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«Royaler» Nachwuchs

Albanien freut sich über Thronfolgerin, die keine ist

Grosse Freude in Albanien: Prinz Leka und Prinzessin Elia sind am Donnerstag Eltern einer Tochter geworden. Damit ist die Thronfolge im Balkan-Staat gesichert – obwohl es schon längst keinen Thron mehr gibt.

Prinz Leka Prinzessin Elia von Albanien

Im Oktober 2016 haben sich Prinz Leka und Prinzessin Elia das Jawort gegeben. Vier Jahre später freuen sie sich über die Geburt ihrer Tochter.

Danapress

Die Briten müssen sich noch etwas gedulden, bis im Frühjahr 2021 der Spross von Prinzessin Eugenie, 30, und Jack Brooksbank, 34, zur Welt kommen wird – und sie nach Archies Geburt im Mai 2019 endlich wieder die Niederkunft eines Royal Babys bejubeln können.

Die Albaner hingegen sind ihnen einen Schritt voraus: Ihr königliches Kind ist schon da! Am Donnerstag ist das Baby von Kronprinz Leka II., 38, und Kronprinzessin Elia, 37, zur Welt gekommen. «Die albanische Königsfamilie ist hocherfreut, die Geburt von Ihrer Königlichen Hoheit Prinzessin Geraldine zu verkünden», gibt der albanische Hof zur grossen Überraschung bekannt, denn die Schwangerschaft war zuvor geheim gehalten worden. Kronprinzessin Elia habe um 9.30 Uhr im Königin-Geraldine-Frauenspital in Tirana entbunden. «Ihre Königliche Hoheit und ihr Kind sind beide wohlauf», freut sich Neo-Papa Leka auf seinem Instagram-Profil über die Geburt des royalen Sprösslings.

Schon lange kein Königreich mehr

Wobei: Ganz so royal ist das Kind eigentlich gar nicht – wie es auch seine Eltern nicht sind. Denn das Königreich Albanien existiert seit 1944 de facto gar nicht mehr.

Nur wollen das die Mitglieder der Familie nicht so wirklich wahrhaben. Denn bereits Lekas Vater Leka I. nannte sich König, obschon er eigentlich nur Thronprätendent war: Er erhob zwar Anspruch auf einen Herrschersitz, war allerdings nicht als Monarch anerkannt. 

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Der Grund dafür liegt noch weiter zurück. Zwei Tage nach der Geburt von Leka I. wurde das Königreich 1939 von italienischen Truppen besetzt. In der Folge flohen der damalige König Zogu, der das Land erst elf Jahre zuvor zur Monarchie erklärt hatte, und seine Frau Geraldine mit dem Neugeborenen nach Griechenland. Noch im selben Jahr stimmte das albanische Parlament für eine Vereinigung mit Italien, woraufhin Albanien zu einem sogenannten Prorektorat Italiens wurde. Italien zog sich schliesslich 1943 aus dem Balkan-Land zurück, woraufhin dieses bis 1944 von Deutschland besetzt wurde. Als die deutschen Truppen abzogen, wurde die Monarchie in Albanien auch auf dem Papier abgeschafft. 1945 schliesslich kamen die Kommunisten in Albanien an die Macht.

König Zog von Albanien Prinz Leka I. Königin Geraldine

König Zogu und seine Ehefrau Königin Geraldine, die nach Griechenland flüchten mussten, mit ihrem Sohn Leka im Juli 1942.

Getty Images

Ein Reich hatte Zogu damit nicht mehr. Doch obwohl er in Griechenland und später in Frankreich war und zeit seines Lebens nie mehr nach Albanien zurückkehrte, verzichtete er nicht auf den Thron. Das behielt auch sein Sohn Leka I. nach Zogus Tod 1961 so bei: Er nahm im Pariser Exil den Titel Leka I., König der Albaner an. 

Im Gegensatz zu seinem Vater schaffte es Leka I., nach Albanien zurückzukehren. Mit einer Genehmigung der Regierung durfte er 1993 ins Land einreisen. Dort wollte er schnell für Veränderung sorgen – und sich selbst beziehungsweise die albanische Königsfamilie wieder an die Macht bringen. Doch sein Referendum über die künftige Staatsform Albaniens scheiterte; die Wähler sprachen sich 1997 für die Beibehaltung der Republik auf. 

Doch Leka I. wollte das nicht anerkennen. Er tauchte bewaffnet vor dem Gebäude der Wahlkommission auf und verliess die Republik fluchtartig, nachdem beim Schusswechsel mit der Polizei eine Person ums Leben gekommen war. 1999 wurde er zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Erst 2002 durfte er nach Albanien zurückkehren, wo er neun Jahre später verstarb. 

König Leka I. von Albanien

Rückkehr nach Hause: König Leka I. durfte erst 2002 nach Albanien zurückkehren, woraus er mit seinen Eltern im Alter von zwei Tagen und nach dem gescheiterten Referendum erneut flüchten musste. Dort schloss sich sein Lebenskreis 2011, als er nach Herz- und Lungenproblemen ins Koma gefallen war.

Sygma via Getty Images

Leka II. geht es ruhiger an

Mit dem frischgebackenen Papa Leka II. kehrt schliesslich wieder etwas Ruhe ein. Er ist in Tirana daheim, wo sich sein Vater den ehemaligen königlichen Palast gerichtlich zurückgekämpft hat. Seit dem Tod von seines Vaters ist Leka II. als einziges Kind der Thronprätendent von Albanien. Er nennt sich weiterhin Kronprinz, obschon der Posten als König zumindest auf dem Papier seit neun Jahren frei ist.

Leka II. scheint das nicht allzu gross zu interessieren. Der leidenschaftliche Basketballspieler unterstützt die Staatsform der Republik und packt dort mit an: Nach einem Abschluss in Diplomatie und Internationalen Beziehungen war er zunächst für drei Jahre im Aussenministerium und anschliessend für drei Jahre im Innenministerium Albaniens angestellt. 2012 wurde er ins Amt des politischen Beraters von Staatspräsident Bujar Nishani berufen, welcher 2017 schliesslich abtrat. 

Zu diesem Zeitpunkt war Leka II. bereits seit einem Jahr mit Elia Zaharia verheiratet, einer bürgerlichen Schauspielerin und Sängerin, die am albanischen Nationaltheater tätig war. Mit ihr hatte er sich 2010 verlobt, nachdem sie sich Anfang der 2000er-Jahre in Paris über den Weg gelaufen waren.

Bei allen Sympathien zur heutigen Republik Albaniens: Ganz aufgegeben hat die albanische Königsfamilie den Traum von der neuerlichen Regentschaft noch nicht. «Die Frage nach der Monarchie ist nicht abschliessend beantwortet», erklärte Leka II. in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag».

Ein Referendum wie sein Vater will er nicht ergreifen. Leka II. verfolgt einen anderen Plan, um sich als mögliches Staatsoberhaupt anzubieten. «Ich denke, gute Arbeit ist der beste Weg.» Und ein bisschen Jöh-Faktor mit der kleinen Geraldine kann da wahrlich auch nicht schaden – Royal Babys üben schliesslich eine hohe Faszination aus. Wer weiss, ob der Titel der neugeborenen Prinzessin damit dereinst nicht nur in Sachen Glanz gewichtig sein wird.

Von Ramona Hirt am 23.10.2020
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