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Das grosse Interview zum 70. Geburtstag

Beni Thurnheer: «Ich dachte, ich habe Alzheimer»

Happy Birthday, Beni Thurnheer! Mit 70 ist der Speicher voll, sagt die TV-Legende. Der «Schnurri der Nation» schweigt noch immer nur, wenn er schläft: «Dafür habe ich begonnen zu schnarchen.»

beni thurnheer

Fit mit Beni: «Meine Streckenrekorde zeigen mir, dass ich schneller bin als vor zehn Jahren. Ich bin fitter als mit 60!»

Geri Born

Bernard Thurnheer, am 11. Juli werden Sie 70. Welches erste Mal hätten Sie gerne noch vor sich?
Die erste Sendung «Benissimo». Von der Idee in unseren Köpfen bis zu all den Elementen wie «Friends», dem Kugelbehälter, dem Telefon war es ein langer Prozess. Dann kommt der Moment – zwei Jahre konzentriert auf zehn Sekunden. Das ist tatsächlich ein unbeschreibliches Gefühl, ein «Magic Moment». Und davon habe ich natürlich viele, wie das erste Mal Vater werden.

Was können Sie in Ihrem Alter noch zum ersten Mal erleben?
Im Alter ist es eher das 100. Mal, dass ich etwas erleben kann. Ich sammle ja Länder und bin jetzt auf 95. Ich überlege nun, welches das 100. sein wird. Aber vermutlich ergibt sich dies von alleine.

«Mein dicker Bauch ist mein Leistungsausweis»

Beni Thurnheer

Was beschäftigt Sie im Moment?
Verschiedenes. Doch die vergangenen fünf Jahre beschäftigte mich mein Mami, das im Januar 96-jährig gestorben ist. Sie wollte bereits längere Zeit sterben, und in klaren Momenten fand sie es schlimm, in nur einem Zimmer zu leben. Sie im Altersheim und wie sie stetig abbaute, das beschäftigt mich schon, denn ich werde 70. Ist das bei mir dann auch so? Gehe ich mit 90 ins Altersheim? Ist mein Aktionsradius dann nur noch ein Zimmer?

Haben Sie Angst?
Nein. Im Moment fühle ich mich noch fit und voller Tatendrang.

Keine Angst vor dem Tod?
Wie sagen die Fussballer so schön: «Angst nicht, aber Respekt.» Das ist eine blöde Floskel. Im Moment ist mein vorherrschendes Gefühl: «Bitte nicht schon jetzt!»

Wäre Sterbehilfe ein Thema?
Das kann man erst entscheiden, wenn es so weit ist. Aber ich finde Patientenverfügungen sinnvoll und kann sie jedem empfehlen.

Wie stellen Sie sich Ihren Lebensabend vor?
Mir genügt völlig, wenn es im gleichen Stil weitergeht wie bis jetzt. Reisen, bisschen sünele, im eigenen Haus leben. Wenn man pensioniert ist, hat man viel mehr Zeit, auch für die Gesundheit. Heute bin ich so weit zu sagen, dass arbeiten ungesund ist. Ich musste immer schauen, wann ich Zeit für Sport habe – und dann war schlechtes Wetter. Zudem war ich jede Woche an irgendeinem Anlass, der für die anderen die Party des Jahres war. Wenn du nichts getrunken oder nicht den ganzen Fünfgänger gegessen hast, fragten sie dich, ob es dir nicht gefällt. Dann machst du halt ein bisschen mit. Mein beruflicher Erfolg entsprach der Entwicklung eines Baumes. Ich habe immer mehr Ringe angesetzt. Mein dicker Bauch ist im Prinzip mein Leistungsausweis.

Wie viel an Gewicht haben Sie als Rentner zugelegt?
Ich habe acht Kilo abgenommen! Zuvor war mein Gewicht immer gleich, sprich zu hoch. Als ich mich nicht mehr wohlfühlte, gab ich mir einen Ruck und ging für zwei Wochen in ein Diäthotel.

beni thurnheer

Beni Thurnheer: Fit und voller Tatendrang.

Geri Born

Sie haben einst alles dem Beruf untergeordnet. Wer bestimmt heute?
Vermutlich ich selber. Ich lasse mich weniger von den gesellschaftlichen Gepflogenheiten beeinflussen. Heute esse ich den Teller nicht mehr leer, wenn ich satt bin.

Beschäftigt Sie, was andere denken?
Wenn du «Tell-Star» und «Benissimo» moderierst, Sendungen, die allen gefallen sollten, dann willst du dich selber auch so verhalten, dass dich alle gern haben. Noch heute bin ich ein totaler Harmoniemensch. Deshalb gebe ich auch alle Interviews (lacht).

Hätten Sie Probleme, in Vergessenheit zu geraten?
Das naht. Das Geburtsjahr 2000 ist die Grenze. Die im 21. Jahrhundert Geborenen kennen mich nicht mehr.

Beni Thurnheer mit Kathrin Hildebrand 2018

Beni Thurnheer und seine Frau Kathrin Hildebrand. Das Paar ist seit 2018 verheiratet.

