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  4. Die Rückkehr der Schahs? Die Familiengeschichte und Reza Pahlavis Rolle im Iran-Konflikt
Krieg im Iran

Wiederholt sich die Geschichte?

Immer wieder greifen Grossmächte in die Geschicke des Irans ein. Nun bietet sich Reza Pahlavi, Sohn des ehemaligen Schahs von Persien, als Gewährsperson für einen Übergang zur Demokratie an.

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<p>Mit einer eigens hergestellten Krone liess sich der Schah 1967 zum Kaiser krönen. Farah Diba wurde zur Kaiserin, Reza, damals siebenjährig, wurde zum Kronprinzen ernannt.</p>

Mit einer eigens hergestellten Krone liess sich der Schah 1967 zum Kaiser krönen. Farah Diba wurde zur Kaiserin, Reza, damals siebenjährig, wurde zum Kronprinzen ernannt.

Getty Images

«Das iranische Volk wird noch einmal die Ketten sprengen. Ich weiss, dass morgen das Licht über die Dunkelheit siegen und der Iran aus der Asche wiederauferstehen wird.» Das sind die letzten Zeilen im Buch «Mémoires» von Farah Pahlavi, der Witwe des letzten iranischen Schahs. Sie hat sie 2003 geschrieben, als sie sich erstmals über ihre Zeit als Kaiserin, die Flucht und Vertreibung sowie das Exil geäussert hat.

Die 87-Jährige lebt heute in Paris und in den USA, wo ihre Kinder zu Hause sind. Nun, 46 Jahre nach ihrer Flucht aus Teheran, positioniert sich ihr ältester Sohn, Reza Pahlavi (65) als Vermittler des Übergangs zu einem Staat, in dem endlich das Volk das Sagen haben soll. «Ich will nicht Präsident werden, ich will nicht Kaiser werden – ich will, dass die Menschen selber über ihre Zukunft entscheiden können», beteuert er.

<p>Im Palastgarten in Teheran 1972: Schah Mohammad Reza Pahlavi spielt mit Sohn Ali Reza, Kaiserin Farah Diba mit Kronprinz Reza und Prinzessin Leila und Farahnaz mit Familienhund.</p>

Im Palastgarten in Teheran 1972: Schah Mohammad Reza Pahlavi spielt mit Sohn Ali Reza, Kaiserin Farah Diba mit Kronprinz Reza und Prinzessin Leila und Farahnaz mit Familienhund.

Keystone

Seit Beginn der Bombardements der USA und Israels befindet er sich auf Medientour, gibt überall Interviews und spricht via Social Media zur Bevölkerung im Iran. Experten bezeichnen seine Chancen als klein, in die Politik seiner Heimat eingreifen zu können. Zu klein sei seine Basis, zu wenig wisse er über die wahren Zustände. Denn seit er als 18-Jähriger zur Ausbildung in die USA geschickt wurde – zuerst als Kampfjetpilot, dann zum Studium der Politikwissenschaften, hat er keinen Fuss mehr ins Land gesetzt. Doch mit seinem Namen und seinem Stammbaum schlägt er den Bogen vom feudalistischen System der Kaiserdynastie zum Regime der Mullahs und zu den Grossmächten, die immer wieder in die Geschicke des Landes eingegriffen haben.

Aufstieg und Fall

Seine Eltern, Schah Mohammad Reza Pahlavi (1919–1980) und Farah Diba, wurden im Januar 1979 regelrecht aus dem Land gejagt. Der unermessliche und zur Schau gestellte Reichtum des Palastes, die Unterdrückung von Oppositionellen, die Menschenrechtsverletzungen, die wirtschaftliche Not und schliesslich der Streik der Basarhändler hatten zum Sturz des Kaisers auf dem Pfauenthron geführt. Iranerinnen und Iraner hofften schon damals auf «das Licht, das die Dunkelheit besiegt» – doch es sollte ein Rückschritt in mittelalterliche Zustände folgen.

Die damalige Sowjetunion, die USA, Grossbritannien und Frankreich hatten seit je ihre Hand nach dem Reich zwischen Kaspischem Meer und Persischem Golf ausgestreckt. Grund: die riesigen Erdölvorkommen. Laut Opec (Organisation erdölexportierender Länder) lagern die drittgrössten Erdöl- und die zweitgrössten Erdgasvorkommen im Iran.

Schah Mohammad Reza Pahlavi wurde 1941 von ihnen eingesetzt, nachdem sein Vater während des Zweiten Weltkriegs von britischen und sowjetischen Truppen zur Abdankung gezwungen worden war. Der Schah und sein Premierminister verstaatlichten die Ölförderung, was dem Land reiche Einkünfte verschaffte. Mit einem westlich geprägten Schulsystem wurde die Bildung bis in die hintersten Landstriche gebracht. Die Frauen erhielten das Stimm- und Wahlrecht, und der Schah zwang sogar seine Mutter, ohne Kopftuch aufzutreten, um so das Schleierverbot populär zu machen. Eine Landreform, die vor allem Kleinbauern zugutekommen sollte, wurde eingeleitet.

<p>In der Heimat hinter Mauern verbarrikadiert, in St. Moritz eine fast normale Familie: Die Eltern posieren mit Farahnaz, Ali Reza, Leila und Reza für die Fotografen.</p>

In der Heimat hinter Mauern verbarrikadiert, in St. Moritz eine fast normale Familie: Die Eltern posieren mit Farahnaz, Ali Reza, Leila und Reza für die Fotografen.

