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#allesdichtmachen

Schauspieler treten Corona-Debatte los und ernten Kritik

Mit ironischen Videoclips machen rund 50 Schauspielerinnen und Schauspieler ihrem Ärger über die Corona-Politik der deutschen Regierung Luft. Nun ernten sie Kritik aus den eigenen Reihen. Stars wie Nora Tschirner und Christian Ulmen schämen sich für ihre Kollegen. Nun krebsen die ersten zurück.

Jan Josef Liefers

Jan Josef Liefers hat sich genauso wie rund 50 weitere Schauspiel-Kollegen an der Aktion #allesdichtmachen beteiligt.

Getty Images

Die Aktion #allesdichtmachen, an der sich rund 50 Schauspieler beteiligt haben, schlägt hohe Wellen. Offensichtlich zu hohe. Denn nun rudern erste Aushängeschilder des Projektes, das die deutsche Corona-Politik hinterfragen soll, zurück.

Gestern Donnerstag veröffentlichten Stars wie Jan Josef Liefers, 56, Heike Makatsch, 49, und Ulrike Folkerts, 59, auf Social Media satirische Videobeiträge, in denen sie die Massnahmen zu Bekämpfung der Corona-Pandemie verhöhnen. Dabei tun sie so, als würden sie diese komplett befürworten und fordern etwa lächerliche härtere Regeln. Einer schlägt etwa vor, auch die Lebensmittelläden zu schliessen, eine andere meint, man solle auch dem Pizzaboten die Türe nicht mehr öffnen. Dazu posteten die Schauspielerinnen und Schauspieler die Hashtags #allesdichtmachen, #niewiederaufmachen und #lockdownfürimmer. 

Auf den ersten Blick scheint es, als habe sich die gesamte deutsche Schauspiel-Szene für das Projekt zusammengetan. Doch der Eindruck täuscht. Nun melden sich nämlich immer mehr Stars zu Wort, welche die Aktion scharf kritisieren.

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Nora Tschirner, 39, etwa ist fassungslos. Sie schreibt unter einen Post: «Echt ja Leude? Was' los da?» Dazu meint sie zynisch: Könne man ja machen, könne halt einfach sein, dass man sich in ein paar Jahren für die Aktion schämt. Ihr Fazit: «Unfuckingfassbar».

Zuspruch bekommt Tschirner von ihrem ehemaligen Tatort-Kollegen Christian Ulmen, 45. Dieser meint: «Heute bisschen für Kollegen schämen. #allesschlichtmachen»

«Mit Zynismus ist keinem geholfen»

Elyas M'Barek, 38, kommentiert einen Clip von seinem Schauspiel-Kollegen Volker Bruch, 41, und wählt dabei deutliche Worte: «Come on, das ist doch Blödsinn. Was unterstellst du denn da unserer Regierung», schreibt er und ergänzt: «Mit Zynismus ist keinem geholfen.»

Auch Moderator Tobias Schlegl, der mittlerweile als Notfallsanitäter arbeitet, stösst die Aktion sauer auf. Er schreibt auf Twitter: «Die Schauspieler*innen von #allesdichtmachen können sich ihre Ironie gerne mal tief ins Beatmungsgerät schieben.»

Lob von der rechten Ecke

Mittlerweile haben erste Promis ihre Videos gelöscht. Grund dafür ist, dass das Projekt vor allem aus dem rechten Lager gelobt wurde. Heike Makatsch hat deshalb auf Instagram eine Stellungnahme veröffentlicht, in der sie sich klar von rechtem Gedankengut und rechten Ideologien distanziert. Zudem bittet sie um Verzeihung, falls sie mit ihrem Clip Opfer der Corona-Pandemie und deren Angehörige verletzt haben sollte.

 

Jan Josef Liefers distanziert sich zwar nicht direkt von seinem Beitrag, aber von denen, die ihn feiern. So zeigte sich etwa ein AfD-Politikerin begeistert von seinem Video und fand: «Das ist intelligenter Protest.» Darauf reagiert Liefers mit einem Tweet, in dem er schreibt: «Es gibt im aktuellen Spektrum des Bundestages keine Partei, der ich ferner stehe, als der AfD. Weil wir gerade dabei sind, das gilt auch für Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker, Corona-Ignoranten und Aluhüte. Punkt.»

Von Fabienne Eichelberger am 23.04.2021
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