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Zur Jahreswende ist das ehemalige «G&G»-Moderationsteam wieder vereint. Im Zürcher Club Plaza schauen Jennifer Bosshard, Michel Birri, Tanya König und Joel Grolimund auf ein turbulentes Jahr zurück und verraten ihre Zukunftspläne. Sina Albisetti
Schweizer TV-Quartett im SI-Fotoshooting

Bosshard, König, Grolimund und Birri nach dem G&G-Aus wieder vereint

Geschichten erzählen die TV-Stars vorerst keine mehr, die Gesichter aber bleiben. Nach dem Aus von «G&G» stehen Jennifer Bosshard, Joel Grolimund, Tanya König und Michel Birri wieder gemeinsam vor der Kamera. Als Freunde am Wendepunkt.

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Für einmal ist die Zürcher Plaza Bar zur provisorischen Maske umfunktioniert worden. Tanya König (38) und Jennifer Bosshard (32) versinken in Vintage-Samtsesseln, während feine Pinsel über ihre Gesichter streichen und die Lippen nochmals nachgezogen werden.

<p>«Tanya war eine der Ersten, die von meiner Schwanger­schaft wusste», so Jennifer Bosshard.</p>

«Tanya war eine der Ersten, die von meiner Schwangerschaft wussten», erzählt Jennifer Bosshard.

Sven Germann

Ein paar Schritte daneben wird Michel Birri (38) von der Stylistin ins richtige Outfit manövriert, während er das Prozedere mit gewohnter Heiterkeit kommentiert. Dann öffnet sich die Tür. «Schöggel, endlich hast du es auch geschafft!» Joel Grolimund (34) tritt ein, gezeichnet vom frühen Morgenshow-Start beim Vintage Radio, lässt seine Tasche in die Ecke fallen und begrüsst alle herzlich. «Ihr seid voller Energie und ich schon wieder müde», sagt er und grinst. Mit seinem Eintreffen ist das Moderationsquartett der gestrichenen SRF-Sendung «Gesichter & Geschichten» für einmal wieder komplett.

Wie sehr haben Sie es vermisst, in der Maske verwöhnt zu werden?

Jennifer Bosshard: Sehr! Diesen Moment des Einkehrens und das Gefühl, den Alltag auszublenden, vermisse ich. Vor allem, seit ich als Mami etwas weniger Zeit für mich habe (lacht).
Michel Birri: Mir fehlt es auch, extrem sogar. Wenn ich zu Hause am Küchentisch arbeite, stylt mich leider niemand. Erst im Nachgang habe ich gemerkt, was für ein Luxus da weggefallen ist.
Joel Grolimund: Ich habe mir eigentlich vorgenommen, nur noch Jobs anzunehmen, bei denen ich in den Genuss dieses Verwöhnprogramms komme. Leider gibt es die aber nicht. Jänu, ich komme z Rank damit.
Tanya König: Auch für mich war es immer ein Vergnügen, deshalb geniesse ich es jetzt umso mehr.

Tanya König

Erstmals steht die Rapperswilerin mit 15 Jahren beim Musiksender VIVA Schweiz vor der Kamera, es folgen Stopps unter anderem bei «The Voice of Switzerland» und CNN Money Switzerland, ehe sie 2022 zu «G&G» stösst. Die 38-Jährige bleibt als Reporterin bei SRF und widmet sich daneben ihrer Selbstständigkeit als Moderatorin. Ihr Vorteil: Sie spricht sechs Sprachen.

tanya könig

tanya könig

Sven Germann

Wer von Ihnen ist am eitelsten?

Michel Birri: Jenny! (Lacht.)
Jennifer Bosshard: Was? Ich bin eitel, ja. Aber an dich kommt niemand heran!
Joel Grolimund: Das stimmt, Michel hatte immer die längste Maskenzeit von uns allen. Sag nur, wie häufig du dir den Bart hast färben lassen …
Michel Birri: Nur jeden zweiten Tag.

