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Das ehrliche Interview mit der Schlagersängerin

Beatrice Egli: «Ich war am Ende»

Schlagerstar Beatrice Egli hat eine schwere Zeit hinter sich: Die sonst stets gut gelaunte Sängerin litt unter Erschöpfung und Liebeskummer. «Ich lebe extrem, und das in alle Richtungen.»

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Ehrlich, natürlich und stark: Das ist die neue Beatrice Egli.

Ellin Anderegg

Pünktlich wie eine Schweizer Uhr kommt Beatrice Egli, 31, zum vereinbarten Termin mit der Schweizer Illustrierten.

Im Schlepptau ihr Team – ihr Manager Volker, Promotion-Managerin Rafaela und ihre persönliche Make-up-Artistin. Beatrice mischt ganz oben im Schlagerolymp mit. Herzlich begrüsst sie die Crew vor Ort. «Ich freue mich riesig auf dieses Shooting», sagt sie, «so natürlich und intim habe ich mich noch nie gezeigt.»

«Es ist eine Kunst, für etwas zu brennen, ohne auszubrennen»

Beatrice Egli
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Beatrice Egli, was für ein Teint! Sie sehen fantastisch aus.
Vielen Dank, ich fühle mich auch wirklich gut. Vielleicht muss man erst ganz am Boden sein, um sich selbst wieder zu spüren. Die Auszeit in Australien hat mir geholfen, dass mein Herz wieder atmen kann. Ich hatte endlich mal Zeit für mich und vor allem auch Zeit, alles zu hinterfragen.

Das tönt fast wie eine Flucht.
Egal, wie weit oder wohin man reist – ich konnte nicht vor meinen Problemen davonlaufen. Im Gegenteil. Und ich habe gemerkt, dass ich mich irgendwann selber verloren hatte.

Wenn Sie zurückblicken, wie konnte es so weit kommen?
Das ganze letzte Jahr war geprägt von intensiven Vorbereitungen und dann die Tour am Ende des Jahres. Ich freute mich riesig darauf und startete sehr optimistisch. Doch es wurde immer anstrengender, und schon im Sommer dachte ich: Das ist ganz schön viel; ob ich das schaffe? Obendrauf wurde ich noch krank. Ich war körperlich und emotional am Ende. Die letzten vier Shows waren eine Qual. Wenn ich nicht auf der Bühne stand, flossen oft die Tränen. Ich musste erkennen, dass es eine Kunst ist, für etwas zu brennen, ohne auszubrennen. Meine Leidenschaft führte glaub – wie das Wort buchstäblich sagt – dazu, dass ich litt.

Warum haben Sie sich trotzdem durchgekämpft?
Da steckte so viel Arbeit drin. Man ist musikalisch, aber auch künstlerisch zu tausend Prozent und mit jeder Faser des Körpers involviert. Jede Mutter, die ein Baby hat, weiss, wovon ich rede. Es gibt Momente, wo man eigentlich nicht mehr kann, aber trotzdem weitermachen muss. Diese Tournee war mein Baby.

Dann kam Ihre Australien-Reise ja genau richtig!
Mein Manager hat in weiser Voraussicht schon vor zwei Jahren diese drei Monate geblockt. Er sagte, dass ich mir unbedingt mal Zeit für mich nehmen müsse. Damals meinte ich, nein, warum auch. Ich hatte noch nicht diese Weitsicht. Im Nachhinein bin ich Volker sehr dankbar dafür. Denn ich kann nicht kurzfristig einfach mal weg. Auch jetzt bin ich schon wieder bis 2021 verplant.

Ihre Auszeit scheint Wunder gewirkt zu haben.
Ich habe es genossen, nicht überall erkannt zu werden. Ich konnte auch wieder mal in ein Café sitzen und die Leute beobachten. Sonst werde ich immer angeschaut (lacht). Dort war ich einfach das Girl aus der Schweiz, und wenn ich jemanden kennenlernte, sagte ich, dass ich Coiffeuse bin. Ist ja nicht gelogen, allerdings lange her. Doch plötzlich so viel Zeit zu haben, war anfangs nicht nur einfach. Ich suchte zwar Zeit für mich allein, aber das bedeutet nicht immer Sonnenschein, sondern auch Platz für Ängste und traurige Gedanken. Ich hatte einiges zu verdauen.

«Im Leben gibt Es nicht immer ein Happy End»

Verraten Sie, was?
Gegen aussen war ich in den letzten Jahren stets die freche, gut gelaunte Beatrice, die Fun haben will. Es ist aber natürlich auch so, dass mein Leben abseits der Öffentlichkeit nicht jedermann mitbekam.

Seit fünf Jahren sind Sie offiziell Single.
Selbst wenn alle dachten, dass ich Single bin, ist es so, dass ich jemanden kennengelernt und dabei mein Herz verloren habe. Auch das gehört zu meinem Leben. Ich bin eine Person, die nicht sofort alles erzählt. Aber es geht mir da nicht anders als allen anderen. Mal ist mein Leben top und manchmal ein Flop. Es gibt nicht immer ein Happy End.

