Tina Modotti in St. Gallen Kunst und Revolution

Das Historische und Völkerkundemuseum St. Gallen widmet der italienischen Fotografin Tina Modotti eine beeindruckende Schau.  
Tino Modotti
© Historisches und Völkerkundemuseum und Cinemazero

Ikone von Tina Modotti: «Frau aus Tehuantepec», 1929.

Als Person war sie schön und temperamentvoll, als Künstlerin äusserst begabt und (nicht nur in ihren Arbeiten) gar revolutionär: Tina Modotti (1896–1942) zählt zu den wichtigsten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts. Drei Themen prägen die Werke der im italienischen Udine geborenen Assunta Modotti: Sozialismus, Fotografie und Armut. Mit allen ist sie bereits in ihrer Kindheit in Berührung gekommen. Im Atelier ihres Onkels lernte sie die Technik der Fotografie kennen und arbeitete bald mit. Tina Modottis Taufpate war einer der ersten Sozialisten in Udine. Und obwohl sie früh von der Schule ging, um in einer Fabrik Geld zu verdienen, musste die Familie aus wirtschaftlichen Gründen Italien verlassen, sie wanderte in die USA aus. Dort wirkte Tina Modotti unter anderem in drei Stummfilmen mit, bevor sie mit ihrem Mentor und Partner, dem berühmten Fotografen Edward Weston, 1922 nach Mexiko zog. Im Land der grossen Revolutionen, einem Paradies der Kreativen aus aller Welt, fand die junge Italienerin eine neue Heimat. Sie freundete sich mit Künstlergrössen wie Frida Kahlo, Diego Rivera und Pablo Neruda an, wurde bekennende Kommunistin und Antifaschistin. Als Fotografin wendete sie sich erst Blumen und architektonischen Sujets zu, bis sie mit der Kamera das Elend der Kinder und Arbeiter festhielt. In ihren politisch motivierten Fotografien zeigt sich ihre Meisterschaft (siehe Bild rechts in der Mitte). Ihr grosses politisches und soziales Engagement führte jedoch immer mehr zu Diffamierungen, die selbst noch nach ihrem unerwarteten Tode 1942 andauerten. Die Ausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum zeigt das künstlerische Schaffen der Friulanerin in der Schweiz zum ersten Mal in grösserem Umfang. Neben über 60 Originalabzügen aus dem Fotoarchiv Cinemazero in Pordenone (Friaul) sind auch Filmdokumente zu sehen. ANINA RETHER

Historisches und Völkerkundemuseum St. Gallen
Bis 4. 1. 2015, Di–So 10–17 Uhr, geschlossen 24./25. 12. und 1. 1. 2015
Tel. 071 242 06 42
www.hvmsg.ch

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