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  4. Mona Vetsch auf der Suche nach dem Glück: «Ein Kind zu bekommen, war das Maximum an Glück»

Mona Vetsch, was macht glücklich?

«Ein Kind zu bekommen, war das Maximum an Glück»

Moderatorin Mona Vetsch fragt in ihrer neuen Sendung «Reporter Spezial», was Menschen glücklich macht: Ist es Geld, sind es Kinder, der Glaube oder Schönheit? Uns verrät die Thurgauerin, was für sie selber Glück bedeutet.

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«Ich bin nicht schön, ich bin lustig oder im besten Fall interessant. Das ist Mona – so, wie sie ist.»

David Biedert

Vor zwei Wochen wurde Mona Vetsch, 45, von ihrem Mann «mit dem perfekten Geschenk» zum Geburtstag überrascht: einer Patenschaft im Zoo Zürich für einen Nacktmull. «Etwas vom Coolsten, was ich je gesehen habe», schwärmt die Moderatorin, als wir sie im Zoo treffen. «Was für ein Glück ich hab, dass mein Mann mich so gut kennt und weiss, womit er mir eine Freude machen kann.» Und schon sind wir beim Thema:

Mona Vetsch, was ist Glück?
Was man mit Sicherheit sagen kann: Das Glück gibts nicht. Es gibt nur jedem das seine Glück.

Was macht Sie glücklich?
Momente, in denen ich nicht darüber nachdenke, ob ich jetzt glücklich bin oder nicht. Ich lebe extrem im Moment. Man könnte das auch negativ auslegen. Ich bin komplett unfähig, gross zu planen. Ich hatte nie eine Karriereplanung oder grosse Träume. Mein Glück liegt in den kleinen Momenten. Wie heute Morgen. Eigentlich mein einziger freier Tag diese Woche, und ich musste so früh aufstehen. Aber als ich dann so durch die Stadt fuhr, die am Erwachen war, und die Sonne sah, die so flach durch die Bäume schien, dachte ich: Läck, habe ich ein schönes Leben.

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Down Under! Ihr Job bringt Mona immer wieder an Orte, wo sie nie zuvor war.

SRF

Doch sind wir nicht alle auf der Suche nach Glück?
Für mich stimmts eher so wie bei Züri West: «Irgendeinisch fingt ds Glück eim und schteut es zwöits Tassli uf e Tisch.» Eine der schönsten Zeilen von allen Schweizer Mundartsongs. Man muss aber auch die Augen offen halten und das Glück zulassen.

Was passiert mit Ihnen in solchen Momenten?
Mich hat mal eine Frau im Bus angesprochen und gesagt: So schön, Sie strahlen sogar, wenn Sie in Ihr Handy schauen (lacht). Mir sieht man meine seelische Verfassung sofort im Gesicht an. Ich kann dreist vor mich hinlächeln, weil ich gerade was schön finde oder mich gut fühle.

«Wenn man so viel Glück im Leben hatte wie ich, dann rechnet man ja immer damit, dass irgendwann der göttliche Hammer kommt. Und ich richtig auf den Latz falle»

Mona Vetsch

Glück ist ja etwas sehr Subjektives.
Auf jeden Fall. Für die Sendung «Reporter Spezial» zum Thema «Macht Geld glücklich?» traf ich Christoph Trummer. Er lebt als Einsiedler und sagte schon als 20-Jähriger: Ich will keinen Besitz anhäufen, denn der belastet nur. Er baute sich eine Hütte aus Kuhmist und Lehm an einem Fluss. Das wäre für mich undenkbar. Ich hätte Panik, wenn ich nicht wüsste, wie ich Ende Monat meine Rechnungen zahlen kann. Was passiert, wenn ich plötzlich krank werde? Ich brauche finanzielle Sicherheit. Wenn man so viel Glück im Leben hatte wie ich, dann rechnet man ja immer damit, dass irgendwann der göttliche Hammer kommt. Und ich richtig auf den Latz falle. Ich bin in einem Elternhaus aufgewachsen, wo mir stets vermittelt wurde: Du musst arbeiten, um dich ernähren zu können. Du darfst nie davon ausgehen, dass jemand anderes für dich schaut. So die protestantische Arbeitsmoral. Aus diesem Grund könnte ich auch nie freischaffende Künstlerin sein. Ich habe mir das in jungen Jahren tatsächlich mal überlegt, weil ich immer sehr gerne geschrieben hätte, aber meine Existenzängste wären zu gross.

