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Ditaji Kambundji ist Sportlerin des Jahres

«Das ist erst der Anfang»

Seine Leidenschaft finden, Ziele setzen, diszipliniert sein: Das ist das Erfolgsgeheimnis der Berner Hürdensprinterin. «Jede und jeder hat ein besonderes Talent. Man muss es nur finden», meint die Weltmeisterin bescheiden.

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<p>Getragen von der Familie. Ditaji ist die Jüngste von vier Schwestern. «Ich wollte ihnen immer nacheifern.»</p>

Getragen von der Familie. Ditaji ist die Jüngste von vier Schwestern. «Ich wollte ihnen immer nacheifern.»

Remo Naegeli

Ditaji Kambundji hat sich letzten September in Tokio zur ersten Schweizer Leichtathletik-Weltmeisterin gekürt – und ist nun zur Schweizer Sportlerin des Jahres gewählt worden!

Sie sind erst 23 Jahre alt und bereits Weltmeisterin …

… dieser Titel ist nicht das Ende von etwas! Ich betrachte ihn als den Anfang einer neuen Geschichte. Ich denke schon an die Freiluft-Europameisterschaften im August in Birmingham.

Sie haben sehr erfolgreiche Schwestern. Wie wichtig ist Ihnen die Familie?

Sehr. Wir stehen uns sehr nahe, meine drei Schwestern und ich sind wie beste Freundinnen. Über Facetime sprechen wir jeden Tag miteinander, treffen unsere Entscheidungen gemeinsam. Wir sind in der Lage, eine endlose Diskussion über die Wahl der Farbe der Vorhänge von einer von uns zu führen. Das liebe ich. Ich mag es, die Jüngste zu sein, und habe so viel Glück, drei beste Freundinnen in meinem Leben zu haben.

Hilft es, alles zu teilen, um auf dem Boden zu bleiben?

Ja, der Erfolg ändert absolut nichts an meiner Stellung in der Familie, an meinen Beziehungen zu den anderen.

Haben Ihnen Humor und die Fähigkeit, die Dinge zu relativieren, in schwierigeren Momenten geholfen?

Bei den Kambundjis haben wir die Art, das Leben so zu nehmen, wie es kommt, das Beste aus jeder Situation zu machen. Denn wir sind nie allein. Humor? Ich finde mich selbst lustig, aber ich weiss nicht, was die anderen davon halten (lacht).

<p>Historisch: Am 15. September 2025 fliegt Ditaji Kambundji in Tokio in 12,24 Sekunden zum Weltmeistertitel im Hürdensprint.</p>

Historisch: Am 15. September 2025 fliegt Ditaji Kambundji in Tokio in 12,24 Sekunden zum Weltmeistertitel im Hürdensprint.

IMAGO/Goal Sports Images

Ist Ihnen bewusst, wie viel Freude Ihre Erfolge dem Publikum bereiten?

Sie können sich gar nicht vorstellen, wie viele Menschen mir nach dem Weltmeistertitel gesagt haben, dass sie sich für mich gefreut haben, dass sie gerührt waren, dass ihnen die Tränen gekommen sind. Das war sehr bewegend.

Sie sprechen Deutsch und Französisch, Ihr Vater stammt aus dem Kongo. Spielen diese Wurzeln eine Rolle?

Das ist ein Teil von mir, von uns, auch wenn wir in der Schweiz aufgewachsen sind. Wir haben von meinem Vater seine Offenheit, seine Art, mit Problemen umzugehen, seine Freude übernommen. Er ist immer positiv. Vor meinen Rennen sagt er immer: «Du wirst sehen, eines Tages wirst du sie schlagen!» Er ist stolz auf alles, was passiert. Für ihn ist es genau dasselbe, ob es sich um Weltmeisterschaften oder irgendein Rennen handelt. Es ist immer wunderbar. Er spielt Klavier, Mundharmonika, Xylofon, nimmt am Lagerfeuer beim Camping plötzlich seine Gitarre in die Hand.

Wann haben Sie die Freude am Laufen entdeckt?

Die hatte ich schon immer. Ich habe sehr früh angefangen, mit drei älteren Schwestern, die schon liefen. Da ich immer dachte, dass es nichts Cooleres gibt als sie, wusste ich schnell, dass ich auch Leichtathletik machen würde. Auch wenn ich mich nicht mehr auf meinen ersten Lauf besinne, habe ich doch eine genaue Erinnerung an den Spass am Wettkampf. An den Erfolg, an die Freude am Laufen und am Gewinnen. Das hat mich schon immer fasziniert.

Ist Laufen für Sie heute noch ein Vergnügen?

Ja, ausser, um den Bus zu erwischen! (Lacht.) Ansonsten hat sich nichts geändert, nur weil ich erwachsen geworden bin. Die Liebe zum Sport hat mich nie verlassen. Das ist einer der Gründe für meinen Erfolg. Ich liebe Wettkämpfe. Der Druck ist nichts, was mich stört, er ist es, der mir zu Höchstleistungen verhilft.

