und das auf eine möglichst vielschichtige Weise», sagt Reto Huber. Er steht vor einer 175 Zentimeter langen Vitrine mit Handschuhen. Die Aussenseite ist geharnischt, die Innenfläche aus weichem Leder. Der Rest der Rüstung fehlt, doch sind sie so platziert, als ob ein liegender Ritter die Hände in den Schoss legen würde. Ein starkes Bild für Menschen in Kriegszeiten.

Eindrücklich auch zwei minimalistische Skulpturen. Es sind in der Forensik benutzte Glyzerinseifen, deren Konsistenz dem menschlichen Körper am nächsten kommt. Der eine Block weist – kaum sichtbar – eine Hieb-, der andere eine Stichverletzung einer Hellebarde auf. Man spürt förmlich, wie leicht geschliffenes Metall in einen ungeschützten Körper dringen kann. Und eine Fotoarbeit zeigt das Siegel des Kapitulationsdokumentes von 1415. Auf der «Kehrseite der Medaille» sind noch Fingerabdrücke zu sehen.

Aargauer Kunsthaus Aarau
Bis 16. 8., Di–So 10–17, Do 10–20 Uhr, Künstlergespräch am 21. 5. um 18.30 Uhr, Tel. 062 835 23 30, www.aargauerkunsthaus.ch

 
 
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