Ein Mann atmet Zukunft: Investor und CEO Jan Schoch (48) sitzt in einer futuristischen Kapsel, die genauso gut aus dem neuen Science-Fiction-Film «Avatar: Fire and Ash» stammen könnte. Doch statt über Pandora zu gleiten, tankt Schoch im Spa seines 160-Millionen-Hotelprojekts Appenzeller Huus in Gonten Sauerstoff – im wahrsten Sinn des Wortes.

Das exklusive «Huus Quell» ist das Herzstück des Hotelkomplexes Appenzeller Huus in Gonten AI.
Fabienne BühlerWenn Schoch etwas anpackt, ist er seiner Zeit voraus. Das war schon 2007 bei der Gründung der auf strukturierte Finanzanlagen spezialisierten Leonteq der Fall. Mit dem «Huus Quell» will er nun die Schweizer Hotellerie auf den Kopf stellen – Biohacking mit alpinem Charme. «Viele Schweizerinnen und Schweizer verbringen ihre Wellnessferien im Ausland – das möchte ich ändern», sagt er. Seine Devise: «Long Lasting Lifestyle». «Es geht darum, möglichst gesund alt zu werden.»
Während er in der hyperbaren Sauerstoffkapsel über eine Maske 99 Prozent reinen Sauerstoff einatmet, checkt er Mails und streamt Netflix. «60 bis 90 Minuten dauert eine Session – danach läuft der Körper wie frisch aufgeladen.»
Schoch verspricht keinen Hokuspokus, sondern auf 2200 Quadratmetern gezielte Prävention von Körper und Geist auf wissenschaftlicher Basis. Die Gäste lassen sich per 3D-Scan ihren virtuellen Zwilling erstellen, aktivieren in einer Röhre im Unterdruck ihre Lymphen oder frieren sich in der Kältekammer bei minus 110 Grad jung. Das klingt nach Science-Fiction. Aber es funktioniert: Die Profis des FC St. Gallen sind Stammgäste – und grüssen als Vize-Wintermeister.

Ex-Banker und Neu-Hotelier Schoch: «Die Farben, Formen und Materialien nach Feng-Shui schaffen in allen Häusern eine Wohlfühlatmosphäre.»
Fabienne BühlerSchoch hat ein Imperium aus drei Häusern gebaut: das «Huus Bären» (Dreisterne-Superior), das edle «Huus Löwen» (4-Sterne-Superior) – es zählt zur renommierten Preferred-Hotels-&-Resorts-Gruppe – und das Fünfsterne-Superior «Huus Quell», das zum exklusiven Kreis von The Leading Hotels of the World gehört. «Luxus für alle, nicht nur für wenige», so Schochs Credo.
Mondholz aus nahen Wäldern
Der gebürtige Appenzeller bleibt ein Visionär – und das merkt man beim ersten Schritt ins jetzt eröffnete «Huus Quell». Farben und Formen sind nach Feng-Shui ausgewählt. Das «Huus» strahlt Wohlbefinden aus, als wäre es schon immer da gewesen. Viel tragen die Tapeten, Kissen und Decken aus dem über hundertjährigen Textilunternehmen Jakob Schlaepfer dazu bei. Aber auch die Holzkonstruktion ganz ohne Nägel und Schrauben. 6000 Stämme fällten Arbeiter in den nahen Wäldern bei abnehmendem Mond. Die enorme Menge des Gesamtprojekts bindet laut Schoch über 3000 Tonnen CO2 und macht es mit seiner CO2-Bilanz zum nachhaltigsten Bauwerk seiner Art.
Um die ganze Wertschöpfungskette lokal zu verankern, gründete Schoch extra die zwei Firmen Appenzeller Bohlenstangen AG und – zusammen mit einem lokalen Holzbauer – die Massivholzbau Appenzellerland AG.