Michel Birri

Beim Radiosender Kanal K beginnt der Aargauer 2006 seine Medienkarriere, wechselt zwischen Privatradios, ehe 2010 der Schritt zu SRF erfolgt. Zuerst beim Kinderprogramm Zambo, seit 2012 auch bei Radio SRF 3. Ab 2022 führt er bei «G&G» durch die Sendung und ist nebenbei weiterhin im Radio zu hören. Seit dem TV-Aus ist der 38-Jährige als selbstständiger Eventmoderator tätig, betreibt den Podcast «B&B – fortgsetzt» und entdeckt die Theaterwelt für sich. In der Freizeit trifft man ihn mit dem Snowboard 
auf den Pisten an.

Michel Birri

Michel Birri

Sven Germann

Wie wohl ist es Ihnen in der Welt von Glitzer und Glamour?

Jennifer Bosshard: Ab und zu fühle ich mich sehr wohl darin. Warum auch nicht? In der Schweiz hat man oft Mühe damit, dabei darf dies Teil des Lebens sein. Es darf einfach nicht das Einzige sein, was einen umtreibt.
Joel Grolimund: Ich finde es schön, in diese Welt einzutauchen, bin aber auch froh, dass es nicht mein dauerhafter Lebensstil ist. Die Dosis machts.
Tanya König: Ich kann gut in diesen Kreisen drin sein und genauso gut wieder rausgehen. Das mochte ich an unserem Job immer. Reingehen, beobachten, mitmachen und danach wieder Distanz haben.

Hat SRF mit der Absetzung von «G&G» seinen Glanz verloren?

Joel Grolimund: Das kann man schon so sagen. Jenny hat ja auch ein Video auf Social Media gepostet, in dem es heisst: Der Glamour hat das Haus verlassen, und so ist es.
Jennifer Bosshard: Ja, ich denke schon auch, dass eine gewisse Strahlkraft weg ist. Viel tragischer ist aber, dass die Kultur- und Kleinkunstbranche eine wichtige Plattform verloren hat.
Tanya König: Ich bleibe mit meinem Teilzeitpensum im neuen Kompetenzteam beim SRF, wo ich auch die Oscars-Spezialsendung moderieren darf. Ich versuche, im Geiste von «G&G» den Glam aufrechtzuerhalten.

<p>«Nach unserem ersten Gespräch wusste ich, Jenny ist ein toller Mensch», meint Michel Birri.</p>

«Nach unserem ersten Gespräch wusste ich, Jenny ist ein toller Mensch», meint Michel Birri.

Sven Germann

Wie haben Sie das Aus verarbeitet?

Joel Grolimund: Der Zeitpunkt war extrem hart. Wir haben alle zusammen das 20-Jahr-Jubiläum gefeiert, die jährlichen Awards verliehen, und eine Woche später kam die Nachricht. Wir waren alle mit Herzblut dabei. Irgendwie fehlt seither ein Teil meiner Identität. Aber langsam kommts wieder.
Michel Birri: Es war schwierig und schmerzhaft. Im Team konnten wir uns aber auffangen. Zur Bewältigung hat auch der Podcast beigetragen, den ich seither mit Jenny betreibe. Struktur hilft, wenn alles wackelt.
Tanya König: Für mich war es wohl weniger intensiv als für die anderen. Zu dem Zeitpunkt war ich bereits im Mutterschutz und hatte meinen Fokus auf der Schwangerschaft. Nichtsdestotrotz kam Verunsicherung auf, da ich wusste, dass ich bald ein Kind versorgen muss. Das hat sich aber rasch gelegt.
Jennifer Bosshard: Ich kann mich nur anschliessen. Es war – beziehungsweise ist immer noch – schmerzhaft. Wir vier, aber auch die ganze Redaktion hatten eine tiefe Verbindung.

Was macht Ihr Quartett so speziell?

