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Sie sind Legenden

70 Jahre Dräck, Gold & Rock ’n’ roll

Mit Krokus schrieben Chris von Rohr und Marc Storace Schweizer Rockgeschichte, erlebten die höchsten Höhen und tiefsten Tiefen. Jetzt werden beide 70. Offen wie nie sprechen sie über Alter, Liebe, Streit und Versöhnung.

Chris von Rohr und Marc Storace, Krokus, SI 42/2021

Chris von Rohr (l.) und Marc Storace trafen sich zum grossen Geburtstags-Interview bei Chris in Solothurn.

Fabienne Buehler

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag euch beiden. Wir haben Geschenke mitgebracht. Eine Flasche Rosé für dich, Marc. Und für Chris ein Wallholz. Du weisst, warum?
Als wir diesen Termin telefonisch vereinbarten, war ich gerade daran, Pizzateig mit einer Flasche Rosé auszuwallen, weil ich kein «Teigtröli» besass. Ein super Geschenk, danke!

Passt diese Verteilung so für dich, Marc?
Absolut, vielen Dank.

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Ist das heute so? Von Rohr macht Pizza, Storace macht Party?
Marc Storace: Backstage ist immer Party angesagt, bei uns beiden.

Chris von Rohr: Nur der Hangover dauert länger als früher.

Wer von euch beiden hat mehr Mühe damit, 70 zu werden?
Storace: Ich bin stolz, dass ichs so weit geschafft habe.

Von Rohr: Wir sind immer noch Rock ’n’ Roll. Ich fühle mich gut.

In einem Interview zu deinem 60. sagtest du aber, Altern sei ein Massaker, Chris.
Das ist ein Zitat aus «Jedermann» von Philip Roth: «Alter ist kein Kampf, Alter ist ein Massaker.» Das stimmt sicher auch, nur habe ich davon noch wenig gemerkt. Wenn ich morgens aufstehe, fühle ich mich nicht viel anders als mit 50. Ich lebe gesund, bin glücklich, mache Musik, spiele Fussball, ein bisschen Crosstrainer, Stretching, Yoga, esse «kei Dräck», befasse mich nicht ständig mit Durchlauferhitzer-Horror-News.

Was ist schön am Älterwerden?
Storace: Auf die Höhen und Tiefen zurückzuschauen und zu sehen, was man erreicht hat – sowohl beruflich als auch privat mit der Familie. Das ist etwas unglaublich Tolles.

Von Rohr: Mit 70 kann dir niemand mehr einen Apfel für eine Orange verkaufen. Man muss nichts mehr beweisen. Man geniesst jeden Tag, als wärs der letzte. Dankbarkeit überwiegt.

Chris von Rohr und Marc Storace, Krokus, 1981 in den USA, SI 42/2021

Keine Schweizer Band feiert Anfang der 80er-Jahre so grosse Erfolge in den USA wie Krokus.

Handout

Darf ich euch meinen Lieblingswitz über alternde Rockstars erzählen?
Storace: Erzähl!

Was ist der Unterschied zwischen einem jungen und einem alten Rockstar? Die Richtung, in welche die kreischenden Frauen rennen.
Von Rohr: Hör doch auf! Kein guter Witz. Marc und mir rennen die Ladys noch lange nicht davon!

Storace: Wir sind wie guter Rotwein. Je älter, je besser.

Wer von euch beiden hatte denn mehr Groupies im Leben?
Von Rohr: Wir machen doch hier keine Schnäbi-Vermässätä. Keiner von uns konnte sich beklagen.

Euer Liebesleben war sehr unterschiedlich. Marc ist seit 30 Jahren verheiratet, Chris hat den Schritt vor den Traualtar nie gewagt.
Von Rohr: Ob eine Liebe langfristig gelingt, hängt nicht von einer Unterschrift, sondern von vielen anderen Faktoren ab.

Wie ist denn der aktuelle Stand deiner Liebesdinge?
Ich bin seit eineinhalb Jahren in einer sehr glücklichen Beziehung mit einer wunderbaren, kreativen Frau. Es passt auf allen Ebenen, wir lachen viel. Das ist schön, und wir sind beide dankbar.

«In unserem Alter sollte man keine Rechnungen mehr ­offen haben im Leben»

Marc Storace
Chris von Rohr und Marc Storace, Krokus, SI 42/2021

1982 sind Krokus die erste Schweizer Band, die das Hallenstadion bis auf den letzten Platz füllt. Ende 2019 verabschieden sie sich hier von ihren Fans.

Daniel Strub

Warst du je neidisch auf Chris’ reges Liebesleben, Marc?
Nein. Bei uns hat sich diesbezüglich halt Unterschiedliches ergeben.

Von Rohr: Ich bewundere alle, die, wie Marc und seine Frau Cornelia, so lange Beziehungen aufrechterhalten. Bei mir hat das nicht geklappt. Mit der Mutter meiner Tochter Jewel war ich zehn Jahre lang zusammen. Wir mussten irgendwann zugeben, dass wir zwar am gleichen Strick ziehen, aber nicht in die gleiche Richtung. Klar hätte auch ich mir phasenweise eine intakte Familie gewünscht. Es sollte nicht sein. Vielleicht hatte ich ja auch das falsche Beuteschema. Wir blieben jedoch gute Freunde. Heute macht alles Sinn.

