Kronprinzessin Mette-Marit von Norwegen (52) hat in einem Fernsehinterview mit dem Sender NRK über ihre Verbindung zu Jeffrey Epstein (1953–2019) gesprochen. Ihre zentrale Aussage: «Ich wusste nicht, dass er ein Sexualverbrecher ist.»
Das Interview, das am Freitagmorgen ausgestrahlt wurde, markiert das erste Mal, dass sich die Kronprinzessin ausführlich zu den Vorwürfen äusserte. Dabei wirkte sie sichtlich emotional und kämpfte immer wieder mit den Tränen. «Natürlich würde ich mir wünschen, ich hätte ihn nie kennengelernt», sagt sie. «Aber es ist wichtig für mich, Verantwortung zu übernehmen, weil ich die Hintergründe nicht genauer untersucht habe. Auch dafür, dass ich manipuliert und getäuscht wurde.»
«Ich brauche sehr viel Ruhe»
Mette-Marit erklärt weiter, warum es mehr als sieben Wochen gedauert habe, bis sie zu einem öffentlichen Statement bereit war. Der Prozess gegen ihren Sohn Marius Borg Høiby (29), der am Donnerstag zu Ende ging, habe die Familie stark belastet. «Wir sind als Familie in den letzten Wochen in einer sehr herausfordernden Situation gewesen. Wir haben uns in erster Linie auf die Familie konzentriert», sagt Mette-Marit. Während des Interviews wird sie von ihrem Ehemann, Kronprinz Haakon (52), unterstützt, der anmerkt: «Es war sehr viel auf einmal.» Die Kronprinzessin leidet zudem an einer schweren Lungenerkrankung, die ihr gesundheitlich zusetzt. «Ich brauche sehr viel Ruhe. Das hat sich ja weiter verschlechtert», erkläre sie. Das Interview durfte deshalb nicht länger als 20 Minuten dauern.
Im Gespräch mit NRK-Journalist Petter Oulie-Haug wird auch eine E-Mail aus dem Jahr 2011 thematisiert, die in den Epstein-Akten auftauchte. Darin schreibt Mette-Marit an Epstein: «Habe dich nach der letzten E-Mail gegoogelt – zugegeben, sah nicht besonders gut aus :)». Auf die Frage, worauf sie sich bezog, sagte die Kronprinzessin damals: «Darüber habe ich selbst viel nachgedacht. … ich kann mich nicht erinnern … Das ist 15 Jahre her …» Bereits 2013 verbrachte Mette-Marit Zeit in Epsteins Haus in Palm Beach, Florida, obwohl der US-Millionär zu diesem Zeitpunkt wegen der Anwerbung einer Minderjährigen zur Prostitution verurteilt war. Rückblickend äusserte sie sich reumütig: «Die Tatsache, dass ich dort war, und nicht zuletzt die Schuldgefühle gegenüber den Opfern. Ich habe viel Zeit damit verbracht, das zu verarbeiten.»
«Ich werde keine Namen nennen»
Auf die Frage nach ihrem Verhältnis zu Epstein betonte die Kronprinzessin, dass ihre Beziehung zu ihm rein freundschaftlich gewesen sei. «Er war in erster Linie ein Freund eines Freundes. Falls mit der Frage gemeint ist, ob da noch mehr war, ist die Antwort: Nein.» Sie räumt jedoch ein, dass sie den Kontakt zu ihm hätte hinterfragen sollen. «Ich glaube gerne das Beste über Menschen, aber ich habe mich dann entschieden, den Kontakt zu ihm abzubrechen.» Mette-Marit erklärt zudem, dass sie Epstein durch einen gemeinsamen Freund kennengelernt habe, dessen Identität sie jedoch nicht preisgeben wollte: «Ich will meine Integrität bewahren, das ist mir wichtig. Ich werde keine Namen nennen.»
Die Kronprinzessin räumt ein, dass sie die Tragweite ihrer Verbindung zu Epstein erst im Jahr 2019 vollständig verstanden habe, als neue Details über dessen Taten ans Licht kamen. «Ich bin sehr wütend darüber, dass die Opfer bisher keine Gerechtigkeit bekommen haben. Und dass ich dazu beigetragen habe, ihm Legitimität zu geben. Das ist für mich sehr schwer.»
