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  3. SRF-Serie «Wilder» mit Sarah Spale geht in die zweite Runde

TV-Kritik zur ersten Folge der zweiten Staffel

Krasser. Besser. «Wilder».

Drei Tote, Chaos im Drogenmilieu und eine tragische Familiengeschichte: Schon in der ersten Folge der zweiten Staffel «Wilder» geht es rasant zur Sache. Lest hier die TV-Kritik unserer sehr begeisterten Redaktorin.

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Marcus Signer und Sarah Spale ermitteln als Manfred Kägi und Rosa Wilder in einem neuen Mordfall.

SRF/Pascal Mora

Drei Schüsse, drei Leichen. Die erste Folge der zweiten Staffel «Wilder» läuft gerade mal eine Minute. Ort des Geschehen: Irgendwo im Jura. Auf einer abgelegenen Strasse im Wald bei Thallingen liegen im Morgengrauen drei Tote neben einem Auto mit offenem Kofferraum. Bei den Opfern handelt es sich um den kosovarischen Secondo Artan Kabashi, den Kleindealer Faton Berisha und Corinne Steiger, die Tochter des jähzornigen Dorfwirts. 

 

Macht es sich das SRF etwas gar einfach mit Albanern und Drogen?

Die Drei waren am Abend zuvor auf der Feier der Familie Mulliger. Ihnen gehört das Sägewerk im Dorf – seit Generationen.

Ich will mich schon darüber beklagen, dass sich das SRF hier an etwas billigen Klischees bedient und mir jetzt hier eine Abrechnung im albanischen Drogenmilieu um die Ohren hauen will.

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Rosa Wilder (ganz links) am Tatort mit einem Mitglied der Spurensicherung und der Polizistin Susanne Walter.

SRF/Pascal Mora

Wie sehr ich mich irre und wie viel komplexer alles ist, merke ich schnell: Da ist nämlich noch der Teenager Simon integriert. Der wurde kurz vor dem Mord von den Albanern in den Kofferraum verfrachtet. Das, nachdem er beim Knutschen mit Adelina Kabashi, der Schwester des einen Albaners, gesehen wurde.

Dann endlich treten meine Lieblingsfiguren in Erscheinung: Rosa Wilder, gespielt von Sarah Spale, 39, und Marcus Signer, 56, alias Manfred Kägi, das Ermittler-Dreamteam aus Staffel 1. Rosa hat derweil einen Sohn. Und sie ist zurück aus den Staaten, wo sie sich zur Profilerin hat ausbilden lassen. Der kurlige Kägi ist mal wieder vom Dienst suspendiert. Was ihn aber natürlich nicht davon abhält, die Ermittlungen sogleich aufzunehmen. 

Ein Familien-Drama und Kägi mittendrin

Kägi hat noch etwas tiefere Falten als in der ersten Staffel, die das SRF vor zwei Jahren zeigte. Und Rosa trägt den noch etwas schweren Weltschmerz auf ihren Schultern. Ich fühle mich bei diesem Anblick sofort «daheim». Spätestens jetzt bin ich so angefixt, dass mich auch die nächste Wende in ihren Bann zieht.

Der gekidnappte Teenie Simon, der nach dem Mord aus dem Kofferraum flüchten konnte, ist Kägis Neffe! Sein Mami, Laura Kägi, ist mehr oder weniger trockene Alkoholikerin und Kägis Schwester. Bämmmmmm!

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Simon Kägi ist Manfred Kägis Neffe. Hier erzählt er seiner Mutter Laura von seiner Begegnung mit den Albanern und dem anschliessenden Mord.

SRF/Pascal Mora

Mein erster Gedanke: Ist hier Homosexualität im Spiel?

Wenn wir schon bei Familiendramen sind: Passionierte «Wilder»-Fans erinnern sich an Paul Wilder, Rosas Vater. Dieser war es, der in der ersten Staffel den Künstler Armon Todt umgebracht hat und deswegen in den Knast wanderte. Jetzt kommt er nach drei Jahren raus. Und Rosa will (noch?) nichts von ihm wissen. 

Nur Mama Christine Wilder hält zu ihrem Mann und holt ihn sogar aus dem Gefängnis ab. Zum ersten Mal trifft Paul seinen Enkel Timi, der mit Christine vors Gefängnis fährt. Nur Rosa ist weit und breit nirgends zu sehen. 

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Paul Wilder, Rosas Vater, kommt drei Jahre nach dem Mord an Armon Todt aus dem Gefängnis.

SRF/Pascal Mora

Zurück zu den Toten. Und damit zum Drogenmilieu. Dass hier alles den Anschein erweckt, dass es sich um eine Abrechnung unter Dealern handelt, entlarven mein Freund, der neben mir auf der Couch sitzt, und ich schnell für eine falsche Fährte.

Die Tatsachen hier müssen sehr viel verschrobener sein. Ich vermute unter den Albanern mindestens einen ungeouteten Schwulen. Und damit einen Ehrenmord. Die dritte Tote, die Spitex-Mitarbeiterin und Wirtstochter, muss wohl einfach zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen sein. Mein Freund bezweifelt meine These. 

Wir schauen weiter. Und versinken immer wieder mal in die enorm schönen Landschaftsaufnahmen. Jetzt gehts rasant. Wir müssen schliesslich viele potentielle Mörder kennenlernen: Die Polizistin Susanne Walter, den Hilfspolizisten Leo Mott, die Familie Kabashi, die beim Mord ihren Sohn verloren hat, die Betreiber des Sägewerks, den Dorfwirt und und und ...!

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Ein Drogendealer bedroht die schwangere Frau eines Mordopfers. 

SRF/Pascal Mora

Enorm viel Geld für SImon

Gegen Ende der ersten Folge habe ich bereits zum ersten Mal negative Gefühle. Und zwar weil der Auftakt gleich zu Ende ist und wir eine ganze Woche (!!!) warten müssen bis zur Fortsetzung. Und auch mein Freund, der noch nie eine Schweizer Produktion gesehen hat, ist hell begeistert.

Und dann passiert das, was die Macher schon in der ersten Staffel so gut beherrschten: Die erste Folge endet mit einem krassen Cliffhanger. Wir befinden uns in Simons Kinderzimmer. Wir erinnern uns, Simon, der von den Albanern gekidnappt wurde und nach dem Mord aus dem Kofferraum flüchten konnte.

Auf seinem Bett jedenfalls liegt enorm viel Kohle. Es handelt sich um das Geld, das der eine Drogendealer schmerzlichst vermisst. Simon hat die Moneten aus dem Auto mitgehen lassen. Was er damit macht, wissen wir noch nicht. Auch haben wir keine Ahnung, wer der Papi von Rosas Kind ist. Wir wissen noch verdammt vieles nicht.

Was ich aber ganz sicher weiss: Ich bleibe dran. Und zähle jetzt schon die Tage und Stunden bis ich nächsten Dienstag um 20.05 Uhr wieder einschalten und ins «Wilder»-Universum abtauchen kann. Bei folgendem Abschlusswort ist mir bewusst, dass es nach einer Folge vielleicht noch etwas zu früh für folgende Parolen ist, aber ich wags, weil ichs als TV-Junkie wirklich fühl: Die zweite Staffel «Wilder» ist und wird noch besser als die erste. Danke, liebe Macher!

Dafür zahle ich noch so gerne Serafe! 

Von Maja Zivadinovic am 07.01.2020
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