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50 Jahre Frauenstimmrecht

«Es war normal, gleich wie die Jungs behandelt zu werden»

Durch eine eidgenössische Abstimmung wurde 1971 in der Schweiz das Frauenstimmrecht eingeführt. 50 Frauen blicken für die Schweizer Illustrierte zurück – und wagen einen Blick in die Zukunft. Heute: Schauspielerin und Moderatorin Susanne Kunz.

Susanne Kunz, Kolumne, 50 Jahre Frauenstimmrecht, SI 17/2021

«Was für ein kostbares Vermächtnis!» Moderatorin Susanne Kunz.

ZVG

Heute fühle ich Dankbarkeit, ich habe «Frauen.Rechte» im Landesmuseum in Zürich besucht. Die Ausstellung beleuchtet das seit über 200 Jahren andauernde Ringen um Frauenrechte in der Schweiz.

Sie ist eine Hommage an jene Frauen, die unerschrocken und voller Überzeugung für ihre Visionen gekämpft haben, die aufmüpfig, hartnäckig und laut waren.

Ich verneige mich vor all den mutigen Aktivistinnen, die für den Kampf um Gleichberechtigung bereit waren, gesellschaftlich geächtet, eingesperrt, gefoltert, als psychisch krank abgestempelt oder zwangssterilisiert zu werden. Ihnen verdanken wir unsere heutigen Rechte und somit ein selbstbestimmteres Leben. Was für ein kostbares Vermächtnis! Ich gehöre wohl der ersten Generation von Frauen in der Geschichte der Schweiz an, die das hart erkämpfte Erbe aller Frauenrechtsaktivistinnen auf dem silbernen Tablett serviert bekommen haben. Ich wurde 1978 geboren, sieben Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechts und drei Jahre vor Einführung des Gleichstellungsartikels. Es war für mich stets ganz normal, gleich wie die Jungs behandelt zu werden. Gleiche Regeln, gleiche Freiheiten, gleiche Möglichkeiten. Nie wurde ich eingeschränkt aufgrund meines Geschlechts.

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Susanne Kunz Privat

Zur person

1978 geboren, wächst die Moderatorin im bernischen Seeland auf. Ab Juli ist Susanne Kunz im Sihlwald als Schauspielerin in «Das Lied der Mordnacht» zu sehen. Neu hat die Pilateslehrerin (pilateszone.ch) zusammen mit Alexandra Elser souveraen-resilient.ch aufgebaut und bietet Firmen Workshops an für mehr Widerstandskraft und innere Balance. Susanne Kunz ist Mutter von zwei Kindern und lebt mit ihrer Familie in Zürich.

Für meine Mutter galten noch ganz andere Gepflogenheiten. Sie gehörte zu jenen Frauen, die bei ihrer Heirat Anfang der 1970er-Jahre ihre Arbeitsstelle kündigen mussten, denn schliesslich wartete eine blühende Zukunft als Ehefrau und Mutter auf sie. Sie hatte damals also die Wahl zwischen Arbeiten oder Heiraten.

Heute ist ein solches Szenario für Frauen in der Schweiz zum Glück undenkbar. Und doch ist der Status quo in vielerlei Hinsicht noch nicht befriedigend; Chloé Zhao hat eben den Regie-Oscar für «Nomadland» gewonnen. Als erst zweite Frau in der Geschichte der Oscars! Frauen sind zwar bestens ausgebildet, in Leitungspositionen aber immer noch in der Minderheit. Die Gesetzgebung in Bezug auf sexuelle Gewalt gegen Frauen ist leider zu oft zum Vorteil für die Täter. Es gibt also noch viel Luft nach oben. Für uns. Für unsere Töchter. Und deren Töchter.

Von Susanne Kunz am 30.04.2021
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