ZVG

Was nervt am Altern?
Das Erinnerungsvermögen nimmt ab, das beunruhigt mich am meisten. Der Speicher ist voll, und so vergisst du Unwichtiges sofort wieder. Wenn ich Milch in die Kaffeetasse fülle, bevor die Maschine fertig ist, kommt es nun vor, dass ich nochmals Milch reinkippe. Beim ersten Mal dachte ich: «Scheisse, jetzt bekomme ich Alzheimer!» Der Doktor lachte mich aus und meinte, dass dies normales Altern sei.

Vergangenes Jahr haben Sie nochmals geheiratet, wohnen aber getrennt.
Tatsache ist, dass ich in Seuzach Wurzeln geschlagen habe, meine Frau in Altstätten. Wer alles aufgibt, wird tendenziell unglücklich. Würden wir in die Mitte ziehen, würden wir beide unglücklich.

Was ist die Lösung?
Wenn man es sich leisten kann, bleibt jeder dort, wo er ist, und verbringt die Hälfte der Zeit beim anderen. Diesen Sommer wird meine Frau pensioniert, und wir können das besser realisieren.

Wofür nehmen Sie sich heute Zeit?
Ich reise privat noch mehr. Soeben war ich in Hamburg und habe ein Kilo zugenommen. Vor drei Wochen war ich in meinem 95. Land – Armenien – für das Fussball-EM-Qualispiel Liechtenstein gegen Armenien.

Wie fliegen Sie?
Mit anderen Economy. Und wenn ich alleine fliege, Business. Nicht anstehen, nicht selber einchecken, bisschen bequemer sitzen, als Erstes rein und raus – im Alter ist mir das plötzlich mehr wert. Wenn sich Leute nicht hinsetzen und so den Gang verstopfen, regt mich das mittlerweile auf.

Sind Sie mürrischer geworden?
Würde ich nicht sagen. Vielleicht etwas resignierter, was die Entwicklung der Welt angeht. Bis 50 hatte ich immer das Gefühl, dass es unter dem Strich mit der Welt doch vorwärtsgeht. Doch seit Trump und Brexit habe ich meine Meinung geändert. Beides hätte ich nie für möglich gehalten.

beni thurnheer

Tour de Beni Die liebste Mountainbike-Strecke von Beni Thurnheer startet und endet daheim in Seuzach ZH.

Geri Born

Die Bezeichnung «TV-Legende» ist ein Riesenkompliment

Beni Thurnheer

Was halten Sie von Donald Trump?
Trump ist wie ich – ein Fernseh-Mensch. Er hat nur ein Ziel: Schlagzeilen und hohe Einschaltquoten.

Denken Sie, jemand sollte mit 73 noch Präsident sein?
Nein. Ich glaube tatsächlich – und da bin ich im Streit mit meinen Jahrgängern –, dass mit 65 jeder Mensch nachlässt, egal wie. Und du hast dein geschlossenes Weltbild.

Ein Beispiel?
Popmusik ist ja eines meiner Hobbys. Doch Rap fällt bei mir durch. Viermal «Motherfucker» zu sagen, ist für mich keine Leistung. Rap höre ich nicht, interessiert mich nicht, sagt mir nichts, passiert nicht in meinem Leben.

beni thurnheer

Beni redet Tacheles «Mit 50 kannst du die nachlassende Energie mit Routine ausgleichen, ab 65 nicht mehr.»

Geri Born

Sie sind ein Listenmensch.
Ja, das ist einfach ein Lustgefühl. Ich führe Top-20-Listen über Städte, Inseln, Museen.

Reicht Ihre AHV?
Ich war nie fest angestellt. Wenn ich arbeitete, kam Geld rein, wenn nicht, dann nicht. Heute bekomme ich Geld, auch wenn ich nichts tue. Mit ein paar Jöbli, wie Vorträgehalten, kann ich meinen Lebensstandard mühelos aufrechterhalten.

Wie investieren Sie Ihr Geld?
Wie jeder Bünzlischweizer tue ich das Geld auf die Bank oder investiere in Ereignisse und Reisen. Statussymbole bringen mir für mein Dasein nichts.

Wie gehen Sie mit der Bezeichnung «TV-Legende» um?
Das ist ein Riesenkompliment. Es gibt ein Sprichwort: «Legends never die, they just fade away.» Das finde ich schön.

Sie gelten als «Schnurri der Nation». Wann schweigen Sie?
Wenn ich schlafe. Dafür habe ich im Alter angefangen zu schnarchen.

Führen Sie Selbstgespräche?
Nein, aber ich singe viel, wenn es mir gut geht. Seit einem Beach-Volleyball-Turnier läuft mir nach: «Put your hands up in the air, put your hands up in the air!»

Wie feiern Sie Ihren Siebzigsten?
Da ergreife ich die Flucht und fliege mit meiner Frau und meinen beiden Söhnen nach London. In meiner Hitparade liegt die Stadt auf Platz zwei, hinter Sydney.

Gar keine Feier?
Nein, ich will noch nicht sterben, also muss ich auch nicht alle Leute sehen.

Von Aurelia Robles am 10. Juli 2019