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Digi-Tal 2023

Das Vallée de Joux lebt auf

Die 2021 lancierte Website «Vallée de Joux 360» kurbelt den Austausch zwischen den Bürgern an und steigert die Attraktivität der Waadtländer Region. In der Käserei von Le Brassus gehört Marianne Croisier zu den Profiteuren des Projekts.

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Marianne Croisier, Verkäuferin bei "Laiterie et fromagerie du Brassus"

In der Käserei von Le Brassus bedient Marianne Croisier zahlreiche Touristen, die neugierig auf die regionalen Spezialitäten sind, die auf der Plattform «Vallée de Joux 360» vorgestellt werden.

Roger Hofstetter

Das Projekt «Vallée de Joux 360» hat den Aktivitäten in der Region einen Schub gegeben. «Diese Internetplattform vereint alle lokalen Akteure. Und auf den Websites werden unsere Angebote durch Artikel und Videoreportagen vorgestellt.» Michele Fazzone, Vorsitzender des Lenkungsausschusses beim Projekt «Vallée de Joux 360», orchestrierte die Schaffung der Internetplattform. Der 40-Jährige ist leitender Angestellter der Manufaktur Jaeger-LeCoultre und engagiert sich stark für die Förderung des «Waadtländer Sibiriens», wie die Region genannt wird. Sie hätten feststellen können, dass die Internetseite www.valleedejoux.ch weit über die Talränder hinaus ausstrahle und zum Beispiel einigen Handwerkern Kunden aus dem Flachland gebracht habe, so Fazzone.

Arbeitsplatz in der Werkstatt von Jaeger-LeCoultre mit einem Computer, der die Website "valleedejoux.ch" anzeigt.

Die Website «Vallée de Joux 360» liefert wertvolle Infos für Pendler von Unternehmen wie Jaeger-LeCoultre, einem der zahlreichen Flaggschiffe in dieser Region.

Roger Hofstetter

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Der gebürtige Waadtländer freut sich über den Erfolg der öffentlich und privat finanzierten Website: «Auf Wunsch von Unternehmern und KMU tanken wir Ideen, um die Aussenwahrnehmung der Plattform noch weiter zu stärken.» So werde beispielsweise der Weihnachtsmarkt unterstützt, der dieses Jahr zum ersten Mal in Le Sentier stattfindet: «Und in absehbarer Zeit werden wir monatliche Themenabende online einführen.»

Wiege der Uhrenindustrie

Das auf 1000 Metern über Meer gelegene Vallée de Joux ist bekannt als beliebte Tourismusdestination im Winter, wenn die Seen zugefroren sind und der Schnee die Gegend in eine Märchenlandschaft verwandelt. Als Wiege der Uhrenindustrie vereint das Tal die Werkstätten prestigeträchtiger Marken wie Audemars-Piguet, Blancpain, Patek Philippe, Vacheron Constantin, Bulgari oder Jaeger-LeCoultre. Diese Vorliebe für Präzisionsarbeit entstand im 18. Jahrhundert in einem Land, in dem die Bauern ihre Arbeitszeit zwischen der Landwirtschaft im Sommer und der Herstellung von Uhren in den langen Wintern zu Hause aufteilten.

Michele Fazzone sagt dazu: «Heute gibt es in der Region mehr Arbeitsplätze als Einwohner. Sie zieht täglich rund 4500 Pendler an, die hauptsächlich in der Uhrenindustrie arbeiten.» Mit der Auflistung von Geschäften, Apotheken und medizinischen Einrichtungen spielt die Website eine zentrale Rolle, um den Berufstätigen, die jeden Abend nach Hause fahren, die Gegend näherzubringen.