Joel Grolimund: Wir haben uns gegenseitig stets alles gegönnt. Jeder hatte seine Bereiche und es wurde nie geellbögelt. Wir sind komplett unterschiedliche Persönlichkeiten – vielleicht gab es auch genau deshalb nie Konkurrenzdenken zwischen uns.
Tanya König: Hinzu kommt, dass wir als Redaktion immer zusammengestanden sind. Unser Team bestand aus kreativen Menschen, die Mut hatten, Neues zu versuchen. Das hat uns ausgezeichnet und zusammengeschweisst.

Wer nimmt im Team welche Rolle ein?

Michel Birri: Jennifer ist der Inbegriff von Glamour. Den strahlt sie nicht nur aus, sondern verkörpert ihn. Tanya hat die Gabe, mit ihrer Präsenz für Tiefe und Ernsthaftigkeit zu sorgen – und das auf eine Art, die nicht stier wirkt.
Jennifer Bosshard: Joel ist der liebenswürdige, bodenständige und total zuverlässige Typ. Mit so jemandem zu arbeiten, ist ein Geschenk! Michel hingegen ist ein totaler Chaot, laut und überdreht – bis er im Studio steht. Da liefert er einfach ab. Mit seiner Art sorgt er immer und überall für gute Laune.

Die Discokugeln drehen sich langsam über dem Dancefloor des Klubs, werfen zerhacktes Licht an Wände. Fotograf Sven Germann gibt Anweisungen, ehe es immer wieder aufblitzt. Stillhalten? Unmöglich! Hemmungslos wird gelacht, getanzt und rumgeblödelt. Michel Birri greift nach seinem Handy, tippt und spielt Musik ab – «Danza Kuduro». Jennifer schüttelt lachend den Kopf, setzt aber mit allen anderen zum dazugehörigen Tanz an. Joels Müdigkeit scheint verflogen und Tanya komplett im Element angekommen zu sein.

<p>«Vor der Geburt glaubte ich zu wissen, was Stress und harte Arbeit bedeuten»: Jennifer Bosshard (r.) und Tanya König sind fast gleichzeitig Mami geworden.</p>

«Vor der Geburt glaubte ich zu wissen, was Stress und harte Arbeit bedeuten»: Jennifer Bosshard (r.) und Tanya König sind fast gleichzeitig Mami geworden.

Sven Germann

Jennifer Bosshard

Zunächst schreibt die Baslerin als freie Journalistin für das Ressort Kultur der «Basler Zeitung», ehe sie im Ressort Reportagen bei der «Annabelle» ein  Praktikum absolviert. 2017 wechselt sie in die Redaktion von «G&G», wo sie ein Jahr später vor die Kamera tritt. Seit dem Ende der Sendung ist die 32 Jährige Teil des Podcasts «B&B – fortgsetzt» und als freie Moderatorin tätig.

Jennifer Bosshard
Sven Germann


Wer von Ihnen ist der grösste Partytiger?

Jennifer Bosshard: Definitiv Michel! Wenn es ums Feiern geht, ist er stets vorne mit dabei.
Tanya König: Wobei, wenn Joel in Fahrt kommt, kann man ihn auch kaum bremsen (lacht).

Tanya und Jennifer, kommen Sie als Neo-Mamis überhaupt zum Partymachen?

Jennifer Bosshard: Bisher habe ich es nicht geschafft. Es ist heute das erste Mal, dass ich einen ganzen Tag weg bin und mein Mann alleine zu unserer Tochter schaut. Ich vertraue Pasci vollkommen, weshalb ich entspannt bin.
Tanya König: Der Ausgang muss im Moment auch bei mir warten, was aber absolut passt – alles wieder zu seiner Zeit.

Wie hat die Mutterschaft Ihr Leben verändert?

