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Dennis gewinnt «Switzerland's next Topmodel»

Braucht es heutzutage überhaupt noch Model-Castingshows?

Zum bereits dritten Mal wurde diese Woche «Switzerland's next Topmodel» gekürt, wobei sich Dennis aus Zürich beweisen konnte. Parallel dazu laufen die Bewerbungen für die 17. Staffel des deutschen Pendants – doch sind diese Model-Castingshows eigentlich nicht langsam von gestern?

Dennis

Am Ende gewinnt wieder ein Mann: Dennis wird «Switzerland's next Topmodel», Venance darf sich über den zweiten Platz freuen.

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Am vergangenen Mittwoch wurde der Sieger der dritten Staffel von «Switzerland’s next Topmodel» gekürt. Zum dritten Mal in Folge konnte ein Male-Model die Reality-TV-Show für sich entscheiden. Dieses Mal durfte sich Dennis, 24, aus Zürich über den Gewinn freuen. 

Seit 2018 wird die Schweizer Castingshow ausgestrahlt und steckt damit fast noch in den Kinderschuhen, wenn man ihr deutsches Pendant betrachtet. «Germany's next Topmodel» mit Heidi Klum ist bereits 2006 zum ersten Mal auf Sendung gegangen – und die Produktionsfirma sucht gegenwärtig Kandidatinnen für die 17. Staffel. Da fragt man sich unweigerlich: Sind diese Model-Castingshows eigentlich nicht langsam vorbei? Haben sie ihren Zenit nicht längst überschritten? 

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In Hinblick auf diese Frage spalten sich die Meinungen – was spricht dafür und was dagegen? Auch bei uns auf der Redaktion gab es bei dieser Frage zu diskutieren – einig sind wir uns nicht geworden. Wo unsere Redaktions-Praktikantin Natalia findet, dass man gar nie genug haben kann von den «Määäädchen» und den Jungs bei «SNTM», ist für Redaktorin Ramona klar: Das muss nicht (mehr) sein.

Natalia: Das spricht für die Model-Shows

Einblick ins Modelleben 

In Anbetracht der Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer solchen Sendung ist eine solche Show für eine junge Person, die schon seit Ewigkeiten vom Modeln träumt, genau das Richtige. Die Kandidatinnen und Kandidaten leben sich in die die klassischen Modelaufgaben ein, beispielsweise bei Fotoshootings, Catwalk-Trainings und Castings bei Kunden, und bekommen zu verstehen, wie man so etwas eben «richtig macht». Sie werden von echten Profis und erfahrenen Persönlichkeit begleitet und gecoacht, wovon man nur profitieren kann. Eine bessere Möglichkeit, einfach mal so auf die Schnelle mit Personen mit solch einer grossen Erfahrung wie Heidi Klum oder all den Gastjuroren arbeiten zu dürfen, gibt es fast nicht. Die Profis wissen, wovon sie sprechen, und können wertvolle Tipps an die Jünglinge weitergeben.

Man erfährt, was für das Modelleben nötig ist und wie das Prozedere abläuft. Auf diese Weise bekommen die Kandidatinnen schnell zu spüren, ob ihnen diese Anforderungen entsprechen. Manchmal stellt man sich etwas ganz anders vor, als es dann schlussendlich in der Realität ist. So können die jungen Erwachsenen schliesslich weiter an ihrem Traum festhalten oder eben einen anderen Weg gehen und nicht unnötig Zeit für Unrealistisches verschwenden. 

SNTM-Finale 2021

Die Protagonisten des Finales: Juror Papis Loveday, Finalist Aldin, Gewinner Dennis, Finalistin Venance, Jurorin Larissa Marolt und Model-Mama Manuela Frey beim «SNTM»-Finale 2021. 

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Bekanntlich erfährt man in einem Praktikum seines gewünschten zukünftigen Berufsfeldes immer am besten, ob der Job was für einen ist oder halt eben nicht. Man bekommt einen Einblick in den Betrieb und wie es dort so läuft. Ein solches Praktikum ist allerdings nicht in jeder Branche so einfach zu kriegen – wie etwa auch im Model-Business.

Möchte man Model werden, ist eine solche Castingshow wohl die Art «Praktikum», mit welcher man sich einen Einblick verschaffen kann. Darf man also bei einer Presseagentur als Praktikantin reinschnuppern, wieso soll man sich so auf eine andere Art und Weise nicht auch beim Modeln einen Einblick verschaffen dürfen?

Unterhaltung

Reality-TV-Shows sorgen bei den Zuschauenden immer wieder für grosse Unterhaltung. Jeder mag es doch, kann man nach sich nach einem anstrengenden Tag einfach mal aufs Sofa werfen, den Fernseher einschalten und ein unterhaltsames Programm schauen.