Mit sicherem Griff schneidet Jan Schoch den Balken durch. Holz fasziniert ihn, er hat extra für sein Hotelprojekt zwei lokale Holzbaufirmen gegründet.
Fabienne BühlerIn der Botanicum Bar mit einer Wand, gross wie ein Fussballtor, spriessen die verschiedensten Kräuter aus 144 Töpfen. Der Signature Drink? Schmeckt nach Spaghetti bolognese – dank Sherry, hausgemachtem Sofrito-Sirup und einer verdampften Essenz aus veganer Spaghetti-bolognese-Sauce. Klingt verrückt. Ist es auch. Aber genial. Genauso wie die riesige Metallwolke aus 100 Glühbirnen direkt über der Bar, die sich mit KI der Musik und dem Licht anpasst.
Schoch ist heimgekehrt. Der Mann, der einst als «Elon Musk der Finanzwelt» gefeiert und später fallen gelassen wurde, hat hier Ruhe gefunden. «In Zürich als Leonteq-CEO rissen sich alle um mich. Nach meiner Entlassung kannte mich keiner mehr», erinnert er sich. «Die Person Jan Schoch interessierte keinen Menschen.»
Im Appenzell ist das anders. Die Eltern Marlise und Erich halten ihm den Rücken frei, betreuen die Enkel oder den vierjährigen Hund Attila und kümmern sich um Haus und Garten. Die Familie ist sein Anker. Auch die drei Brüder tauschen sich regelmässig aus. «Reto ist ähnlich ehrgeizig wie Jan», sagt Mutter Marlise. «Er gewann 2012 die Race Across America.» Bruder Tobias ist Chief Security Officer bei der AXA Schweiz.

Besuch der Eltern: Marlise und Erich überraschen Jan im «Huus Bären». Dort haben sie 1976 geheiratet – sie zeigen ihm das Album mit den Fotos.
Fabienne BühlerGegen Kritik weiss er sich zu verteidigen
Heute besuchen die Eltern ihren Sohn Jan im «Huus Bären». Sie haben ein Fotoalbum dabei. «Hier haben wir 1976 geheiratet», sagt Marlise. Und als der Bären 2014 nach dem Tod des damaligen Besitzers – des ehemaligen CS-Präsidenten Hans-Ulrich Doerig – geschlossen wurde, rettete Schoch das Traditionshaus vor dem Aus. Nun schliesst sich der Kreis.
Doch nicht alle jubeln: 160 Millionen sind in einem kleinen Dorf eine riesige Summe. Und dann noch fremde Reiche in den geplanten 50 Eigentumswohnungen neben den Hotels? Schoch kontert: «Das Dorf und der Kanton stehen hinter mir. Ich habe verschiedene Käufer abgelehnt, weil sie nicht hierher passten.» Auch den Vorwurf, er verdränge Einheimische, lässt er nicht auf sich sitzen: «Ich baue Personalhäuser, damit genau das nicht passiert. Das gibt auch für Einheimische bezahlbaren Wohnraum, da die Wohnungen nicht exklusiv für das Personal sind.»
Und die Gerüchte um wackelnde Finanzen? «Neben mir sind die Bank WIR und die Schweizerische Gesellschaft für Hotelkredit an der Finanzierung beteiligt», so Schoch. «In den letzten drei Jahren hat meine Gruppe Gewinne in einer zweistelligen Millionenhöhe gemacht», erklärt er. «Insgesamt haben wir 34 von 50 Wohnungen verkauft, wovon allein 2025 zwölf Wohnungen in einem Gesamtwert von rund 30 Millionen Franken verschrieben wurden.»
Zudem habe die Jan Group AG als Teil ihrer Finanzierungsstruktur von ihm ein privates Aktionärsdarlehen von 34 Millionen Franken erhalten. «Durch die aufgelaufenen Gewinne und mein eigenes Aktionärsdarlehen ist meine Gruppe solide finanziert und gesichert.»

Schoch im grössten Weinkeller der Schweiz: In sieben nach Herkunft und Typ gegliederten Räumen lagern auf 350 Quadratmetern 20 000 Flaschen.
Fabienne BühlerJan Schoch hat gelernt, Kämpfe auszufechten. Nachdem er den Spesenfall gegen den damaligen VR-Präsidenten Pierin Vincenz ins Rollen gebracht hatte, feuerte dieser ihn bei Leonteq, sein Vermögen schrumpfte, seine Ehe zerbrach. Heute steht er wieder da – geerdet, aber immer noch als grosser Visionär.
Und ganz nebenbei arbeitet er an seiner dritten Karriere: Wenn sein jüngster Sohn kickt, steht Jan Schoch nicht nur als begeisterter Vater an der Seitenlinie. Sondern ab und zu auch als Coach der E-Junioren des FC Appenzell. Vielleicht ist das sein wichtigster Job.
