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Olympia 2026: Mit Schiwingerkönig Orlik

Ein König ist nicht genug

Seine Olympia-Premiere hätte eine riesige Party werden sollen. Stattdessen erlebte Armon Orlik, wie schmerzhaft das Leben als Sportfan sein kann.

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<p>Ein starkes Duo: Schwingerkönig Armon Orlik (l.) und sein Athletiktrainer Robin Städler an den Olympischen Winterspielen.</p>

Ein starkes Duo: Schwingerkönig Armon Orlik (l.) und sein Athletiktrainer Robin Städler an den Olympischen Winterspielen.

© PASCAL MORA

Armon Orlik (30) zieht eifersüchtige Blicke auf sich. Während sich die Zuschauer in Livigno vor den wenigen Essensständen anstellen, greift der Schwingerkönig nach dem Salamisandwich im Rucksack. In Alufolie gewickelt. Selbst gemacht. Er packt es aus und nimmt einen grossen Bissen. «Das ist fantastisch», schwärmt der Bündner. Danach verschwindet eine Clementine in seinen riesigen Händen. Verpflegung wie an einem Schwingfest, und das an den Olympischen Winterspielen! Orlik geniesst für einmal die Rolle als Zuschauer. Keine Selfies, keine Autogramme, nur er und seine Begeisterung für den Sport. Gemeinsam mit Athletiktrainer Robin Städler (53)  und dessen Familie unterstützt er das Snowboard-Paar Ladina und Dario Caviezel. Die beiden trainieren seit drei Jahren jeweils am Freitag mit Orlik im Kraftraum. «Wir pushen uns immer weit über das Limit hinaus. Deshalb haben auch sie einen Anteil an meinem Königstitel», sagt Orlik.

<p>Die Verpflegung war hervorragend.</p>

Die Verpflegung war hervorragend.

© PASCAL MORA

Der Kampf mit dem Fanshirt

Weil die Caviezels bei seinem Triumph am ESAF in Mollis dabei waren, versucht sich nun der Schwinger als Glücksbringer beim Parallel-Riesenslalom. Bevor es sportlich ernst wird, kämpft Orlik erst einmal mit dem Fanshirt der Caviezels. Er muss mehrfach daran ziehen, bis er es endlich über Schultern und Brust geschafft hat. «Das ist definitiv nicht für Schwinger gemacht», sagt er grinsend. Zu seiner Fanausrüstung gehören auch eine Schweizer Fahne und eine Kuhglocke. Mit dieser macht der Caviezel-Fanklub im Zielraum so richtig Stimmung.

Orlik klatscht, ruft, leidet mit. «Allez, Dario! Allez, Ladina!», schreit er immer wieder. Die Atmosphäre ist elektrisierend. Fahnen werden ⁄geschwenkt, Sprechchöre hallen durch den Zielraum. «Es ist unglaublich, was hier abgeht. Richtig cool.» Doch dann kippt die Stimmung im Schweizer Lager abrupt.

Der Dicke und der Lauch

Ladina (32) scheitert in ihrer Abschiedssaison bereits in der Qualifikation. Dario (30) wenig später im Achtelfinal. Als klar wird, dass der Medaillentraum geplatzt ist, verstummt Orlik. Er schüttelt den Kopf, kann kaum glauben, was gerade passiert ist. «Es tut brutal weh. Das haben sie nicht verdient», murmelt er. Kurz darauf kommt Ladina vorbei. Armon versucht, sie aufzumuntern – wohl wissend, dass Worte in diesem Moment wenig bewirken. «Da bist du einfach nur am Boden zerstört.»

<p>Das Resultat am Ende schlug dem Schwingerkönig mächtig auf den Magen.</p>

Das Resultat am Ende schlug dem Schwingerkönig mächtig auf den Magen.

PASCAL MORA

Trotz dem bitteren Ende überwiegt bei ihm der Stolz: «Eine Olympia-Teilnahme ist nicht selbstverständlich.» Für einen Moment kehrt dann doch noch etwas Leichtigkeit zurück. Städler kommt aus der Toilette beim Zielraum und sagt grinsend: «Ich dachte doch, den Dicken da kenne ich.» Orlik kontert sofort: «Jaja – und du bist halt einfach ein Lauch.» Beide lachen.
Dann greift Orlik noch einmal in seinen Rucksack. Das Sandwich ist weg, die Klementine auch. Geblieben ist – neben einem Knoppers – das Gefühl, alles gegeben zu haben. Für einmal als Fan.

Von Nicola Abt am 15. Februar 2026 - 06:00 Uhr