Eine solche Castingshow ist facettenreich, unterhaltsam und bringt einen auch immer wieder mal zum Lachen. Für einen Krimi oder die «Tagesschau» ist man nunmal nicht immer in Stimmung und die unzähligen Filme und Serien auf «Netflix» hängen einem irgendwann vielleicht auch zu den Ohren raus. Würden schliesslich alle Reality-TV-Shows aussterben, was ohnehin schon genügende tun, würde man sie schlussendlich auch wieder vermissen.

Ramona: Model-Shows braucht heute niemand mehr

Früher war alles besser. Zumindest, wenn es um Model-Castingshows ging. Wie habe ich es geliebt, am Freitagmorgen mit meinen Schulgspänli über die peinlichsten Performances, die zynischsten Zicken und die feschesten Frisur-Veränderungen bei «GNTM» zu plaudern. Ich war dabei. Und wenn nicht Donnerstag für Donnerstag vor dem Fernseher, dann gewiss am nächsten Tag mit der mit Videorekorder aufgenommenen Sendung.

Diese Zeiten sind vorbei. Klar, meine Interessen haben sich verändert, auf dem Schulhof kann ich mich schon lange nicht mehr austauschen und die Relevanz von Fernsehsendungen hat auch abgenommen.

Ob das schlecht ist? Nein. Die Welt ist eben eine andere geworden – und das bietet neue Chancen für coole Konzepte. Aber krankhaft an einer Sendung festzuhalten, die vor x Jahren mal grosse Namen hervorgebracht hat, leuchtet mir nicht ein. Nach dem Sieg von Lovelyn Enebechi 2013 war bei mir Schluss. Die Namen der Gewinnerinnen, die danach kamen, sagen mir, mit Ausnahme von Stefanie Giesinger: nichts.

Stefanie Giesinger

Stefanie Giesinger wurde 2014 Siegerin von «GNTM».

imago images/Marja

Fehlen tut mir deswegen: nichts. Irgendwann ist die Zeit für eine Sendung halt einfach abgelaufen – so cool und erfolgreich sie auch mal war. Das haben wir bei «Benissimo» und «Wetten, dass…?» gesehen. Das sehen wir noch immer bei «Deutschland sucht den Superstar», woraus schon lange kein einziger Superstar mehr hervorgegangen ist. Und das sehen wir bei den Topmodels, sind sie nun der (geglaubte) neue Modelstern am deutschen oder am Schweizer Himmel.

Zeiten ändern sich halt. Wo man früher partout nicht kleiner als 1.76 Meter sein konnte, um überhaupt auf den Radar eines Scouts zu kommen, zählt heute anderes. Wie divers ist ein Model? Wie viele Follower hat es? Es muss Personality haben, einzigartig sein, eine Type eben – ob sich eine solche aber mit einem Format finden lässt, das seit Jahr und Tag gleich daherkommt, ist die andere Frage. Und ob man nicht besser beraten ist, sein Glück auf eigene Faust auf Instagram zu versuchen, eine weitere.

Scheinbar sehen das nicht alle so wie ich. Im Frühling 2021 hatte das «GNTM»-Finale so viele Zuschauende wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Ob Corona den Machern in die Karten gespielt hat? Oder ob sich die Leute vielmehr an den teilweise mit grossem Unterhaltungswert gesegneten Kandidatinnen amüsieren, die das Rampenlicht suchen? Letzten Endes ist die Show eine Unterhaltungssendung, klar. Es geht um nichts anderes als Quote.

Nur frag ich mich, wie vertretbar es ist, wenn wir als Zuschauende Quote generieren, indem man dafür hoffnungsvolle junge Menschen auf eine Bühne stellt – im Wissen darum, dass ihnen selbst der Sieg wohl nur für eine sehr sehr kurze Zeit Türen öffnen wird. Ich wage zu behaupten: Morgen wird niemand mehr darüber sprechen, wer vorvorgestern «Switzerland’s next Topmodel» geworden ist. Und die Gewinnerin der diesjährigen Staffel von «Germany’s next Topmodel» hat in den vergangenen Wochen nur mit einem Schlagzeilen gemacht: ihrer Gewichtszunahme um 20 Kilogramm. Dafür hätte sie nun wirklich keinen Topmodel-Stempel gebraucht.

Für mich ist klar: Diese Show war mal sowas von gut! Hat sowas von erfolgreiche Mädels hervorgebracht wie Lena Gercke, Barbara Meier und Fiona Erdmann. Und hat sowas von frischen Wind in der TV-Landschaft wehen lassen. Heute ist es nicht mal mehr ein Lüftchen. Was lange währt, wird in gewissen Fällen endlich gut – doch manchmal gehört man mit vorbeigehender Zeit halt einfach auch zum alten Eisen.

Von nsj und rhi am 5. November 2021 - 23:41 Uhr
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