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Nach Auftaktpleite gegen Japan

Deutsche Nationalmannschaft: Erst der Schaden, dann der Netz-Spott

Verlorenes Spiel, verschwundene «One Love»-Binde und elf Mann mit der Hand vor dem Mund: Die Netz-Reaktionen zur Auftaktpleite der deutschen Nationalmannschaft.

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Frust pur: Jamal Musiala als Sinnbild für seine ganze Mannschaft.
Frust pur: Jamal Musiala als Sinnbild für seine ganze Mannschaft. imago/Starface

Das verlorene Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Japan bei der WM in Katar bietet kurz nach Abpfiff viel Angriffsfläche. So viel, dass sich die standesgemässe Netz-Häme gar nicht auf einen einzigen Moment festlegen kann: Die auf dem Feld nicht auffindbare «One Love»-Binde, die es irgendwie nur an Frauen-Arme geschafft hat. Die elf Herren auf dem Rasen, die sich vor dem Anstoss mutig den Mund zugehalten haben. Oder doch lieber der sportliche Offenbarungseid, der zur 1:2-Niderlage geführt hat? Ein Querschnitt durch Twitter.

Die Frage, ob Manuel Neuer (36) als Kapitän der DFB-Elf die «One Love»-Binde tragen und dafür eine gelbe Karte in Kauf nehmen würde, beantwortete sich früh. Statt an Neuer geht der Respekt vieler Userinnen und User nun an Bundesinnenministerin Nancy Faeser (52), die sich direkt neben Fifa-Chef Gianni Infantino (52) mit besagter Binde auf die Tribüne setzte. Twitter-Prädikat: Mehr Mittelfinger in Richtung des umstrittenen Infantino geht nicht: «Bislang haben bei dieser WM ausnahmslos Frauen gewonnen», stimmt ein anderer Nutzer mit ein.

Anstelle der Kapitänsbinde hatte sich die Nationalmannschaft ein anderes Zeichen des Protests ausgedacht: Beim Mannschaftfoto hielten sie sich allesamt den Mund zu - als Symbol dafür, dass sie von der Fifa mundtot gemacht wurden? Manch einer sah dahinter etwas anderes: «11 mutige Herren protestieren hier gegen die Abschaffung der Maskenpflicht im ÖPNV in Bayern. Danke für das Zeichen!», schrieb ein Twitter-Nutzer zu dem besagten Foto.

Satiriker Oliver Kalkofe (57) ging dieser Protest jedenfalls nicht weit genug, wie er unmissverständlich klar machte: «Mit einem kleinen klaren Zeichen und einem Fingerhut Mut gegen das Unrechtsregime #FIFA wäre #DieMannschaft selbst beim Vorrunden-Aus als #VerliererMitEiern und #SiegerDerHerzen heimgekehrt. Jetzt leider nur als Verlierer.»

Cleverer Coup

Die Gag-Schreiber der «ZDF heute-show» wähnen hinter der Pleite hingegen den eigentlichen Coup und «die nächste grosse Geste: Deutsches Team verliert absichtlich im Auftaktspiel, um auf Missstände in Katar hinzuweisen.» Noch etwas weiter ging ein anderer Post: «Die deutsche Nationalmannschaft ist konsequent und zeigt, dass sie #Katar baldmöglichst verlassen will. Die Rückreise ist schon für nächste Woche Donnerstag fest eingeplant!»

Der Geniestreich hinter der Auftaktniederlage für zukünftige Protestaktionen: «Die Fifa kann dir keine Punkte abziehen, wenn du gar keine Punkte hast. Clever.»

Allen zuweilen auch höchst fragwürdigen Unkenrufen zum Trotz muss aber festgehalten werden, dass die internationale Presse, etwa aus England und Italien, die «Mund zu»-Aktion der deutschen Nationalmannschaft als «starke» und «mächtige Geste» gegen die Gängelung durch die Fifa gewürdigt hat.

Von spot on news AG am 23. November 2022 - 20:31 Uhr