Und wie geht es Ihnen damit?
Seit ich mir selber eingestehe, dass ich nicht immer perfekt sein muss, und natürlicher damit umgehe, kommt ganz viel Verständnis zurück. Früher, wenn mich jemand fragte, wie es mir geht, sagte ich stets, ohne nachzudenken, es geht mir gut. Heute kann ich auch offen dazu stehen, wenn ich mal einen schlechten Tag habe, an dem nichts so läuft, wie es sollte. Ich bin ein emotionaler Mensch. Das bedeutet auch, dass ich mal platze (lacht).

Diese Seite kennt man bisher nicht von Ihnen. Sie waren immer gut gelaunt, eine Strahlefrau.
Genau. Es war immer in mir, doch ich habe es nicht gezeigt. Jetzt stehe ich dazu.

Das ist sicher auch eine Erleichterung?
Auf jeden Fall. Zudem macht es den Tag, an dem du wirklich glücklich bist, noch viel wertvoller.

«Ich habe meine Kurven lieben gelernt»

Sie haben sich in den vergangenen Monaten nicht nur innerlich, sondern auch äusserlich verändert.
Ich habe wieder zu mir selber gefunden, bin selbstbewusster und mag meine neue Natürlichkeit. Während meiner Auszeit habe ich mich nie geschminkt, und ich gefalle mir so. Das bin ich!

Wie passt Ihre neue Natürlichkeit zur glamourösen Fantasiewelt des Showbusiness?
Ich liebe es immer noch zu shoppen. Daran hat sich nichts verändert (lacht). Ich bin typisch Frau. Der ganze Kleiderschrank ist voll, aber nichts anzuziehen. Für mich gibts nur eine Styling-Regel: Wohlfühlen. Und ich gebe offen zu: An gewissen Tagen ist Schlabberlook absolut okay.

In der Vergangenheit war Ihr Gewicht immer wieder ein Thema.
Trotz aller Kritik liess ich mich nie auf diesen Wahn nach dem perfekten Körper ein. Ich kenne keine Waage, keine Kilos und keine Zahlen. Aber natürlich hat es mich nicht unberührt gelassen. Heute habe ich ein viel besseres Gefühl für meinen Körper. Und ich habe meine Kurven lieben gelernt. Essen bedeutet für mich Genuss. Ich möchte andere ebenfalls dazu motivieren, zu ihrer natürlichen Schönheit zu stehen.

Sie haben mit Ihrem Äusseren immer wieder experimentiert. Lange Haare, Locken, gestreckt – jetzt kurz.
Das ist wirklich speziell. Wenn ich heute Fotos von mir mit langen Haaren betrachte, dann sehe ich eine ganz andere Person. Das bin ich heute gar nicht mehr. Ich fühle mich jetzt mit meinen kurzen Haaren so wohl. Das bin ich. Aber vielleicht passt es auch einfach zu meinem momentanen Lebensgefühl.

«Single zu sein, ist keine Krankheit»

Wer ist Beatrice heute?
Ich bin eine Frau auf der Reise ihres Lebens. Offen für neue Abenteuer. Aber auch eine Frau, die etwas nachdenklicher geworden ist und die ruhigen Momente zu schätzen weiss. Ich lebe extrem, und das in alle Richtungen. Ich bin extrem emotional, extrem powerful, extrem impulsiv. Ich möchte alles, und das ist nicht immer einfach.

Durch Ihren Sieg 2013 bei «Deutschland sucht den Superstar» wurden Sie fast über Nacht berühmt. Wie gross war der Druck, aber auch die Angst, danach wieder in der Versenkung zu verschwinden?
Ich hatte damit gerechnet, in einem Jahr weg vom Fenster zu sein und in Vergessenheit zu geraten. Das ist bis heute so. Aber vielleicht brauche ich das, um den Moment wirklich zu geniessen und dankbar zu sein. Andererseits spornt es mich an, mein Bestes zu geben, um langfristig meinen Traum als Sängerin zu leben. Die Erschöpfung kam nicht von nichts. Die vergangenen sechs Jahre waren sehr intensiv. Ich konnte mich als Sängerin und Moderatorin etablieren und bin heute nicht mehr einfach nur «DSDS»-Gewinnerin. Ich habe für meinen Traum vieles aufgegeben, bin immer unterwegs und habe wenig Zeit für Freunde und Familie.

Und dann fungierten Sie auch noch als Moderatorin für die Kuppelshow «Schlager sucht Liebe».
Ja, doch leider gab es für dieses Format nicht genug Publikum. Die Sendung wurde aus dem Abendprogramm auf Sonntag, elf Uhr verschoben. Ich habe schon immer gerne meine Freundinnen verkuppelt. Ein Paar ist heute sogar verheiratet (lacht). Diese Show war einfach perfekt für mich. Es ist so spannend zu sehen, wie andere Menschen leben und wie verschieden die Vorstellungen, Wünsche und Träume von einer Partnerschaft sind. Da passieren Sachen, die könnte kein Drehbuch besser schreiben. Und manchmal denke ich, das passiert jetzt nicht wirklich.

Vielleicht sollten Sie sich selbst verkuppeln lassen!
Wenn eine Frau mal dreissig ist und noch keinen Mann hat, bekommt man plötzlich so mitleidige Bemerkungen zu hören. Doch Single zu sein, ist keine Krankheit. Natürlich träume auch ich von der grossen Liebe. Vielleicht soll es einfach noch nicht sein. Doch hier glaube ich an ein Happy End.

Von Karin El Mais am 30.06.2019
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