Ihr wurdet beide relativ spät Vater. Marc mit 40, Chris mit 50.
Von Rohr: Zum Glück. Wären wir zehn Jahre jünger gewesen, wären wir monatelang durch die Welt getourt und hätten wenig bis gar keine Zeit gehabt für unsere Kinder.

Storace: Ich wollte nicht Kinder machen und abhauen. Ich habe Luca und Giuliana aufwachsen sehen. Wir haben eine sehr enge Bindung, für die ich dankbar bin.

Wie, glaubst du, war Marc als Kind, Chris?
Trotzig! (Lacht.) Ich glaube, wir haben beide früh rebelliert.

Storace: Ich war ein Clown. Ich wollte die Leute zum Lachen bringen, um Aufmerksamkeit zu erhalten.

Von Rohr: Wir zwei sind wie diese Mühle hier – Marc ist Mittelmeersalz und ich bin Jurapfeffer. Wir sind total unterschiedlich, aber zusammengemixt sind wir richtig gut.

«Ich blieb immer ­Musiker, Song- und Buch­schreiber. Das erfüllt mich bis heute»

Chris von Rohr
Chris von Rohr und Marc Storace, Krokus, SI 42/2021

«Die Musik verbindet uns mehr als alles, was uns je trennte.» Ob Krokus ihre Abschiedstour beenden, steht in den Sternen.

Fabienne Buehler

Die Unterschiede haben euch aber auch entzweit. 20 Jahre lang herrschte Funkstille.
Von Rohr: Wir waren auf der einen Seite jung, dumm und Ego-getrieben. Auf der anderen Seite hatten wir ein schlimmes Management, das uns gegeneinander ausspielte. Dieser Typ hat uns rückblickend nicht nur Millionen, sondern auch unsere Freundschaft gekostet – ganz schlimm! Das mussten wir erst mal verdauen. Es war für uns beide eine Chance, anderes zu machen – für mich wars die Zusammenarbeit mit Gotthard. Wichtig ist, dass wir wieder aufeinander zugingen und uns die Hand reichten. Dass wir mit Krokus nach dem Comeback noch einmal mehrere Nummer-1-Hits, Gold, Platin und ausverkaufte Shows in der ganzen Welt hinkriegen, sehe ich als unsere grösste Errungenschaft. Heute herrscht mehr gegenseitige Wertschätzung.

Storace: Wir haben bewiesen, wie viel es bringt, einander zu vergeben. In unserem Alter sollte man keine Rechnungen mehr offen haben im Leben.

Was nervt euch noch aneinander?
Von Rohr: Ich weiss, dass er notorisch unpünktlich ist, damit lebe ich …

Storace: Stimmt doch gar nicht, schon seit Jahren nicht mehr!

Von Rohr: (Lacht.) Wir sind wie ein altes Ehepaar. Wir nehmen einander mit all unseren Schwächen.

Bereut ihr irgendetwas?
Von Rohr: Wir leben, und wir lernen. Irrtümer gehören dazu.

Chris von Rohr und Marc Storace, Krokus, SI 42/2021

Marc Storace, geboren am 7. Oktober 1951, wird mit vier Geschwistern auf der Mittelmeerinsel Malta gross.

Fabienne Buehler
Chris von Rohr und Marc Storace, Krokus, SI 42/2021

Chris von Rohr, geboren am 24. Oktober 1951, wächst mit einem Halbbruder in Solothurn auf.

Fabienne Buehler

Chris wurde mit TV-Shows, legendären Sprüchen, Büchern und Kolumnen zur nationalen Figur. Wie hast du das erlebt, Marc?
Anfangs dachte ich, jetzt macht er genau das, was er nie wollte, nämlich total kommerziell werden. Aber neidisch war ich nie, das ist nicht meine Art.

Von Rohr: Ich wollte einfach mal was Neues probieren und habe mich nie verbogen. Die «Meh Dräck»-Phase hat mir auf unterschiedlichen Ebenen viel gebracht. TV war ein guter Nebenjob. Im Hauptberuf blieb ich immer Musiker, Song- und Buchschreiber. Das erfüllt mich bis heute.

Ihr wart mit Krokus auf weltweiter Abschiedstournee, wurdet in Mexiko von Covid unterbrochen. Gibts die Band noch?
Von Rohr: Das weiss im Moment niemand. Wir bleiben der Musik und einander verbunden. Wir hoffen sehr, dass wir unsere Abschiedstour beenden können. Momentan sind wir alle fit. Aber wer weiss, wie sich die Welt und unsere Gesundheit in zwei, drei Jahren entwickeln.

Was wünscht ihr euch zum Geburtstag?
Storace: In erster Linie Gesundheit.

Von Rohr: Gesundheit, Liebe und reife Früchte. Möge es einfach noch ein bisschen so weitergehen.

Von Sandra Casalini am 24. Oktober 2021 - 07:09 Uhr
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