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Er soll 22 Parallel-Beziehungen geführt haben

Comic-Autor löst weibliche Solidaritätswelle aus

Comic-Autor Warren Ellis soll zu Spitzenzeiten mit 22 Frauen gleichzeitig in einer Beziehung gestanden sein. Dass er seine Partnerinnen nicht über die Parallel-Liebschaften informierte, wird dem Autor nun zum Verhängnis: Seine Ex-Freundinnen und Ex-Affären prangern ihn nun im Internet an.

SAN DIEGO - JULY 22:  Writer Warren Ellis attends the "Red" press line during Comic-Con 2010 held at the San Diego Convention Center on July 22, 2010 in San Diego, California.  (Photo by Michael Buckner/Getty Images)

Warren Ellis wird im Internet als Liebesschuft geoutet.

Getty Images

Wenns hart auf hart kommt, stehen Frauen zusammen. Das zeigt das aktuelle Beispiel um Warren Ellis, 52. Der britische Comic-Zeichner sieht sich derzeit mit unschönen Schlagzeilen konfrontiert. Der Grund: Über die vergangenen Jahre unterhielt der weltbekannte Comic-Autor Parallel-Beziehungen im grossen Stil – auf dem Höhepunkt sollen es bis zu 22 Beziehungen gleichzeitig gewesen sein. Das kommt jetzt ans Licht. 

Betroffene Frauen haben eine Website ins Leben gerufen

Laut einem Bericht von «The Guardian» werfen ihm über 90 Frauen vor, sie betrogen zu haben. Ellis soll sie allesamt unter falschen Vorwänden in eine Beziehung gedrängt haben. Dass sie alle Opfer eines Liebesschwindels wurden, hat die Frauen zusammengeschweisst. Mit vereinten Kräften gehen sie nun gegen Ellis vor. 60 stehen auf der Website «somanyofus.com» hin und erklären, dass sie vom Comic-Autor manipuliert wurden.

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«Wir glaubten, wir hätten einen Freund, einen Mentor, einen Partner in diesem Mann»

Im Einleitungstext der Website schreiben die Frauen: «Wir sind ein Kollektiv von Menschen, die von Warren Ellis, Autor, angegriffen und manipuliert wurden.» Demnach erhoffen sie sich durch die Aktion, den Liebesschuft zu stoppen, sein System zu durchbrechen und so andere davor zu bewahren, dass ihnen das Gleiche widerfährt. «Mit diesem Ziel teilen wir unsere Geschichten über einen Mann, der seine Macht missbraucht hat», schreiben die Frauen und erläutern, wie der Comic-Autor sie allesamt getäuscht hat: «Wir waren alle unter einer ausgefeilten Illusion und glaubten, wir hätten einen Freund, einen Mentor, einen Partner in diesem Mann.»

Im Kern haben sie das Gleiche erlebt – das Ausmass des Macht-Missbrauchs war aber unterschiedlich: Bei einigen von ihnen soll Ellis nur über eine kurze Zeit private Nachrichten ausgetauscht haben, mit anderen pflegte er eine langjährige Beziehung, «die mehrere Episoden intimen körperlichen Kontakts beinhaltete», berichten die Frauen. In diesem Zusammenhang soll Warren Ellis seine Berühmtheit und seine Plattform dazu benutzt haben, um die Frauen unter falschen Vorwänden dazu zu bringen, ihm Nacktbilder zu schicken oder mit ihm zu schlafen, heisst es.

NEW YORK, NEW YORK - OCTOBER 05: Warren Ellis enters the stage during Frederator Studios Castlevania Spotlight Panel at New York Comic Con 2019 Day 3 at Jacob K. Javits Convention Center on October 05, 2019 in New York City. (Photo by Craig Barritt/Getty Images for ReedPOP )

«Ich habe viele Menschen verletzt, die ich nie verletzen wollte», sagt Warren Ellis.

Getty Images for ReedPOP

«Unser Ziel ist es nicht, Warren Ellis bestraft zu sehen»

Auf den nachfolgenden Seiten erzählen die Opfer (als Testimonials aufgeführt) ihre persönlichen Geschichten. Sie tun dies nicht mit der Absicht, dass Warren Ellis zur Rechenschaft gezogen wird, betonen sie: «Um klar zu sein, unser Ziel ist es nicht, Warren Ellis bestraft zu sehen, wir sind hier, um nach vorne zu schauen.» Vielmehr wollen sie in der Gesellschaft das Bewusstsein für ein solches Muster stärken. «Emotionaler Missbrauch sollte, obwohl er vielerorts nicht kriminalisiert wird, als echte und dauerhafte Verletzung anerkannt werden», statuieren sie.

Um zu untermalen, dass es sich bei der Vereinigung um tatsächliche Personen handelt, ist jede Unterzeichnerin auf der Website aufgeführt. Manche stehen mit Name hin, andere verschleiern ihre Identität und tragen eine symbolische Bezeichnung wie «Anonymous 1999–2000». Das Kollektiv der 62 Frauen steht weiteren Betroffenen offen. Auf der Website besteht die Möglichkeit, sich via Kontaktformular zu melden.

Warren Ellis weist Manipulations-Vorwürfe zurück

Warren Ellis Parallel-Beziehungen waren Anfang Juni erstmals öffentlich geworden, als einzelne Frauen auf Twitter über ihre Beziehung zum Comic-Autor schrieben. Immer mehr Ex-Freundinnen und Ex-Affären von Ellis meldeten sich daraufhin im Netz zu Wort. In welchem Ausmass und über wie viele Jahre Ellis diese Masche anwendete, zeigte sich erst, nachdem Fotografin Jhayne Holmes ein Forum zu diesem Thema ins Leben rief.

Der Comic-Autor meldete sich nach Bekanntwerden der ersten Machtmissbrauchs-Vorwürfe via Twitter mit einem Statement. Darin schrieb Ellis: «Ich habe nie jemanden gezwungen, manipuliert oder missbraucht.» Rückblickend sieht er ein, dass er hätte transparenter sein sollen in diesen Beziehungsbelangen. «Dafür übernehme ich 100 Prozent Verantwortung.» Er zeigt sich reuig: «Ich habe viele Menschen verletzt, die ich nie verletzen wollte. Das tut mir leid.

Vielmehr sei es sein Bestreben gewesen, Frauen in ihrem Leben und ihrer Karriere zu unterstützen, als sie zu verletzen. «Ich werde in Zukunft besser zuhören und lernen, ein besserer Mensch zu werden», versprach Ellis in dem Statement weiter.

Im besagten Bericht von «The Guardian» kommt Ellis ebenfalls zu Wort. Der Comic-Autor besteht demnach darauf, dass es Beziehungsprobleme waren und «kein räuberisches Verhalten». Ergänzend sagt er: «Es gab hier unterschiedliche Wahrnehmungen.» Auf Anraten von Freunden will Ellis nun eine Therapie machen.

Von SH am 16.07.2020
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