Andreas Moser Nachgefragt

Wolfsblut: Der TV-Biologe Andreas Moser, 54, jagt Tiere für «Netz Natur» – mit der Kamera. Zurzeit arbeitet er an einem Dokfilm über den Wolf in der Schweiz.
Andreas Moser, TV-Biologe
© RDB / Hervé Le Cunff Andreas Moser, TV-Biologe

Schweizer Illustrierte: Herr Moser, sind Sie eigentlich sicher, dass der Wolf im Wallis Kälber gerissen hat?
Andreas Moser: Bis die genetischen Analysen vorliegen, ist es nicht erwiesen. Auch ob die Tiere durch Wölfe zu Tode kamen und ob sie bereits krank oder verletzt waren, bleibt unklar.

Mehrere Wölfe?
Dass ein einzelner Wolf so grosse Tiere angreift, wäre ungewöhnlich. Es hat in der Gegend genug Beute, die weniger wehrhaft ist. Denkbar hingegen, dass streunende Hunde das Vieh gerissen und sich Wölfe daran bedient haben.

Wie viele Wölfe leben derzeit in der Schweiz?
Offiziell zehn bis elf Tiere, möglicherweise sind es mehr. Eigenartig ist, dass in der Schweiz seit 15 Jahren Wölfe leben, ohne dass je Nachwuchs nachgewiesen wurde. Man muss davon ausgehen, dass Wölfe gewildert wurden.

Warum machen eigentlich nur die Walliser Wölfe so viele Probleme?
Das Wallis will mit allen legalen und illegalen Mitteln verhindern, dass sich der Wolf ansiedelt. Das hat ein ehemaliger Walliser Jagdinspektor öffentlich erklärt.

Woher kommt diese fanatische Feindschaft?
Der Wolf war für die Mangelgesellschaften des 19. Jahrhunderts eine echte Bedrohung, weil er die Haustiere der Armen riss. In gewissen Regionen haben sich diese Reflexe über 200 Jahre lebendig gehalten. Die heutigen Reaktionen sind rational nicht zu erklären. Für Menschen stellt der Wolf keine Gefahr dar, und Herden können geschützt werden, das zeigen die Erfahrungen unserer Nachbarländer und auch in der Schweiz.

Wann werden die ersten Wölfe in unseren Städten auftauchen?
In Rumänien durchqueren Einzeltiere unbemerkt Städte. Der Wolf ist extrem anpassungsfähig. Falls er sich wirklich ansiedeln sollte, spricht nichts gegen eine gezielte, moderate Bejagung.

Werden die Walliser Wildhüter Erfolg haben?
Gut möglich. Auch weil sie höchstwahrscheinlich mit Nachtsichtgeräten militärische Mittel einsetzen werden, die aus jagdethischer Sicht nicht erlaubt sind.

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