<p>Ditaji Kambundjis Erfolg als Leichtathletik-Weltmeisterin über 100 Meter Hürden wurde mit der Wahl zur Sportlerin des Jahres 2025 gewürdigt. </p>

Ditaji Kambundjis Erfolg als Leichtathletik-Weltmeisterin über 100 Meter Hürden wurde mit der Wahl zur Sportlerin des Jahres 2025 gewürdigt. 

Remo Naegeli

In welchem Alter haben Sie erkannt, dass das Laufen Ihr Leben erfüllen würde?

Sehr früh. Ich war noch keine zwei Wochen alt, als man mich zu einem Lauf in Bern mitnahm. Die Leichtathletik war schon immer Teil meines Lebens. Als ich älter wurde, nahm ich schnell an internationalen Wettkämpfen teil. Das erste Mal war wohl 2015 in Prag bei den Hallen-Europameisterschaften. Ich dachte mir sofort, dass ich gern auf der Bahn stehen würde.

In der Leichtathletik ist man auf sich allein gestellt …

Ja, man kann sich nur auf sich selbst verlassen. Gleichzeitig braucht man ein Team für all das, was man um sich herum nicht sieht. Ich hätte dieses Niveau nie erreicht, wenn ich nicht Menschen hätte, die mich unterstützen.

Um zu gewinnen, braucht es Aggressivität, den Willen, besser als die anderen zu sein. Fällt Ihnen das leicht?

Ich erlebe im Sport viel Respekt und Sympathie. Letztendlich arbeiten wir alle auf dasselbe hin, wir verstehen uns. Als ich gewonnen habe, haben sich unglaublich viele Athleten für mich gefreut. Sie wussten, dass ich den grössten Moment meiner Karriere erlebe, es herrschte Freude. Ich gebe einfach das Maximum. Wenn eine andere schneller ist, umso besser für sie. So ist der Sport. Es gibt immer jemanden, der verliert. Die Leichtathletik ist gerecht: Unsere Leistungen kann man messen, sie sind quantifizierbar. Wenn es nicht geklappt hat, dann deshalb, weil man drei Hundertstelsekunden schneller hätte sein müssen. An einem Tag bist du es nicht, an einem anderen schon.

Mögen Sie Geschwindigkeit und eine gewisse Waghalsigkeit?

Ich mag die Geschwindigkeit, den Körper bis an seine Grenzen zu bringen. Aber ich muss mich nicht in ein Auto setzen, das zu schnell fährt.

<p>Erinnerungen: Jeder Ring hat eine Bedeutung. «Wenn ich gewinne, gönne ich mir oft ein Geschenk in Form von Schmuck.»</p>

Erinnerungen: Jeder Ring hat eine Bedeutung. «Wenn ich gewinne, gönne ich mir oft ein Geschenk in Form von Schmuck.»

Remo Naegeli

Wieso Hürdenlauf?

Ich betrieb Siebenkampf, von der U16 bis zur U18 kamen die Hürden dazu. Da erkannte ich mein Potenzial. Mir gefiel die Kombination aus Geschwindigkeit und technischen Aspekten.

Die grösste Schwierigkeit?

Die Geschwindigkeit nicht zu verlieren, die Hürde so schnell wie möglich zu überwinden. Bei einem guten Rennen wird die Frequenz sehr wichtig.

Ich schaue auf Ihre Hände. Sie mögen Schmuck.

Ja, schon immer. Wenn ich gewinne, gönne ich mir oft ein kleines Geschenk in Form von Schmuck. Meine Ringe haben alle eine Bedeutung. Sie sind zu Erinnerungsstücken geworden, die mich begleiten. Manchmal, kurz vor dem Start, werfe ich einen Blick auf einen von ihnen und sage mir: «Ah, da ist der Final der Weltmeisterschaften 2023!» Das erinnert mich daran, dass ich diese Etappe bereits erreicht habe, das ermutigt mich.

Gibts ein Beispiel für einen besonderen Familienmoment?

Letzte Weihnachten, nur mit meinen Schwestern und ihren Partnern am 24. Dezember. Am 25. mit meinen Cousins, meiner Grossmutter, die vier Geschwister hat. Wir sind also etwa 40, ein ganzer Stamm. Ich liebe es, und es waren die ersten Weihnachten von Mujinga als Mama, mit ihrem kleinen Léon. Es ist schön, einen weiteren Neffen zu haben, der bei guter Gesundheit ist, und zu sehen, wie die Familie wächst. Es war auch eine Freude, Zeit in der Küche zu verbringen. Ich messe nichts ab und lese Rezepte nicht besonders gern. Ich koche nach Gefühl. Ich habe keine Spezialität, aber backe einen sehr guten Zopf!

Von Marc David am 4. April 2026 - 06:00 Uhr