James Andanson

Immer an seiner Seite seine dritte Frau Farah Diba, eine Iranerin, die in Paris Architektur studiert hatte. Die beiden lebten nach westlichen Standards, gehörten dem internationalen Jetset an. «Ich sah mich als Soldatin der Revolution», schrieb sie in Anlehnung an den Begriff «weisse Revolution», mit der das Land in die Modernität geführt werden sollte. Die vier Kinder des Paares – Reza, Farahnaz (63, lebt in New York), Ali Reza (nahm sich 2011 mit 44 Jahren das Leben) und Leila (starb 2001 mit 31 Jahren an einer Überdosis Drogen) – wurden westlich erzogen und hatten eine Französin als Gouvernante.

Zur Schweiz gab es enge Beziehungen: Der Schah hat einige Jahre seiner Schulzeit im welschen Nobelinternat Le Rosey verbracht, sich später in St. Moritz die Villa Suvretta gekauft. Für Ferien kam die Familie regelmässig ins Engadin, der Schah nutzte die Schweiz auch für Deals, diplomatische Treffen – und den Zahnarzt am Paradeplatz. Die Familie war beliebt bei Königshäusern, Stars und internationalem Establishment – sie versprach Glamour, und im Iran gab es dank einer offenen Wirtschaftspolitik Geld zu verdienen.

<p>St. Moritz als zweites Zuhause: Die Familie des Schahs besass die Villa Suvretta. Reza, sein Vater, der Schah, Farah Diba mit Leila, Farahnaz und Ali Reza (v. l.).</p>

St. Moritz als zweites Zuhause: Die Familie des Schahs besass die Villa Suvretta. Reza, sein Vater, der Schah, Farah Diba mit Leila, Farahnaz und Ali Reza (v. l.).

Sygma via Getty Images

Exzesse des Reichtums

Zu Hause wurde der Schah nach einem Umsturzversuch autoritärer und despotischer. 1971 wollte er sich und den «neuen» Iran feiern, überzeugt davon, dass die Erinnerung an das ehemals grosse Persien und seine Dynastie den Zusammenhalt stärken würden.

In Persepolis organisierte er die Feier zum 2500-jährigen Bestehen des persischen Kaiserreichs. «Das Fest der Feste» stand dazu auf dem Cover der Schweizer Illustrierten, die Reportage wurde mit «Das Milliarden-Camping» betitelt. «Das Fest des Jahrhunderts» schrieb die amerikanische Zeitschrift «Life» und «Die Mutter aller Partys», der «Stern». 18 Tonnen Lebensmittel wurden in die Ruinenstadt gekarrt, reich verzierte Zelte aufgestellt, feinste Teppiche auf den Sand gelegt. Alle kamen, die gekrönten Häupter, die Millionäre, die Staatschefs, alles, was Rang und Namen hatte. Die Schweiz wollte ihn nicht beleidigen, aber auch nicht zu ihm stehen und schickte einen alt Bundesrat.

Das überdimensionierte und überteuerte Fest entzweite den Schah und das Volk endgültig. Die Proteste und Revolten nahmen zu, er griff zu Repression, liess Landsleute einsperren, töten und seine Geheimpolizei wüten. Aus dem Exil brachte sich der spätere Ayatollah Khomeini ins Spiel. Der streng religiöse und fanatische Geistliche war Jahre zuvor vor dem Schah nach Frankreich geflüchtet und versprach seinen Landsleuten Sitten, Moral und Gerechtigkeit im Gegensatz zur Verschwendungssucht des Palastes. Der Westen liess den Schah fallen, Paris, Washington und London unterstützten nun Khomeini. Der Schah und seine Familie flohen nach Ägypten, das einzige Land, das Asyl gewährte, alle anderen «befreundeten» Nationen verweigerten ihm die Einreise, auch die Schweiz. «Mein Mann steuerte das Flugzeug selber. Es war, als wüsste er, dass er nie mehr zurückkommen wird, so wollte er wenigstens mit eigener Hand sein Land verlassen», schrieb Farah Diba. Der Schah starb im Jahr darauf in Ägypten.

<p>Liebten das Skifahren. Farah Diba und der Schah auf einem Schlepplift 1975.</p>

Liebten das Skifahren. Farah Diba und der Schah auf einem Schlepplift 1975.

Keystone

Vermeintlicher Heilsbringer

Die Situation im Iran beruhigte sich aber nicht: Khomenei war kein Retter, sondern ein Unterdrücker, das Volk wurde geknechtet, die Frauen verloren ihre Rechte, mit dem Wächterrat und der Revolutionsgarde baute der Ayatollah ein System auf, dass bis heute die Macht im Staat hat – auch wenn sein Nachfolger Chamenei nun getötet wurde. Zum Bruch mit den USA kam es bereits 1979, als iranische Studenten 52 Mitarbeiter der US-Botschaft für 444 Tage als Geiseln nahmen. Seitdem verkehren die beiden Nationen diplomatisch über das Schutzmachtmandat der Schweiz.

Das Geiseldrama war eine schwere Demütigung der Weltmacht. Der damalige Immobilienhändler Donald Trump verriet einer Klatschkolumnistin damals, wie verstört er über diese Blamage sei. Jahrzehnte später greift er nun selber in die Geschicke Irans ein. Und verschiedene Zeitungen fragen bereits: «Ist Reza Pahlavi eine Marionette der USA?»

MR
Monique RyserMehr erfahren
Von Monique Ryser am 7. März 2026 - 06:00 Uhr