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Bei Auszeit im Schweigekloster

Michael Kelly: «Ich lernte, die Stille zu lieben»

Als Teenager wurde er in den 1990ern zum Pop-Idol. Dann zog er ins Kloster. Jetzt hat Michael Patrick Kelly sein wahres Ich gefunden. Als Solokünstler. Am 16. Oktober zeigt er es an der Baloise Session.

Michael Patrick Kelly

Songpoet mit Magie: Michael Patrick Kelly hat nicht verlernt, Songs zu schreiben, die aus dem Herzen kommen und die Seele berühren.

Andreas Nowak

Michael Kelly, Ihr aktuelles Album heisst «iD». Wer sind Sie?
In erster Linie bin ich Mensch – und nicht ein «Star». Gewisse Aspekte in meinem Beruf als Musiker haben zwar mit «Star sein» zu tun, aber ich kann mich damit nicht ganz identifizieren. Seit 15 Jahren verteile ich zum Beispiel keine Autogramme mehr, weil mich das von anderen irgendwie abhebt, als wäre ich etwas Besseres.

Sie haben eine bewegte Karriere. Wann war die Zeit, in der Sie bisher am glücklichsten waren?
Eindeutig heute, sowohl beruflich als auch privat. Vor zwanzig Jahren war Musikmachen stressiger, weil ich der musikalische Leiter und Produzent der Family-Band war. Heute geniesse ich grosse künstlerische Freiheit und habe mich auch bewusst gegen eine Wiedervereinigung mit meinen Geschwistern entschieden, um mich als Solokünstler weiterzuentwickeln. Neue Musik zu schaffen, ist für mich eine innere Notwendigkeit.

Wann schreiben Sie bessere Lieder: wenn Sie glücklich oder wenn Sie unglücklich sind?
Schwer zu sagen. Ob als aktiver Songwriter oder passiver Zuhörer: Musik ist ein tolles Ventil, um jede Gefühlslage auszudrücken. Friedrich Nietzsche soll mal gesagt haben: «Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.» Ich finde, da ist was dran.

«Ich war in einem französischen Schweigekloster»

Sie wurden in eine Musiker-Familie hineingeboren. Was wäre aus Ihnen geworden, wenn Sie sich nicht für die Musik entschieden hätten?
Hypothetische Fragen kann ich schwer beantworten, aber ich male und zeichne auch sehr gerne, und das ist in letzter Zeit zu kurz gekommen. Musik ist aber viel kommunikativer als malen. Ich liebe es, Konzerte zu geben, meine Songs direkt mit den Menschen im Publikum zu feiern.

Sie haben sich sechs Jahre von allem zurückgezogen. Welche Musik haben Sie in dieser Zeit gehört?
Ich war in einem französischen Schweigekloster. Da war hauptsächlich Stille. Anfangs war es sehr schwer für mich als Musiker, der dauernd von Inspirationen beherrscht wurde, auch nur fünf Minuten still zu sein. Aber mit der Zeit lernte ich, die Stille zu lieben. Der Tag begann um sechs Uhr morgens mit 45 Minuten stilles Gebet. Man entdeckt dadurch den inneren Menschen in sich und kommt aus dem ganzen Lärm der Welt in eine Art mystisches, verinnertes Leben im Glauben. Das war für mich als extrovertierter Künstler eine sehr wertvolle Schule. In der Stille des Klosters habe ich unter anderem auch die Lust zum Musik machen wiedergefunden. An manchen Tagen hagelte es Inspirationen für Songs.

Was war der Grund dafür, wieder ins Showbiz zurückzukehren?
Die älteren Mönche waren nicht davon überzeugt, dass es meine Berufung sei, Mönch zu bleiben. Sie haben mir irgendwann gesagt: «Mach wieder Musik, such dir eine schöne Frau, und geh mit Gott!» Das habe ich getan und bin dankbar für deren Einsicht.

«Die Zeit im Kloster war eine Art ‹Reset› für mich»

Hatten Sie Angst vor dem Neubeginn?
Jeder Anfang ist nicht einfach. Aber die Zeit im Kloster war eine Art «Reset» für mich. Ich konnte mich neu ordnen, und ich gehe auch die Arbeit in der Öffentlichkeit und als Musiker heute anders an als zuvor. Den Medienzirkus mache ich nur bedingt mit.

Könnten Sie sich ein Leben ohne Einkünfte aus der Musik leisten?
Ja, könnte ich. Der schönste Teil an meiner Arbeit als Musiker ist aber, Songs zu schreiben und live mit dem Publikum zu teilen. Wenn die Leute erzählen, dass sie sich zu deiner Musik getraut haben oder dass sie ihre Mutter zu diesem Song beerdigt haben und das Lied durch eine schwere Zeit half – das sind viel schönere Feedbacks als quantitativer Erfolg.

Michael Patrick Kelly

Michael Patrick Kelly hat am 16. Oktober einen Auftritt an der Baloise Session.

Getty Images

«Ich glaube, dass Musik Menschen positiv beeinflussen kann und somit auch die Welt zum Besseren verändert»

Sie bauen bei Ihren Konzerten eine Schweigeminute ein. Warum?
Rock ’n’ Roll heisst Regeln brechen. Es tut einfach gut, mitten in einem Konzert auch mal innezuhalten. Die einen denken dann vielleicht an Menschen in Kriegsgebieten, die anderen haben womöglich ein Kriegsgebiet in sich.

Glauben Sie, dass Musik die Welt verändern kann?
Ich glaube, dass Musik Menschen positiv beeinflussen kann und somit auch die Welt zum Besseren verändert.

Was würden Sie verändern?
Dazu zitiere ich die Klima-Aktivistin Greta Thunberg: «If everyone does something, then we can accomplish anything.»

Was wissen Sie von Basel und der Baloise Session?
In Basel haben wir letztes Jahr mit der iD Tour gespielt, und es war ein wirklich tolles Publikum. Nun komme ich mit meiner Band zu diesem besonderen Auftritt zur Baloise Session. Ich freue mich schon sehr auf den intimen Rahmen.

Wincent Weiss spielt am gleichen Abend. Was verbindet Sie mit ihm?
Wincent schreibt Songs aus seinem eigenen Leben. Mit seinem Lied über das nicht existente Verhältnis zu seinem Vater hat er mich tief beeindruckt.

Baloise Session

Baloise Session 2018 Festival mit NICOLE BERNEGGER am Sonntag, 21. Oktober 2018 in BASEL . © Photo Dominik Plüss
Dominik Plüss

Superstars im intimen Klubtisch-Ambiente bei Kerzenlicht. Die Baloise Session hat viele Highlights zu bieten: Am 29.10. treten unter dem Motto «Golden Voices» der britische R&B-Star Michael Kiwanuka und die «Stimme der Alabama Shakes» Brittany Howard auf. Am 31. 10. lassens die Schweizer Hardrock-Legenden von Krokus mit Norwegens Star-Rocker Madrugada krachen. Programm und weitere Infos unter: www.baloisesession.ch

Von Zeno van Essel am 8. September 2019