Milchwirtschaft und Vacherin Mont-d’Or

Die im April 2021 gestartete Plattform hat 300 Unternehmen, Verbände und Händler zusammengeführt. Die Website umfasst bisher insgesamt mehr als 300 Videos und 1000 Artikel. Ziel der Plattform ist es, das Know-how, die Produkte und die Ausbildung aufzuwerten. Die Milchbranche ist ein wichtiger Bestandteil der Aktivitäten der «Combières» und Gegenstand zahlreicher Reportagen. Die Käsereien der Region sichern den Lebensunterhalt der Milchbauernfamilien, die zwischen dem See und dem Wald verteilt sind. Marianne Croisier, Verkäuferin in der Käserei von Le Brassus, stellt fest: «Die Region zieht viele Touristen an. Die meisten von ihnen fahren mit einer typischen Fonduemischung aus der Region im

Kofferraum nach Hause und – nicht zu vergessen – einem Vacherin Mont-d’Or.» Dieser Weichkäse, der nur von September bis März hergestellt wird und das AOP-Label (geschützte Ursprungsbezeichnung) trägt, hat sein Museum im Dorf
Les Charbonnières.

Michel Fazzone, "Manufacturing Director" bei Jaeger-LeCoultre

Michele Fazzone hat das Projekt «Vallée de Joux 360» lanciert, das 2021 in Zusammenarbeit mit einem Kollegium aus öffentlichen und privaten Organisationen entstanden ist.

Roger Hofstetter

Marianne Croisier ist nach eigenem Bekunden keine Expertin für digitale Technologien. Die Käserin widerspiegelt in dieser Hinsicht den Fall vieler Talbewohner. Aus diesem Grund werden im Rahmen des Projekts «Vallée de Joux 360» auch Schulungsmodule für Computer und soziale Netzwerke angeboten. Viele Unternehmer haben bereits davon profitiert. Michele Fazzone betont: «Wir haben uns dafür engagiert, initiative Menschen zu unterstützen, die mit den aktuellen Kommunikationspraktiken Schritt halten müssen. Diese Plattform soll den Bedürfnissen der Bevölkerung des Tals so gut wie möglich gerecht werden.»

(Übersetzung: Thomas Renggli)

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«Beziehungen stehen im Mittelpunkt»

Martina Müggler, Leiterin E-Government bei der Schweizerischen Post, ist Mitglied der Jury des Wettbewerbs «Digi-Tal 2023».

Was hat Ihnen am Projekt «Vallée de Joux 360» am besten gefallen?
Im Mittelpunkt des Projekts stehen die Bedürfnisse der Menschen und Unternehmen im Vallée de Joux und nicht die Technologie. Die Website ist ein sehr innovativer Weg, um den Bekanntheitsgrad der lokalen Unternehmen zu steigern und gleichzeitig den Zusammenhalt in der Region zu fördern. Die mit dem Projekt verbundene Schulung im Bereich der sozialen Medien ist gleichzeitig eine hervorragende Initiative, um diesen Prozess zu intensivieren. Wir alle müssen schliesslich weiter lernen, um das Beste aus der Digitalisierung und den neuen technologischen Möglichkeiten herauszuholen. Die Plattform zeichnet sich durch ihre hohe Professionalität, Glaubwürdigkeit und den Erfolg vor Ort aus.

Wie kann ein solches Projekt eine Region, die sich durch ihr historisches Erbe im Bereich der Uhrmacherei auszeichnet, weiterbringen?
Es ist immer schwierig, in abgelegenen Regionen qualifizierte Arbeitskräfte zu finden und zu halten. Dieses Projekt ermöglicht es lokalen Unternehmern, sich auf überregionaler oder sogar nationaler Ebene als attraktive Arbeitgeber zu positionieren und so die Wahrnehmung der gesamten Region zu optimieren. Durch die Generierung einer digitalen Gemeinschaft fördert das Projekt den Austausch und die Solidarität zwischen Unternehmen, die sich zuvor vielleicht nicht kannten.

In den 16 Monaten, die das Projekt besteht, wurden in einer Region mit 7000 Einwohnern rund 300 Videos und 1000 Artikel veröffentlicht. Wie lässt sich diese Vitalität erklären?
Der Erfolg zeigt, dass die Nutzer die Inhalte als qualitativ hochwertig und relevant empfinden – dass sowohl Angebot als auch Nachfrage gesteigert werden kann. Ausserdem entspricht die Plattform offensichtlich einem echten Bedürfnis – sowohl der Unternehmen als auch der Endverbraucher.

Von Mary Vakaridis am 2. Dezember 2022 - 10:09 Uhr