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Mona besuchte den Eremiten Christoph Trummer. Er lebt ohne jeglichen Besitz.

SRF/Peter Mosimann

Und doch gibts die Redewendung: Geld macht nicht glücklich.
Das stimmt natürlich überhaupt nicht. Ist wissenschaftlich erwiesen (lacht).

Setzt bei Ihnen Shopping Glückshormone frei? Ein paar tolle Schuhe, ein neues Kleid …
Nein, das funktioniert bei mir nicht. Der Luxus, der mir richtig guttut, ist, Neues zu entdecken. Das kann eine Reise sein oder beruflich an Orte zu kommen, wo ich noch nie zuvor war. Das hat nur zum Teil mit Geld zu tun. Wenn ich irgendwo viel Geld ausgebe, dann für meinen Garten. Ein tolles Gartencenter ist für mich ein viel grösseres Glücksversprechen als ein Kleiderladen.

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Obschon Mona in einer Bauernfamilie gross geworden ist, entdeckt sie ihre Liebe für den Garten erst viel später. «Das hätte ich nie für möglich gehalten.»

SRF/zvg

Würden Sie Ihre Kindheit als glücklich bezeichnen?
Erinnerungen sind per Definition meistens glücklich, weil man alles andere ausblendet (lacht). Da bin ich keine Ausnahme. Ich hatte wirklich eine super Kindheit mit vielen Freiheiten. Aber ich wusste immer, dass der Bauernhof nicht «meine Welt» ist. Ich interessierte mich schon damals mehr für Bücher, als im Stall zu helfen.

Und trotzdem haben Sie heute einen Garten.
Das hätte niemand für möglich gehalten. Am allerwenigsten ich selber. Was ich früher absolut ausgeschlossen hätte, wurde eines Tages zur Leidenschaft. Und mir wurde klar, ich habe noch ein paar andere Seiten. Man könnte auch sagen, ich bin ein totaler Opportunist. Ich kann mich super gut anpassen. Und habe ein Talent, in allem noch etwas Gutes zu sehen. So bin ich diejenige, die sogar einem verregneten Ferientag noch etwas Positives abgewinnen kann. Und innerhalb von fünf Minuten drei neue Ideen hat, was man unternehmen könnte. So im Sinn: Jeder Scheiss ist eine Chance. Das bin ich!

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Für Mona ist es ein grosses Privileg, auf der Welt zu sein. «Egal, warum wir hier sind.»

Thomas Buchwalder

Macht Glauben glücklich?
Statistisch gesehen auf jeden Fall! Er gibt dir einen Halt im Leben, woran auch immer du glaubst. Sowie eine Orientierung, wo dir vorgegeben wird, was gut und was schlecht ist. Das gibt eine gewisse Sicherheit, Geborgenheit und Gemeinschaft.

Sind Sie selber gläubig?
Nein, aber ich bin auch nicht ungläubig. Ich kann den Gedanken von Nächstenliebe sehr gut nachvollziehen. Da spielt es schlussendlich keine Rolle, wer uns das gesagt hat. Ob das der liebe Gott war oder das Gesetz der Natur. Ich glaube, dass man einfach besser fährt im Leben, wenn man nicht nur für sich selber schaut, sondern sich auch um andere Menschen sorgt und Verantwortung übernimmt. Es ist doch scheissegal, warum wir hier sind.

Sie haben sich nie die Frage gestellt, warum Sie so erfolgreich sind, während andere diese Chance nie bekommen?
Mein Grossvater hat immer gesagt, das Leben ist ungerecht. Gewöhn dich dran! Wenn ich jammerte, weil ich mich ungerecht behandelt fühlte, kam dieser Standardsatz. Und ich glaube das tatsächlich. Als ich mal mit Eltern auf der Krebsstation sprach, hörte ich oft: Warum unser Kind? Doch einmal sagte mir auch eine Mutter, das sei die Frage, die einen kaputtmache. Dass ich persönlich ein solch privilegiertes Leben führen darf, sehe ich jedoch als Verpflichtung.

