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Lara Gut-Behrami schimpft über mangelnden Respekt

«Ich sei unprofessionell? Das geht zu weit!»

Dafür, dass sie kein Blatt vor den Mund nimmt, ist Lara Gut-Behrami schon lange bekannt. Im aktuellsten Interview macht die Skirennfahrerin ihrem Ruf mal wieder alle Ehre - und wettert über Ignoranz, mangelnden Respekt und redet über ihre Liebe zu Valon Behrami.

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Kurz vor den Rennen in Garmisch-Partenkirchen, DE, spricht Lara Gut-Behrami über schwierige Zeiten. (Archivbild).

Keystone

Lange war es still um Lara Gut-Behrami, 28. Nun ist die Skirennfahrerin zurück und holt vor den Rennen dieses Wochenende in Garmisch-Partenkirchen, im Interview mit dem «Tagesanzeiger» zum grossen Rundumschlag aus.

Auf die Frage, wie sie mit Kritik umgeht, hat Gut-Behrami eine klare Antwort: «Es gehört zum Sport: Egal, was einer gewonnen hat, was er geleistet hat, wenn es heute nicht passt, meint jeder, er könne kritisieren. Für diese Leute sieht es aus, als wäre alles ganz leicht.»

Ein Umstand, für den die Tessinerin wenig Verständnis hat. «Klar: Es war leicht, den Gesamtweltcup zu gewinnen, es war einfach, praktisch an jedem Grossevent eine Medaille zu holen, 24-mal im Weltcup zu siegen. Ich habe hart dafür gearbeitet, dass ich zehn Jahre lang vorne mitmischen konnte. Und dann verläuft eine Saison dermassen katastrophal, dass ich nur noch fünfzehntbeste Skifahrerin der Welt bin – und sollte aufhören? Ich war unprofessionell? Das geht zu weit! 

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«Ich lasse die Leute reden»

Natürlich nehme sie Kritik ernst, betont die Sportlerin. «Ich war noch in jeder Disziplin, die ich fuhr, in den Top 30. Die Leute waren sich anderes gewohnt von mir, stimmt. Aber zu sagen, ich nehme den Beruf nicht mehr ernst, ist daneben.»

Komme sie mit einer Sekunde Rückstand ins Ziel, sei die die Erste, die überlegt, was sie hätte besser machen können, betont Gut-Behrami. Bloss: «Es bringt nichts, mit jedem zu streiten, der sich herausnimmt, mir zu sagen, was nicht gepasst hat. Das weiss ich schon selber. Ich lasse die Leute reden. Manche reden eben, andere tun etwas. Ich gehöre zu Letzteren.

Was simpel und logisch klingt, war aber auch für eine Lara Gut-Behrami nicht nur einfach. Kurzfristig erlosch die Liebe zum Skirennfahren sogar. Jetzt aber ist das Feuer der Leidenschaft für den Sport zurück: «Mir ist nun klar, dass ich auf Sachen verzichten muss in meinem Leben. Mit 18 war mir das egal. Jetzt bin ich bewusster weg von zu Hause, weil ich es liebe, Ski zu fahren.»

 

«Was bringt es, darüber nachzudenken, was ich die letzten fünf Jahre hätte tun können?»

Ist Lara ausser Haus, fehlt ihr aber vor allem der Fussballer Valon Behrami, 34, dem Lara am 11. Juli 2018 im Tessin das Jawort gab. «Valon und ich wären auch lieber drei Tage zusammen, als nur einen Tag. Doch wir wissen, dass diese Zeit nicht mehr ewig dauert. Wir wollen noch das Beste herausholen aus dem, was wir über 25 und 20 Jahre aufgebaut haben. Es geht einzig darum, das Gleichgewicht zu finden.»

Vor der Beziehung mit Valon habe Lara etwas gesucht und nicht gefunden, was sie jetzt dank ihm habe. Mit Valon kann sich Lara sogar vorstellen, eine Familie zu gründen. Aus seiner ersten Ehe mit Elena Bonzann hat Behrami bereits die Töchter Sofia, 11, und Isabel, 4.

Nicht nur wegen Valon kann es Lara endlich voll geniessen, wenn sie daheim  ist. «Dann gehe ich mit Energie in den Kraftraum, hinterher liege ich drei Stunden auf dem Sofa und sehe fern. Das ist ein Leben, wie ich es vorher nicht kannte.»

Zuvor habe sich oft quasi 24 Stunden am Tag alles nur ums Skifahren gedreht. Sie sei ständig auf der Suche nach dem Schlüssel gewesen, der sie auf der Piste noch schneller macht. «Es hat nie aufgehört, ich war nie erholt. Gehe ich heute nach einem schlechten Wochenende in Genua, wo Valon spielt, am Strand spazieren, geht es mir gleich viel besser.»

Lebte Gut-Behrami ein Leben im Hamsterrad? «Nein. Und wenn ich immer nur zurückschaue, geniesse ich gar nicht, was ich habe. Was bringt es, darüber nachzudenken, was ich die letzten fünf Jahre hätte tun können? Das stürzt mich nur in die Depression. Ich habe nicht geweint die letzten fünf Jahre, ich hatte Erfolg, erlebte Unglaubliches.»

«Bei Männern käme es nicht gut an, wenn man sie Buben nennen würde»

Zu ihrem Erfolg hat auch Pauli Gut, Laras Papa, massgebend beigetragen. «Kommt mein Vater zu mir und sagt: ‹Wir müssen reden.› Dann weiss ich, dass etwas nicht stimmt. Käme er aber jeden Tag: Das, das, das musst du anders machen – bald hätte ich keinen Plan mehr.»

Guts Vater war es, der Lara dazu erzog, stets klar ihre Meinung zu sagen. Ein Privileg, das nicht alle Athletinnen geniessen. Gerade als Frau im Sport sei es schwierig, sich ständig rechtfertigen zu müssen: «Alle Trainer sind Männer. Als Frau zu sagen: So ist es! Das war nicht leicht. Und ich muss noch eines sagen: Wir sind Frauen! Wird über uns geredet, heisst es: Ja, ja, die Mädchen. Ich glaube, bei den Männern käme es nicht gut an, würde sie jemand Buben nennen.»

Viele Sportlerinnen müssen immer genau beweisen können, dass sie recht hat, ärgert sich Gut-Behrami. «Ich glaube, wenn jeder verstehen würde, dass wir alle hier sind, um das Beste zu geben in diesem Sport, dann wäre das schon ein wichtiger Schritt. Wenn ich mit etwas nicht zufrieden bin und darüber rede, heisst das nicht, dass ich herummotze. Sondern ich sage: Hier müssen wir ansetzen, ich habe einen Vorschlag. Wenn aber alle denken: Das ist doch nur ein Mädchen, zickig, es hat seine Tage – darauf kann man doch nicht aufbauen.»

Von Maja Zivadinovic am 08.02.2020
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