Tanya König: Ellie hat mein Leben total verändert, aber es fühlt sich gut an! Einerseits ist es wunderschön, andererseits kann es auch anstrengend werden. Etwas vom Besten ist aber, dass es mir aufgezeigt hat, wie sich plötzlich die Prioritäten verschieben und vieles in Relation unwichtig erscheint.
Jennifer Bosshard: Damit hast du absolut recht! Ich dachte vor der Geburt, ich wisse sehr wohl, was Stress und harte Arbeit bedeuten. Aber ich habe mich da absolut getäuscht. Mit einem Baby ist es ein neues Level. Und wie Tanya sagt: Gewisse Dinge sind auf einen Schlag nicht mehr so wichtig.
Tanya König: Genau, man nimmt sich auch selbst weniger wichtig. Gleichzeitig ist es ein wunderschönes Gefühl, auf diese Weise für dieses kleine Geschöpf zu sorgen und die Verantwortung zu tragen.

Joel, ist bei so vielen Babys um Sie herum das Thema Familienplanung plötzlich präsenter?

Joel Grolimund: Nach der Hochzeit im Sommer war es Thema bei Claudia und mir. Aber die berufliche Unsicherheit und der dazugehörige Stress haben alles ausgebremst. Nun nehmen wir es gelassen.

Joel Grolimund

Der Solothurner hat 2017 als Praktikant bei «Glanz und Gloria» begonnen und ist 2022 ins Moderationsteam aufgenommen worden. Heute ist der 34-Jährige Moderator und Co-Programmleiter bei Vintage Radio (DAB+). 2025 hat er im kleinen Kreis auf Ibiza seiner langjährigen Freundin Claudia das Jawort gegeben. Hin und wieder steht er als DJ an den Turntables und ist seit Jahren Mitglied einer Guggenmusik.

joel grolimund
Sven Germann

Michel, wie leben Sie gerade – vergeben, suchend oder bewusst alleine?

Michel Birri: Ja, es gibt jemanden in meinem Leben. Aber ich behalte das lieber für mich, weil es guttut, nicht alles öffentlich auszubreiten. Wie sagt man in unserem Business so schön: Sinds a de Hochzyt debi, chömmeds au zur Scheidig.

Fühlt sich das Jahresende eher nach Abschied oder Anfang an?

Jennifer Bosshard: Definitiv wie ein Neuanfang. Nach vielen harten Momenten spriessen jetzt die ersten Resultate der Veränderungen. Der Blick in die Zukunft ist vielversprechend.
Joel Grolimund: Ich bin hin- und hergerissen. Es war ein intensives Jahr, das noch nachhallt, weshalb es mir schwerfällt, es Revue passieren lassen.
Tanya König: Mit etwas Abstand zum Geschehenen wirkt vieles kleiner und anderes klarer. Ich blicke deshalb positiv nach vorne und sehe es als Anfang.
Michel Birri: Der Abschied ist noch nicht ganz überstanden, weshalb ich es auch eher als Neuanfang sehe – kann ja nur besser werden (lacht).
Nun stehen aber erst noch die Festtage an. Wie verbringen Sie diese?
Michel Birri: Wie gewohnt mit meiner Familie. Wir sind an Heiligabend stets im Grand Casino Baden. Letztes Jahr war ich knapp dran, weshalb ich jetzt bereits im Februar reserviert habe.
Jennifer Bosshard: Es sind die ersten Weihnachten mit unserer Ruby. Ich freue mich wahnsinnig auf diesen magischen Moment mit der Familie, Fondue chinoise und Weihnachtszauber. An Silvester gehts dann mit Freunden in die französischen Alpen.
Tanya König: Wir verreisen auch zu dritt nach Lissabon zu unserer Familie und lassen es uns gut gehen.
Joel Grolimund: Weil sowohl Claudia als auch ich eine riesengrosse Familie haben, feiern wir seit je getrennt, jeder bei seinen Liebsten. Gemeinsam gehts dann über Silvester nach Amsterdam, um aufs neue Jahr anzustossen.

Toni Rajic
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Von Toni Rajic am 29. Dezember 2025 - 09:00 Uhr