Verpflichtung wofür?
Nun, ich habe keine Millionen, die ich in eine Stiftung investieren kann. Ich bin keine Erfinderin, sonst würde ich einen neuen Treibstoff erfinden, der kein CO2 ausstösst – das wäre auch lässig. Und ich bin auch keine Ärztin, die Tag für Tag Menschen hilft. Das Einzige, was ich kann, ist zuhören und manchmal den Leuten oder einem wichtigen Thema eine Plattform geben. Und ich schenke Zeit. Oft sprechen mich Menschen einfach so im Bus an und erzählen mir ihre Sorgen. Oder über Social Media schreiben mir Leute Geschichten, die manchmal auch absolut nichts mit meiner Sendung zu tun haben. Doch ich spüre, das ist jetzt für diese Person wichtig, und ich nehme mir wann immer möglich die Zeit.

Haben Sie für Ihr Glück gearbeitet?
Sicher war Glück dabei, aber ich habe auch ganz viel selber dazu beigetragen. Es kommt nicht von allein, wenn man faulpelzig auf dem Sofa liegt. Das Wichtigste ist herauszufinden, was dich glücklich macht. Für mich ist es, einen interessanten und intensiven Job zu haben. Und dann richtig Gas zu geben! Ich bin von Natur aus so, dass ich stets noch mehr will, noch härter arbeite, es nie gut genug ist. Ich bin per se überhaupt kein zufriedener Mensch.

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«Der Luxus, der mir richtig guttut, ist, Neues zu entdecken, oder meine Reisen»: Mona Vetsch im Zoo.

David Biedert

Sie haben zwei Söhne. War es für Sie schon immer klar, dass die Mutterrolle Sie glücklich machen wird?
Nein, gar nicht. Das war nie eine Schlüsselfrage. Als junge Frau haben mich ganz viele andere Fragen umgetrieben: Was will ich arbeiten? Was kann ich Neues probieren? In was für ein Elend kann ich mich noch stürzen und wieder aufstehen? Es ging mehr um Sturm und Drang. Je intensiver, je besser. Die Frage nach einem Kind kam bei mir erst auf, als ich den richtigen Mann kennenlernte. Und ich würde lügen, wenn ich sagte, dass eine grosse Planung dahinter war (lacht). Es ist manchmal auch ein Glück, wenn man sich nicht zu viel überlegt. Im Stil: Jetzt stimmts – go for it!

Machen Ihre Kinder Sie glücklich?
Ein Kind zu bekommen, war das Maximum an Glück – für mich. Auch wenn ich mein Leben nicht darauf ausgerichtet hatte. Und ja, ich liebe das Leben mit meinen Kindern in unserem wusligen Haushalt. Denn es ist wahnsinnig viel Betrieb, es wird nie langweilig, und ich habe endlich Menschen, die gerne mit mir zusammen gamen. Und ich brauche keine Ausrede mehr, um draussen im Garten zu zelten, ohne dass jemand sagt: Ist die eigentlich gaga? Das macht mich endlos glücklich (lacht). Aber es ist definitiv nicht die Aufgabe meiner Kinder, mich glücklich zu machen. Das ist so eine neumodische Vorstellung. Früher hatte man Kinder aus ganz anderen Gründen: Man konnte nicht verhüten, aus religiösen Gründen, als Altersvorsorge und vor allem, damit sie ganz viel arbeiten. Das eigene Glück auf ihre Schultern zu laden, wäre eine völlige Überforderung für Kinder. Darum ist für mich ganz klar: Meine Kinder schulden mir gar nichts!

«Es ist definitiv nicht die Aufgabe meiner Kinder, mich glücklich zu machen»

Mona Vetsch

Sie arbeiten in einem Business, wo Schönheit einen sehr hohen Stellenwert hat.
Ich arbeite beim Fernsehen. Ich würde lügen, wenn ich sage, dass Schönheit mir völlig egal ist.

Finden Sie sich selber schön?
(Schüttelt vehement den Kopf.) Ich bin eher lustig! Ich entspreche in vielem nicht dem klassischen Schönheitsideal. Im besten Fall finde ich mich interessant. Aber klar, als Teenager war das Aussehen ein gösseres Thema. Da wäre ich auch lieber eine Gazelle gewesen als so ein Pony mit kurzen Beinen und breitem Hintern (lacht). Heute bin ich mit mir im Reinen. Sogar mit meinen abgekafelten Fingernägeln habe ich mich abgefunden. Wichtig ist, dass ich authentisch rüberkomme: Das ist Mona – so, wie sie ist. Man muss sich nicht schön finden. Man muss sich selber gernhaben. Das ist am Schluss der Weg zum Glück.

Von Karin El Mais am 19.07.2020
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