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SI-Chefreporter zum Tod von Flavio Cotti

«Evviva la vita!»

Die Schweiz trauert um einen ehemaligen Bundesrat aus dem Tessin: Flavio Cotti ist am Mittwoch in einem Spital an den Folgen des Corona-Virus 81-jährig gestorben. SI-Chefreporter André Häfliger erinnert sich.

Flavio Cotti, Bundesrat 1997

Alt-Bundesrat Flavio Cotti ist für immer eingeschlafen. Er starb an den Folgen einer Corona-Infektion. 

Kurt Reichenbach

Was war der Mann aus Muralto bei Locarno für eine Frohnatur! «Das Leben ist kurz, man muss jeden Tag geniessen. Evviva la vita», antwortete er mir mal auf meine Frage nach seinem Lebensmotto. Das schöne Tessin hat uns verbunden: Meine Mutter Graziella stammt aus Biasca, wir haben fünf Jahre lang in Tenero gewohnt. Mit Cotti Italienisch zu sprechen, war stets eine Wohltat.

Flavio Cotti, Bundesrat, mit Frau Renata 1997

Flavio Cotti 1997 mit seiner Ehefrau Renata.

Kurt Reichenbach
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Am 13. Januar 1999 gab der ehemalige CVP-Innen- und Aussenmister sowie zweimalige Bundespräsident (1991 und 1998) nach 13 Jahren im Amt (wie Adolf Ogi) seinen Rücktritt bekannt. Zusammen mit dem Appenzeller Bundesrat Arnold Koller. An diesem Tag gingen bei mir einige Lichter an, ich musste mich mehrmals an die Stirn fassen.

Bundesrat und Aussenminister Flavio Cotti reist in die USA 1997

Flavio Cotti auf einer USA-Reise als Schweizer Aussenminister.

Kurt Reichenbach

Warum? Bei den Parlamentarier-Skirennen in Davos fuhr ich vor den beiden Rücktritten neben Arnold Koller auf dem Skilift. Das war um etwa 9:15 Uhr morgens. Zu früh für mich. Koller: «Was für ein herrlicher Tag! Ich muss ihn geniessen, denn das hier ist mein letztes Mal.» «Schön zu hören», sagte ich.

Er schaute mich etwas verwundert an – er hatte mich wohl nicht ganz verstanden. In der Tat: Drei Wochen später gab Koller eben zusammen mit Flavio Cotti den Rücktritt aus dem Bundesrat bekannt. Und mir hatte es der Appenzeller Magistrat schon auf dem Skilift sagen wollen. Exklusiv-Story verpasst, noch geschlafen halt.

Von André Häfliger am 17.12.2020
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